Die Beratungs-Branche (zu der auch Dienstleistungen aus Coaching und Training gehören) in Deutschland ist ein Wachstums- und Milliardenmarkt. Im Jahr 2014 setzten Unternehmensberatungen hierzulande mehr als 25 Milliarden Euro um, das sind 6,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor – und das über alle Sektoren und Unternehmensgrößen hinweg. Und auch im Gastgewerbe ist Beratung ein wichtiger Bereich. Hoteliers und Gastronomen lassen sich in vielen Bereichen beraten, sei es im Marketing oder betriebswirtschaftlich, bei der Team-Buildung, Motivation oder der Stärkung sogenannter Soft Skills, sei es im Vertrieb oder bei Fragestellungen rund um E-Commerce und Technologie.

Auf dieses umfangreiche Set an Themen weist auch Jürgen Kirchherr hin, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Baden-Württemberg. Im Dienstleistungsangebot des Landesverbandes spielt die Beratung in betriebswirtschaftlichen Fragen eine bedeutende Rolle; so hat der DEHOGA im Südwesten eigens die DEHOGA Beratung GmbH eingerichtet, die eigenen Angaben zufolge zu den führenden Beratungsunternehmen für Hotellerie und Gastronomie in Deutschland gehört und sich als verbandseigene Service-Einrichtung ausschließlich auf das Gastgewerbe konzentriert. „Wichtige Arbeitsschwerpunkte unserer DEHOGA Beratung waren 2015 die Konzeptentwicklung und Finanzierung von Investitionsvorhaben, die Unterstützung der Betriebe bei der Kostenkontrolle und Kostenoptimierung sowie die Begleitung von Existenzgründungen und Betriebsübergaben. Starke Nachfrage verzeichnen wir außerdem in den Beratungsbereichen Marketing/Vertrieb und Digitalisierung. Die Themen Fachkräftesicherung und Personalentwicklung spielen – auch vor dem Hintergrund veränderter gesetzlicher Rahmenbedingungen –  in unserer Beratungstätigkeit eine wachsende Rolle“, fasst Jürgen Kirchherr die Anforderungen des Marktes zusammen.

Jürgen Kirchherr, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Baden-Württemberg

Jürgen Kirchherr, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Baden-Württemberg (Foto: DEHOGA)

Aber eine Frage stellen sich in dem Zusammenhang sicherlich viele Unternehmer: Weshalb ist Beratung überhaupt notwendig? Haben Hoteliers und Gastronomen nicht ihr fachliches und unternehmerisches Handwerkszeug verinnerlicht, sodass der Betrieb eigentlich auch ohne einen externen Berater dauerhaft funktionieren sollte?

Jürgen Kirchherr findet darauf eine deutliche Antwort: „Es geht zum einen darum, einen loyalen und kompetenten Partner an der Seite zu haben, der die eigene Analyse durch den unabhängigen Blick von außen erweitert und ergänzt. Eine solche Begleitung ist nicht nur sinnvoll, wenn größere Veränderungen anstehen, sondern hilft auch bei der kontinuierlichen Weiterentwicklung eines Betriebes.“ Und zum anderen gehe es natürlich auch um Expertenwissen. Die Anforderungen an Betriebsinhaber würden immer komplexer – und niemand ist Spezialist auf allen Gebieten. „Da macht es Sinn, das Know-how spezialisierter Partner zu nutzen“, betont der Hauptgeschäftsführer.

Ganz besonders im Fokus steht natürlich die Frage nach der Qualität in der Beratung – denn schlechte Beratung ist nicht nur ärgerlich, weil das Geld zum Fenster hinaus geworfen wurde, sie kann auch viel beschädigen. Für Jürgen Kirchherr bemisst sich Qualität letztlich immer am Ergebnis. Doch damit dieses den Anforderungen und Vorstellungen entspricht, kommt es auf die Auswahl des richtigen Beraters an. „Beratungsqualität hat mit Fachkompetenz, aber auch viel mit persönlicher Kompetenz und menschlichem Format zu tun. Steht der Berater auf meiner Seite, und zeigt er in emotional schwierigen Situationen das nötige Einfühlungsvermögen? Gibt’s auch mal Widerspruch? Beratung, die dem Klienten nach dem Mund redet, taugt wenig. Ehrlichkeit schafft Vertrauen – nicht nur bei Kunden, sondern auch bei Förderinstitutionen und Banken“, betont Jürgen Kirchherr. Nicht zu vernachlässigen sei übrigens auch die Frage des Qualitätsmanagements im Beratungsunternehmen: Eine einschlägige Zertifizierung sei in vielen Fällen Voraussetzung für die Teilnahmemöglichkeit an geförderten Beratungsangeboten (siehe Kasten „Europäischer Sozialfonds: Die Beratung fördern lassen“).

Zudem zeichne sich ein guter Berater gerade nicht dadurch aus, dass er sich sehr laut mit Werbung in den Mittelpunkt stelle – und schon gar nicht dadurch, dass er betone, alle Spezialgebiete zu beherrschen. „Dann sollten bei jedem Unternehmer die Alarmglocken schrillen. Wir haben bei der DEHOGA Beratung branchenerfahrene Spezialisten für unterschiedliche Beratungsfelder und keinen, der sagt: ‚Ich kann alles’. Wer gute Beratung sucht, sollte sich die Referenzen genau anschauen, Empfehlungen einholen und auf die Neutralität des Beratungsunternehmens achten. Ein guter Berater steht auf der Seite seines Kunden – wirtschaftliche Interessen Dritter dürfen keine Rolle spielen.“