gastgewerbe-Magazin: Sie haben Ihr Haus sehr modern und zeitgemäß gestaltet und technisch sehr hochwertig ausgestattet und verkaufen die Zimmer dennoch zu sehr günstigen Raten. Wie geht das zusammen?
Michael Mücke: Schön, hochwertig und gute technische Ausstattung muss ja nicht immer gleich teuer sein. Wir bieten mit unserem Etap-Produkt, das übrigens bald ibis budget heißen wird, Basiskomfort zum Sparpreis. Sie bekommen ab 39 Euro ein gutes Zimmer mit sehr guten Betten und sogar in Deutschland noch kostenloses WLAN. Dafür müssen Sie, wenn Sie etwa nachts noch einen kleinen Snack oder ein Getränk möchten, in den Lobby-Bereich gehen und es sich aus unseren Automaten selbst holen. Ein gutes Frühstücksbuffet kostet dann nochmals sechs Euro. Die meisten unserer Gäste finden dieses Basiskomfort-Konzept prima und kommen nicht nur wegen des guten Preises immer wieder zurück zu uns.
Die Etap Hotels gehören zur international renommierten Accor-Gruppe, die ja auch Fünf-Sterne-Häuser betreibt. Welche Erwartung haben die Gäste an Budget-Hotels, hinter denen die Marke Accor steht?
Das stimmt. Als einziger Hotelkonzern weltweit bieten wir unseren Gästen Hotelangebote vom Ein- bis Fünf-Sterne-Bereich. Mit Etap Hotels und ibis gilt Accor übrigens sogar als Erfinder der Economy Kettenhotellerie. Wir beweisen seit über 40 Jahren, dass man mit diesem Konzept sehr erfolgreich sein kann. Unsere Gäste erwarten von uns ein klares Qualitätsversprechen zu fairem Preis. Und das weltweit. Allein in den Marken ibis, ibis Styles und ibis budget gibt es in Europa über 1500 Häuser. Dieses Qualitätsversprechen in Produkt, Design und Service müssen wir weltweit einhalten.
Welche Anforderungen an die Architektur und Innenausstattung bestehen, wenn die Marke Accor Budget-Hotels betreibt? Andere Häuser haben es vermutlich einfacher?

Michael Mücke, Senior Vice President der all seasons, Ibis, Etap und Formule 1 Hotels Foto: Accor Gruppe
Ich würde nicht sagen, dass es andere Häuser einfacher haben. Vielleicht ist sogar das Gegenteil der Fall. Gerade in den standardisierten Marken ibis und ibis budget/Etap können wir aufgrund der hohen Anzahl an Häusern neue Design-Überlegungen zentral planen und dann in großer Menge in den Ländern, mit regionalen Anpassungen, anwenden. Das senkt natürlich die Kosten enorm, da wir Materialien und Objekte in großen Stückzahlen produzieren können und dennoch dabei in der Lage sind, eine ansprechende Architektur und Innenausstattung anzubieten.
Wie haben Sie das Design ermittelt? Woher wussten Sie, was die Gäste wollen?
Wir haben in Paris eine zentrale Design-Abteilung. Die Entwicklung läuft ähnlich wie in der Industrie. Es gibt Forschungsteams, die etwa Materialien, Produktideen, aber auch Demographie- und Sozialstudien sammeln. Dann entsteht eine neue Zimmeridee, welche dann aufgebaut und von Gästen getestet wird. Erst nach eingehenden Feedbacks und Anpassungen geht dann das „fertige, neue“ Produkt quasi „in Serie“. Im gesamten Prozess sind die Gästemeinungen wichtig und voll integriert. Einerseits durch ständiges Feedback im laufenden Betrieb, andererseits durch aktive Einbindung im Entwicklungsprozess, wie in Fokus-Gruppen. Dass wir das im Fall von ibis budget/Etap richtig gemacht haben, zeigt die Tatsache, dass wir mit diesem Zimmerkonzept Designpreise gewonnen haben. Noch wichtiger ist uns aber, dass uns unsere Gäste zurückmelden, dass sie das neue Zimmerkonzept mögen und gerne wiederkommen.

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