Als ob Mindestlohn, langwierige Mehrwertsteuerdebatte und ein oftmals durch die Medien verbreitetes schlechtes Image nicht genug wären, kommt jetzt auf Gastronomen und Hoteliers die nächste Welle zu, die die Arbeit alles andere als leichter machen wird. Ab 13. Dezember gilt in allen EU-Mitgliedsstaaten die eigentlich harmlos klingende „Lebensmittel-Informationsverordnung“. Der Kern dieser LMIV abgekürzten Verordnung ist die Informationspflicht über allergene Zutaten bei sogenannter loser Ware – was sich besonders massiv auf das Gastgewerbe auswirkt.

Denn diese Informationspflicht bedeutet nichts anderes, als dass jeder Gast über die in Speisen verwendeten allergenen Zutaten (die europäische Verordnung benennt insoweit 14 Gruppen von allergenen Zutaten, auf die rund 90 Prozent der in Europa auftretenden Nahrungsmittelunverträglichkeiten entfallen) informiert werden müssen – ob beim À-la-carte-Geschäft oder am Frühstücksbuffet, ob beim Catering oder bei Aktionsmenüs.

Übers Ziel hinaus geschossen

Ingrid Hartges, DEHOGA Bundesverband

Ingrid Hartges, DEHOGA Bundesverband (Foto: Privat)

Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des DEHOGA Bundesverbandes und bei der Allergenkennzeichnungspflicht tief im Thema, betont, dass die EU mit der Verordnung weit übers Ziel hinaus geschossen sei. „Natürlich ist es wichtig, Allergiker zu informieren und zu schützen. Es gibt aber eben nur einen geringen Prozentsatz an Allergikern, weshalb wir uns fragen, ob der ganze Aufwand gerechtfertigt ist. Denn die Verordnung greift massiv in den Alltag der Wirte ein, wenn sie alle Speisen kennzeichnen müssen.“ Das könne nicht nur dazu führen, dass Speisekarten dick wie Telefonbücher würden und die Attraktivität einer optisch gut gemachten Karte aufgrund zahlreicher Ziffern und Fußnoten verloren gehe. Viel entscheidender ist die Gefahr, durch die Informationspflicht die Kreativität in den Küchen und die Angebote einzuschränken. „Ich habe beispielsweise mit einer Köchin gesprochen, die saisonal und regional kocht.

Sie sagte mir, dass in allen Gerichten mehrere Allergene vorhanden seien, die dann wiederum gekennzeichnet werden müssen“, sagt Hartges. Somit sei das Risiko groß, dass Köche, um Aufwand und Gefahren einzuschränken, mehr und mehr auf Convenience zurückgriffen und dementsprechend auch ihre Gerichte nicht mehr kreativ veränderten. „Wir stehen ja vor dem Problem, dass jede Anpassung der Rezeptur – und sei es nur das Topping auf dem Salat – kommuniziert werden muss, wenn eine allergene Zutat darin enthalten ist.“


 

» Die Informationspflicht kommt, und wir müssen damit umgehen. Denn wenn es bis zum 13. Dezember keine nationalen Regelungen gibt, gilt für die Informationen über allergene Zutaten bei nicht vorverpackten Lebensmitteln unmittelbar die europäische Verordnung. Das heißt, dass Wirte die Informationspflicht nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten. «

Zitat: Ingrid Hartges, DEHOGA Bundesverband


 

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