Anfang des Jahres ist die Basel III-Richtlinie in Kraft getreten. Diese besagt, dass Banken ihre Kreditgeschäfte mit mehr Eigenkapital unterlegen und Reserven für Krisenzeiten aufbauen müssen. Das wiederum wirkt sich auf die Finanzierung von Unternehmen aus, denn es fällt diesen durch die verschärften Regeln zum Teil schwerer, Kredite bei den Finanzinstituten zu erhalten. Je risikoreicher ein Kredit für die Bank ist, desto teuer wird er für das Unternehmen, das sich finanzieren will. Im Zweifel lehnt die Bank sogar ganz ab und ein Unternehmer steht ohne Geld da – und das kann existenzbedrohend sein, weil beispielsweise notwendige Investitionen nicht vorgenommen werden können.

Die Banken ermitteln das Risiko über interne Ratings, in denen die Bonität des potenziellen Schuldners festgestellt wird. „Um sich ein Bild über ein Unternehmen zu machen, schauen die Banken natürlich auch in den Jahresabschluss. Wirft dieser negatives Licht auf ein Unternehmen, kann das die Kreditvergabe verteuern oder sogar verhindern“, sagt Peter Lohmann, geschäftsführender Gesellschafter der Steuerberatungsgesellschaft Lohmann Küpper aus Bocholt. Wichtig dabei ist deshalb, dass die Effizienz und Stärke eines Unternehmens dabei zum Ausdruck kommt. Jahresabschlüsse sollten auf diese Fragestellung zugeschnitten sein, so dass sie bei Kreditverhandlungen das positive Zünglein an der Waage sein können. Leider ist es vielfach in der Praxis der Fall, dass sie für das Unternehmen einzig und allein so steuerschonend wie möglich sind.“

Es nütze nichts, vielleicht etwas weniger Steuern zu zahlen, aber dafür gleichzeitig an der notwendigen Unternehmensfinanzierung zu scheitern. Peter Lohmann betont, dass das Finanzamt nicht der größte Feind der Unternehmer sei. Viel entscheidender sei, dass die Bank ein Partner sei, auf den sich die Unternehmer dauerhaft verlassen könnten.

Für den Steuerberater steht im Vordergrund, dass sich Mandanten eine eigene Meinung über die Bedeutung des Jahresabschlusses und über die Zukunft bilden. „Im Vordergrund steht, alle Szenarien durchzuspielen und so festzustellen, welche Auswirkungen eine steuerbilanzielle Entscheidung auf die Zukunft haben kann. Viele Steuerberater sind leider ausschließlich fiskalisch orientiert und haben solche Parameter nicht im Blick. Um ein Unternehmen aber umfassend beraten zu können, ist es wichtig, eben solche Themen nicht zu vernachlässigen, sondern in den Fokus zu rücken.“