Zuerst einmal klingt die Idee gut: Menschen auf der ganzen Welt stellen ihre Privatwohnungen gegen eine Gebühr für Reisende zur Verfügung. Das stärkt Kommunikation und Zusammenhalt, jeder kann auch in den Metropolen dieser Welt einen Schlafplatz seinem Budget entsprechend finden – „Share Economy“ ist hier das Stichwort. Teilhaben statt besitzen, lautet die Devise, nach der mehr und mehr Menschen leben, und neben Schlafmöglichkeiten werden auch Parkplätze, Autos und zig verschiedene andere Dinge geteilt. 

Das Übernachten bei Fremden hat der US-Konzern Airbnb global salonfähig gemacht. Auf der Website www.airbnb.com sowie über Smartphone- und Tablet-Apps werden die Übernachtungsangebote vermarktet. Laut eigenen Angaben hätten bislang mehr als 20 Millionen Gäste das Angebot von Airbnb genutzt, davon allein zehn Millionen bereits in diesem Jahr. Airnbnb verzeichne mittlerweile mehr als eine Million Gäste im Monat. Weltweit stünden 800.000 Unterkünfte (in 190 Ländern) zur Verfügung, darunter 17.000 Villen, 3.000 Schlösser und zahlreiche andere besondere Domizile. 

Airbnb verfolgt handfeste Interessen

Reisen als „Share Economy“? Günstig übernachten in einer privaten und heimeligen Atmosphären und dabei neue Menschen kennenlernen, denen man sonst nie begegnet wäre? Unabhängiges und hochmobiles Buchen von Tag zu Tag am Computer oder mit dem Smartphone? Das hört sich nach weltweiter, sozialer Vernetzung an, eben nach Teilhabe, nach Gemeinschaft und neuen Methoden des Wirtschaftens. Aber so viel eitel Sonnenschein ist es gar nicht. Denn auf der einen Seite vertritt Airbnb natürlich handfeste wirtschaftliche Interessen. Zwar schweigt sich Airbnb über Umsätze etc. beharrlich aus, aber ausgehend von der Gebührenordnung (drei Prozent für Gastgeber, sechs bis zwölf Prozent für Gäste) lässt sich leicht überschlagen, dass das Unternehmen, durchaus auf ordentliche Zahlen blicken kann. Und zum anderen baut Airbnb eine massive Konkurrenz zur traditionellen Hotellerie auf – jedoch ohne die rechtlichen Verpflichtungen, denen professionelle Gastgeber unterliegen. 

Das heißt konkret: Über eine Plattform wie Airbnb vermarktet sich jeder, der will, als Hotelier und kann seine Privaträume Reisenden zur Verfügung stellen, und zwar in jeder Größenordnung. Damit positionieren sie sich als Konkurrenten des Übernachtungsgewerbes, was Fritz G. Dreesen, Vorsitzender des Hotelverbandes Deutschland (IHA), schon vor einigen Monaten zu folgender Forderung veranlasste: „Brandschutz-, Betriebs-, Sicherheits- oder Hygieneauflagen können aus guten Gründen nicht nur in einem Teil des Beherbergungsmarktes verpflichtend sein. Durch deren Nichtbeachtung wird auch der Wettbewerb zu Lasten der Verbraucher, Anwohner, Steuerzahler und nicht zuletzt der Hotellerie verzerrt. Was wir fordern: gleiche Rechte, gleiche Pflichten!“

„Es ist aber nicht so, als seien die Einkünfte aus solchen Vermietungen für Privatleute steuerfrei. Das ist ein Irrglaube. Vermietungseinkünfte müssen in der Steuererklärung angegeben werden, da eine Gewinnerzielungsabsicht vorliegt“, sagt Burkhard Küpper, Steuerberater und geschäftsführender Gesellschafter der Düsseldorfer Steuerberatungsgesellschaft Albers. 

Antritt im Geschäftsreisemarkt geplant

Doch bei dem Fokus auf dem Privatmarkt wird es bei Airbnb nicht bleiben. Der Konzern nimmt jetzt auch die Geschäftskunden ins Visier. „Durch die Partnerschaft mit Concur, dem führenden Anbieter von Ausgabenmanagement-Lösungen weltweit, unterstützt Airbnb nun auch verstärkt Businessreisende. Geschäftsreisende, die Concurs TripLink Service nutzen, können Airbnb-Inserate direkt buchen, haben ihre Spesenabrechnungen automatisch in Concur hinterlegt und stellen sicher, dass ihre Sorgfaltspflicht erfüllt ist. Die Partnerschaft ist derzeit ein Test, an dem vor allem amerikanische Unternehmen, unter anderem Salesforce“ teilnehmen, heißt es bei Airbnb. Pläne für den europäischen Markt gibt es bisher zwar konkret nicht, aber Julian Trautwein, Pressesprecher Airbnb für Deutschland, Österreich und die Schweiz, sagt: „Schon jetzt machen Geschäftsreisen mehr als zehn Prozent unserer Buchungen aus. Geschäftsreisende schätzen es, dass sie dank Airbnb ein eigenes Zuhause zur Verfügung haben und sich nach der Arbeit mit ihrem Gastgeber austauschen können. Wir gehen davon aus, dass die Differenzierung auf dem Geschäftsreisemarkt in Zukunft weiter zunehmen wird – Unternehmen werden hier stärker auf die Wünsche ihrer Mitarbeiter eingehen und Airbnb auch vermehrt als Möglichkeit zur Teamstärkung wahrnehmen.“

Das wird dann natürlich Auswirkungen auf den Geschäftsreisemarkt haben. Der ist traditionell stark in Deutschland, und vor allem für die Großstadthotellerie ein echter Umsatzbringer – in einem wachsenden Umfeld. Allein deutsche Unternehmen gaben im vergangenen Jahr 12,2 Milliarden Euro für ihre Businessreisen aus, einen großen Teil davon natürlich in Deutschland, und das internationale Geschäft bringt noch einmal eine Vielzahl an Gästen. Laut IHA-Hauptgeschäftsführer Markus Luthe entstehe durch Airbnb möglicherweise ein neues Marktsegment mit kaum vorhandenen oder deutlich reduzierten Serviceangeboten.

Steuerberater Burkhard Küpper sieht – neben den Fragen nach Service, Versicherungsschutz etc. – gerade für Geschäftsreisende einen entscheidenden Nachteil bei der Nutzung von Airbnb-Angeboten: „Wenn Privatvermieter keine Belege ausstellen, ist der steuerliche Abzug für Unternehmen nicht gewährleistet“, warnt er. Diese Punkte sprächen gegen eine Nutzung von Airbnb.

Mittlerweile regt sich auch Widerstand gegen die Airbnb-Aktivitäten. In der Bundeshauptstadt Berlin beispielsweise herrscht seit 1. Mai ein Zweckentfremdungsverbot, wonach Wohnungen nur mit einer Genehmigung des Bezirksamtes in Ferienwohnungen umgewandelt werden dürfen. So wolle der Senat verhindern, dass immer mehr Wohnraum gewerblich genutzt und dem Wohnungsmarkt entzogen werde.

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