Seit Ende Juli gilt: Wer nicht 48 Stunden vor Anreise storniert, muss den vollen Preis zahlen. In einigen ausgesuchten und besonders beliebten Städten liegt die Stornofrist sogar bei 72 Stunden. Ein Hilton-Sprecher begründete die Maßnahmen angesichts stetig steigender Stornoraten gegenüber dem Reiseportal Travelskills damit, dass durch die verlängerten Stornofristen mehr Zimmer für anreisende Gäste zur Verfügung stehen würden. Auch die Intercontinental-Gruppe, zu denen etwa Holiday Inn gehört, führt eine solche Regelung ein: Seit 28. Juli zunächst in Europa, in den USA seit 4. August, im Rest der Welt ab Ende September sind Stornierungen nur noch 24 Stunden vor Anreise kostenfrei.

In diesem Zusammenhang hat das Buchungsportal HRS analysiert, dass gerade für Geschäftsreisende Flexibilität eines der wichtigsten Kriterien bei einer Buchung ist. Aus dem Buchungsverhalten der HRS-Kunden gehe hervor, dass rund jede sechste Buchung (17 Prozent) von Geschäftsreisenden wieder storniert werde. Kurzfristige Stornierungen sind dabei eher selten: Nur fünf Prozent der Buchungen werden bis 48 Stunden vor Anreise storniert. „Die Kosten für diese Stornierungen könnten sich für Unternehmen dagegen aufgrund der verschärften Regelungen einiger Kettenhotels massiv erhöhen“, heißt es bei HRS. Wenn künftig Stornierungen innerhalb des 48-Stunden-Zeitfensters mit einer Gebühr von einer Übernachtungsrate berechnet werden, entstehen den betrachteten Unternehmen Mehrkosten in Höhe von knapp zwei Prozent des gesamten Buchungsvolumens in den entsprechenden Hotels.

Auch in einer Umfrage von HRS unter 100 Travel Managern aus Konzernen gab die Mehrheit der Befragten an, dass sie steigende Kosten durch die neuen Stornierungsbedingungen erwarte. 60 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen durch die neuen Stornierungsbedingungen das Erreichen ihrer Ziele im Travel Management gefährdet. Als Folge kündigte bereits ein Drittel der Unternehmen an, entsprechende Sonderkonditionen aushandeln zu wollen. Bei der Wahl zwischen zwei Hotels mit der gleichen Anzahl an Sternen, gleichem Service und vergleichbarem Standort würden 82 Prozent der Travel Manager das Haus mit den flexibleren Konditionen stark bevorzugen.

Empfehlung für AGBs

Der Hotelverband Deutschland stellt seinen Mitgliedern allgemeine Geschäftsbedingungen zur Verfügung und gibt darin Empfehlungen für das Thema Stornierungen. Denn: Der Gast hat weder ein Recht noch besteht eine Verkehrssitte auf ‚sanktionslose‘ Stornierung seines gebuchten Hotelzimmers.

Hier die Tipps:

  1. Ein Rücktritt des Kunden von dem mit dem Hotel geschlossenen Vertrag ist nur möglich, wenn ein Rücktrittsrecht im Vertrag ausdrücklich vereinbart wurde, ein sonstiges gesetzliches Rücktrittsrecht besteht oder wenn das Hotel der Vertragsaufhebung ausdrücklich zustimmt. Die Vereinbarung eines Rücktrittsrechtes sowie die etwaige Zustimmung zu einer Vertragsaufhebung sollen jeweils in Textform erfolgen.
  2. Sofern zwischen dem Hotel und dem Kunden ein Termin zum kostenfreien Rücktritt vom Vertrag vereinbart wurde, kann der Kunde bis dahin vom Vertrag zurücktreten, ohne Zahlungs- oder Schadensersatzansprüche des Hotels auszulösen. Das Rücktrittsrecht des Kunden erlischt, wenn er nicht bis zum vereinbarten Termin sein Recht zum Rücktritt gegenüber dem Hotel ausübt.
  3. Ist ein Rücktrittsrecht nicht vereinbart oder bereits erloschen, besteht auch kein gesetzliches Rücktritts- oder Kündigungsrecht und stimmt das Hotel einer Vertragsaufhebung nicht zu, behält das Hotel den Anspruch auf die vereinbarte Vergütung trotz Nichtinanspruchnahme der Leistung. Das Hotel hat die Einnahmen aus anderweitiger Vermietung der Zimmer sowie die ersparten Aufwendungen anzurechnen. Werden die Zimmer nicht anderweitig vermietet, so kann das Hotel den Abzug für ersparte Aufwendungen pauschalieren. Der Kunde ist in diesem Fall verpflichtet, 90 Prozent des vertraglich vereinbarten Preises für Übernachtung mit oder ohne Frühstück sowie für Pauschalarrangements mit Fremdleistungen, 70 Prozent für Halbpensions- und 60 Prozent für Vollpensionsarrangements zu zahlen. Dem Kunden steht der Nachweis frei, dass der vorgenannte Anspruch nicht oder nicht in der geforderten Höhe entstanden ist.