GASTGEWERBE MAGAZIN: Herr Luthe, welche Auswirkungen könnte der Report auf die Hotellerie in Deutschland und Europa haben? Was sind die aus der Veröffentlichung resultierenden Schritte?

Markus Luthe

Markus Luthe (Foto: IHA)

Markus Luthe: Die Europäische Kommission hat sich bisher nicht dazu geäußert, welche Konsequenzen sie aus den eingegangen Stellungnahmen zieht und ob sie Maßnahmen ergreifen wird. In der Regel folgt aber auf ein Grünbuch zwei, drei Jahre später auch ein sogenanntes Weißbuch. Dies könnte bereits konkrete Maßnahmen enthalten, mit denen sich die europäische Hotellerie dann auseinander setzen muss. Am Ende könnte dann ein verbindlicher Rechtsakt, zum Beispiel eine Verordnung oder eine Richtlinie, erlassen werden.

Stehen regulatorische Verschärfungen zu befürchten? Der Gesetzgeber ist ja – leider – schnell damit bei der Hand.

Nach der Auswertung der Stellungnahmen ist klar, dass es nicht nur Regulierungsgegner gibt. Einige Stimmen haben bereits konkrete Regulierungsmaßnahmen vorgeschlagen, mit denen sich die Kommission auseinandersetzen wird. Nach unserer Einschätzung besteht die reale Gefahr, dass eine gesetzgeberische Initiative mit zusätzlichen Belastungen für die Hotellerie auf den Weg gebracht werden könnte.

Welche Möglichkeiten hat die Hotellerie zu verdeutlichen, dass verschärfende rechtliche Maßnahmen nicht nötig sind?

Wir haben bereits in unserer Stellungnahme zum Grünbuch klargestellt, dass wir in Deutschland über ausreichend Vorschriften und Gesetze verfügen. Nach unserer Schätzung gibt es circa 5000 Regelungen, die dafür sorgen, dass die Gäste im Hotel sicher aufgehoben sind. Diese Regelungen haben sich bewährt und werden ständig weiterentwickelt – erst jüngst zum Beispiel durch die Änderungen der Muster-Beherbergungsstättenverordnung und der Muster-Versammlungsstättenverordnung. Auch die sogenannten Eurobarometer-Umfragen der Kommission belegen, dass kein Anlass zur Regulierung besteht. Die Touristen in Europa fühlen sich sicher und sind sehr zufrieden. Die Befragten äußerten ein hohes Maß an Zufriedenheit mit den meisten Aspekten ihres Urlaubs im Umfragejahr, so insbesondere mit der Sicherheit (95 Prozent) und der Qualität (95 Prozent) ihrer Unterkunft.

Sie verweisen auf den vom europäischen Dachverband HOTREC mitentwickelten MBS-Brandschutzleitfaden. Weshalb ist dieser so wichtig?

Der MBS-Brandschutzleitfaden beschreibt bewährte Verfahrensweisen, die zum Brandschutz in europäischen Hotels beitragen. Das Dokument wird von deutschen Hotels auf freiwilliger Basis genutzt und dient als Ergänzung der nationalen, regionalen und lokalen Vorschriften und Standards. Umso mehr Hotels sich freiwillig mit dem Thema auseinandersetzen, desto einfacher gelingt der Nachweis, dass dem Brandschutz bereits ein hoher und ausreichender Stellenwert beigemessen wird. Wir rufen daher nochmal alle Hotels zur Verwendung des für IHA- und DEHOGA-Mitglieder kostenlosen MBS-Brandschutzleitfadens auf.