Die Digitalisierung ist in aller Munde. Laut einer Studie des Branchenverbandes Bitkom sehen nahezu alle deutschen Unternehmen (96 Prozent) in wichtigen Branchen die Digitalisierung für sich als Chance – nur für die wenigsten stehe die Risiken im Vordergrund. Für die Studie wurden Geschäftsführer und Vorstände von Unternehmen aus den Bereichen Automobilbau, Banken, Medien, Pharmaindustrie und Touristik befragt. Zudem verändere sich für viele Unternehmen die Wettbewerbssituation. Über die Branchen hinweg sagt etwa die Hälfte der Studie zufolge, dass Wettbewerber aus der Digitalbranche in ihren Markt drängen würden.

Gleichzeitig gilt aber auch folgende Erkenntnis: In den fünf Wirtschaftszweigen betrachten sich im Schnitt 37 Prozent der Unternehmen als Vorreiter bei der Digitalisierung. Bei der Mehrheit hapert es dagegen noch bei der Umsetzung: 56 Prozent der Befragten sehen sich bei der Digitalisierung eher als Nachzügler und weitere acht Prozent halten sich sogar für abgeschlagen. „Die Unternehmen müssen bei der Digitalisierung ihres Geschäfts Tempo aufnehmen“, kommentiert dementsprechend Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Gerade auch in der Hotellerie dominiert die Digitalisierung die Entwicklung. Mehr als 50 Prozent der Hotelbuchungen erfolgen heute bereits über digitale Kanäle, Plattformen diktieren die Bedingungen im Onlinevertrieb, und neue Anbieter drängen auf den Markt. Roland Berger und die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) haben deshalb in der Studie „Hotellerie 4.0 – Gäste gewinnen und effizienter werden“ die Online-Aktivitäten internationaler Hotelgruppen und Startups aus der Reise- und Hotelbranche analysiert. Dabei sind vor allem drei Ergebnisse herausgekommen. 18 Prozent der Online-Buchungen werden mobil getätigt − Tendenz: stark steigend; 44 Prozent der Bevölkerung werden im Jahr 2020 mit der Digitalisierung aufgewachsen sein; und rund Zweidrittel der Hoteliers erheben systematisch die Stammdaten der Gäste, jedoch nicht einmal die Hälfte von ihnen verwendet sie für Planung oder individuelle Gästeangebote.

Nur die Hälfte „digital fortgeschritten“
Die Studie kommt insgesamt zu einem ähnlichen Ergebnis wie die der Bitkom: Nicht einmal die Hälfte stuft den eigenen Betrieb als „digital fortgeschritten“ ein. Dabei liegt gerade die Zukunft, schaut man sich die Trends auf dem Hotel- und Gastromarkt an. Urlaubs- und Übernachtungsangebote sind vergleichbar wie nie zuvor. Immer mehr Menschen besitzen immer mehr mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets. Auf diese Weise können sich potenzielle Gäste zu jeder Zeit und an jedem Ort mit anderen austauschen, Informationen einholen und buchen. Meinungen werden sofort nach ihrem Entstehen öffentlich zugänglich gemacht und ausgetauscht, sämtliche Erfahrungen werden schonungslos wiedergegeben – oft bevor der Anbieter Gelegenheit hatte, einem enttäuschten Gast eine Lösung anzubieten, stellt die Untersuchung heraus. Diese Art der Digitalisierung führe darüber hinaus zur Bündelung und Vermittlung von Restkapazitäten jeglicher Art auf Internetplattformen, etwa durch attraktive (Last-Minute-) Angebote bei Beherbergung und Gastronomie.

Die Studie „Hotellerie 4.0 – Gäste gewinnen und effizienter werden“ formuliert auch Lösungsansätze für die Branche. Laut den Experten sollten Unternehmer

  • ihr digitales Marketing optimieren,
  • Erlebnisse statt Dienstleistungen bieten,
  • die digitale Infrastruktur perfektionieren,
  • Partnerschaften bilden,
  • ihren digitalen Wissensstand verbessern,
  • die Zusammenarbeit mit Online-Buchungsplattformen steuern,
  • den Gast individuell ansprechen,
  • Gästedaten erheben und nutzen und
  • digitale Anwendungen einführen.

Umsätze gleichmäßiger verteilen
Doch was genau erreichen gastgewerbliche Unternehmer, wenn sie die Chancen der Digitalisierung nutzen? Die Autoren von „Hotellerie 4.0 – Gäste gewinnen und effizienter werden“ stellen heraus, dass vor allem Hoteliers durch passende digitale Angebote Kapazitäten vorwiegend in Zeiten der Unterauslastung füllen und damit ihre Umsätze gleichmäßig auf das Jahr verteilen könnten. Die gezielte Erhebung und Nutzung der Gästedaten führe dazu, dass Gäste besser verstanden und dementsprechend besser nach ihrem Aufenthalt angesprochen werden könnten. Mithilfe digitaler Mittel erfolge dies individuell und gleichzeitig kostengünstig. Außerdem könnte digitale Anwendungen eingeführt werden, die die eigene Positionierung unterstützen und den Betrieb effizienter gestalten.

Dafür biete sich eine ganze Reihe von Instrumenten an. Von Gäste-Management- und Reservierungssystemen über Feedback-Tools, Lösungen fürs Online-Marketing und digitale Hotel-TV-Technik bis hin zur Software zur Analyse und Auswertung von Daten, für die dynamische Ratensteuerung und der Personalplanung – Hoteliers und Gastronomen haben die Möglichkeit, über verschiedenste Hard- und Software-Anbieter eine professionelle technische Struktur aufzubauen, die sie bei der Digitalisierung ihres Unternehmens unterstützt.