Die wenigsten Menschen lässt ihr Outfit im Job kalt. Klar – es muss funktional und zudem CI-gerecht sein. Aber bitte schön auch gut aussehen. Eine Portion Emotion und Eitelkeit ist da stets im Spiel. Gut so. Denn schließlich verbringen die meisten Mitarbeiter viele Stunden am Tag in Berufskleidung, präsentieren sich und ihr Unternehmen darin. Wie finden hier gewünschte Coolness und geforderte Funktionalität zusammen? Denn eines ist auch klar: Berufsmode muss mehr können, als ihre schöne Schwester von der Straße.

Frau Wüstefeld, woher kommen die Ideen für Berufskleidung?
Die Inspiration nehme ich sehr häufig aus der Freizeit. Anregungen suche ich beispielsweise auf Trendmessen, in Trendmagazinen und im Bereich der Sportbekleidung. Aber eben auch ganz unmittelbar in meinem täglichen Umfeld und auf der Straße. Ich habe hier einen geschulten Blick und achte auf Details. Beispielsweise bei einer Jacke auf die sinnvolle Positionierung praxistauglicher Taschen, eine attraktive Kragenlösung, den originellen Schnitt einer Ärmelbluse, der mir gefällt. Hier scheue ich dann auch nicht, auf die Menschen zuzugehen und sie zu fragen, ob ich ein Foto machen darf. Die wenigsten sagen nein, die meisten fühlen sich geschmeichelt. Denn Mode ist und bleibt ein sehr emotionales Thema.

Aber nicht nur. Wie spielen die Erfahrungen aus dem Arbeitsleben in Ihre Konzepte mit hinein?
Klar. Jede Berufsgruppe hat ihre eigenen Vorstellungen zu Funktionalität, Gewebe, Farben, Tragekomfort etc.. Ansprüche, die wir einerseits durch unsere direkten Kontakte zu Unternehmen, Verbänden usw. erfahren. Die aber sehr oft auch durch Rückmeldungen der mit uns arbeitenden textilen Leaser ergänzt werden. Anregungen und Wünsche aus der Praxis – etwa von den im direkten Kundenkontakt stehenden Serviceberatern der DBL, aber eben auch wichtige Hinweise zu Stabilität, Waschverhalten und anderen technischen Faktoren.

Wie geht es nach der ersten Idee weiter?
Es ist wichtig, sich die Kleidung in der Arbeitswelt zu visualisieren – an den Menschen, die sie tragen. Bei vielen Teilen, die mir beispielsweise in Trendmagazinen an Models mit Größe 36 gefallen, denke ich: Wie sieht das in Größe 52 aus? Denn in der Berufswelt arbeiten nun mal Menschen mit unterschiedlichster Figur, nicht alle haben die sogenannten Idealmaße. Und Berufskleidung muss eben bei allen gut sitzen, sodass sich der Mensch wohl darin fühlt.

Wie funktioniert das in der Praxis?
Als Designerin versetze ich mich in die Lage einer Berufskleidungsträgerin. Ich darf mich nicht verkleidet fühlen. Immerhin trage ich das Outfit viele Stunden. Hier ist dann auch Schneiderkunst gefragt – und da gibt es heute phantastische Schnittmacher, die die einzelnen Kollektionsteile auch in großen Größen hervorragend umsetzen. Beispielsweise lösen wir das schnitttechnisch durch kleine Modifikationen, machen vielleicht ein Teil in Größe 48 drei Zentimeter länger.

Worauf ist noch zu achten?
Die Kleidung muss funktional sein, viel aushalten und lange tragbar sein. Denn ein Arbeitsdress soll zwei, drei, manchmal sogar 15 Jahre halten. Gerade in Zeiten, in denen sich viele Betriebe für das textile Leasing entscheiden, gibt es für uns Designer einiges zu beachten. So spielt die industrielle Wäsche eine wesentlich größere Rolle bei der Auswahl und dem Entwerfen der Textilien. Denn diese müssen teilweise spezielle hygienische Waschvorgänge durchlaufen. Hier profitieren wir natürlich von der engen Zusammenarbeit und direkten Rückmeldungen, wie sie die DBL an uns liefert.

Darf es hier also nicht so modisch sein?
Sicher darf es modisch sein, aber dabei gut durchdacht. Als Designer für Berufsmode muss man wissen, was geht und was nicht. Da ich die Ansprüche der Kunden sowie auch die der Wäschereipartner kenne, kann ich hier bereits im Vorfeld des Entwurfes praktische Tipps geben, sowie Alternativen aufzeigen. So kommt die Berufskleidung später sauber und einwandfrei aus der Wäsche. Das fängt bei den Material- und Farbkombinationen an – hier würde ich beispielsweise von ausblutenden roten Geweben am Kragen in Verbindung mit weißen Blusen im Gastronomiebereich abraten. Oder gehe bei funktionalen Details weiter – hier sind Druckknöpfe beispielsweise sinnvoller als nach der ersten Wäsche verfluste Klettverschlüsse. Hier zählt einfach die enge Zusammenarbeit mit den Kunden – und das sind sowohl die Unternehmen, als auch die Wäschereien.

Wie nah sind sie dabei am arbeitenden Menschen?
Sehr nah – wie wohl alle Designer, die Menschen für den Beruf einkleiden. Ich persönlich lege sehr viel Wert darauf, die Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz zu erleben. Nehmen wir als Beispiel einen Eisproduzenten, der von uns in enger Zusammenarbeit mit einem textilen Dienstleister eingekleidet wird. Gemeinsam waren Kollegen von der DBL und ich an einem heißen Sommertag vor Ort und haben uns von den Mitarbeitern, die Eis und Torten ausliefern, ihren Arbeitsplatz zeigen lassen. Schnell wurde klar, dass sie auch bei hohen Außentemperaturen oft minutenlang im Minus 14 Grad kalten Kühlfahrzeug stehen müssen – ohne dabei nierenkrank zu werden. Genau dafür galt es Berufskleidung zu entwickeln. Die gut aussieht, klar! Aber die vor allem auch schützt, wenn es drauf ankommt.

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