Die Leidenschaft für das Produkt Kaffee, seinen Anbau und seine Verarbeitung gehören einfach zu Constanze Krauledies dazu. Mutig wagte sie 2005 den Sprung in die Selbstständigkeit mit einem kleinen Bistro-Ladengeschäft mit ausgesuchten Plantagenkaffees aus Hochlandgebieten.

Die Umstellung, der eigene Boss zu sein

Der Sprung vom Angestelltenverhältnis hin zum Dasein als eigener Chef ist für viele eine Gradwanderung. Die Unternehmerin beschreibt sich als kontaktfreudig, immer gut gelaunt – aber auch als „Zwitter“. Denn in einem Unternehmen muss der Geschäftsführer ganz verschiedene Themengebiete auf einmal abdecken; über Betriebswirtschaftslehre, Recht, Lieferantenmanagement, Design, Marketing bis hin zum Gastronomiealltag im Geschäft. Plötzlich spielt der junge Gründer eine „One-Man-Show“ und findet sich in einer totalen Abhängigkeit von seinen Kunden wieder. Denn der Kunde entscheidet über den Erfolg. „Es ist wichtig, die Balance zwischen den Kundenwünschen und dem Konzept auf dem Papier zu finden. Ursprünglich wollte ich einen reinen Kaffeespezialitätenladen mit Verkostung eröffnen, also eigentlich nur Kaffee verkaufen. Doch die Kunden fragten vermehrt nach Gebäck und Snacks. Da habe ich eine kleine Analyse gemacht und die Rentabilität berechnet. Auch Extrawünsche sollten streng durch Zusatzkosten oder direkte Umlage kalkuliert werden“, sagt Constanze Krauledies.

Businessplan – nicht nur auf dem Papier

Der reine Gründungswunsch reicht in der Regel nicht aus, um eine langfristig tragende Geschäftsidee zu entwickeln. Ein Gründer sollte sich Gedanken über die Vision machen und klare Zielsetzungen festlegen: Wo möchte ich mit meinem Café hin – in einem Jahr, in drei und in fünf Jahren? Wann möchte ich schwarze Zahlen schreiben? Kann ich von meinem Café die nächsten Jahre leben? Hier hilft ganz klar ein Businessplan, um das Konzept, Zielgruppe, Organisation, Marketing sowie Investition und Finanzierung gegenüberzustellen. „Zunächst habe ich den Businessplan nur für die Bank geschrieben. Doch er hat mir eine klare Struktur vorgegeben und mir in der Entstehungsphase durch das damit verbundene Reflektieren geholfen. Zusammen mit dem Feedback aus dem Freundeskreis entstand so aus einer Idee ein wirkliches Konzept“, schildert die Gründerin.

Standort und Wettbewerb im Check

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(Foto: Melitta)

Gerade bei einem lokalen Geschäft kommt es auf die Lage an. Sie kann über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Wichtige Entscheidungspunkte: Laufkundschaft, Parkplätze, Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, Wettbewerb im Umfeld, Zielgruppe und natürlich: Wie sieht der Laden von außen aus, und welche Außenwerbeformen sind möglich? Constanze Krauledies‘ Tipp hierzu: „Man sollte sich vor das Geschäft stellen und beobachten, wie viele Menschen an dem Laden vorbeilaufen und ob diese zum Konzept passen. Das Ganze sollte man durchaus an verschiedenen Wochentagen wiederholen, um ein Gefühl für den Standort zu bekommen. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist aus meiner Erfahrung die Harmonie zwischen Standort, Zielgruppe und Konzept.“

Prozessabläufe, Marketing und Finanzierung

Kaum ein Betrieb beherrscht Prozessabläufe besser als die Systemgastronomie. Hier finden sich unzählige Anregungen für die eigene Organisation, vom Shop-Handbuch für Mitarbeiter hin zu niedergeschriebenen, verbindlichen Rezepturen, um eine einheitliche und vor allem personenunabhängige Qualität sicherzustellen. Um die nötige Aufmerksamkeit auf sich und sein Geschäft zu lenken, sei es wichtig, Netzwerke zu nutzen und aufzubauen. „Es gibt viele Möglichkeiten, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ich habe vor allem Anlässe und Kooperationen genutzt, um das Geschäft anzukurbeln.“ Oft dreht sich alles um die Startfinanzierung. Doch gerade für Gründer ist der Punkt Refinanzierung unerlässlich. Was sind die geplanten Umsatzbringer, die Renner und Penner des Geschäfts? Constanze Krauledies bildete sich immer intensiv weiter und war die erste Kundin der Berlin School of Coffee. Ihr Tipp: „Bilde in starken Monaten Rücklagen für schwächere Monate. Versuche, dein Geschäft so gut wie möglich zu kennen und nutze Chancen zur Weiterbildung. Denn wer sich auskennt, trifft bessere Entscheidungen.“