Gastgewerbe Magazin: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Zimmer speziell für Frauen einzurichten?

Edeltraud Ulbing: Wir haben das Haus 2014 neu gebaut und eröffnet. Wir sind mitten im Bahnhofsviertel von München und natürlich umgeben von vielen anderen Hotels. Den Produktstempel „neues Hotel“ habe ich gerade mal ein Jahr – und dann brauche ich etwas, wodurch ich mich von den Mitbewerbern abgrenzen kann. Ich persönlich habe viel Zeit in Asien verbracht, und dort sind Ladies Executive Floors etwas ganz Normales. Warum also nicht auch bei uns?

Gab es schon eine Nachfrage nach Zimmern für Frauen, oder sind Sie mit der Idee an den Markt gegangen?

Ein solches Angebot gab es in Deutschland damals noch nicht, aber in Asien und im arabischen Raum haben viele Hotels einen Ladies Executive Floor. Wir waren hier die Ersten, die so etwas anbieten – inzwischen werden wir hierzulande sogar kopiert.

Wer ist Ihre Zielgruppe und wie groß ist diese Zielgruppe?

Wir stellen uns ein auf alleinreisende Frauen. Immerhin sind laut Manager Magazin inzwischen 20 Prozent der Business-Reisenden weiblich. Diese Gäste haben besondere Bedürfnisse, die wir erfüllen.

Welche Zimmer haben Sie dafür ausgewählt?

Wir haben überlegt, welche Zimmer am kuscheligsten und sympathischsten sind. Das ist mit Sicherheit unser oberstes Stockwerk, die 7. Etage. Von dort hat man auch einen herrlichen Blick über die Dächer von München.

Wie unterscheiden sich die Zimmer von den anderen?

Da gibt es ganz viele individuelle Lösungen und Kleinigkeiten, die sich ganz klar an den Bedürfnissen von Frauen orientieren. Dazu gehören beispielsweise gedeckte und zarte Farben an den Wänden und eine Yoga-Matte sowie Frauenzeitschriften in jedem Zimmer. Es gibt täglich frische Blumen und Früchte und viele Kuschelelemente wie Kissen und Decken. Im Bad gibt es hochwertige, vegane Kosmetika auf Olivenölbasis, einen wirklich leistungsstarken Föhn, der nicht fest an der Wand befestigt ist, sowie besonders vorteilhaftes Licht. Die weiblichen Gäste können sich die Minibar ganz individuell bestücken lassen, um uns vom Standardangebot von Bier und Erdnüssen zu differenzieren. Alle Zimmer haben für die Sicherheit einen Türspion und werden nur von weiblichen Mitarbeiterinnen betreut.

Was tun Sie sonst noch?

Zum Service für Frauen gehört auch unser Valet Parking sowie ein umfangreiches Frühstücksbuffet mit vegetarischen und veganen Elementen sowie die Berücksichtigung aller Allergien und Unverträglichkeiten. Aber das steht allen Gästen zur Verfügung.

Spiegelt sich dieser höhere Aufwand auch im Preis wider?

Nein, wir bieten diesen Service zum gleichen Preis wie unsere anderen Zimmer auch an.

Wer hat sich die Punkte ausgedacht? Haben Sie sich beraten lassen?

Ich bin bei der Planung davon ausgegangen, was mir gut tut und welche Bedürfnisse ich habe. Und das gefällt bestimmt auch anderen Frauen. Nehmen Sie den Föhn als Beispiel: Ich habe selbst lange Haare und bin in manchen Hotels mit zu schwachen Föhns schon oft verzweifelt. Es sind ja manchmal ganz profane Dinge, auf die man aber mit gesundem Menschenverstand kommt. Wir haben das dann umgesetzt.

Wie ist die Resonanz auf dieses Angebot?

Sehr gut. Der Ladies Executive Floor ist ausgebucht, wenngleich der natürlich im Prinzip allen Gästen offensteht. Da muss man mit dem Thema Diskriminierung ein bisschen aufpassen. Wir haben viele weibliche Gäste, die zu echten Stammgästen geworden sind und immer als Zimmerwunsch den Ladies Executive Floor angeben. Für uns war es wichtig, mit diesem Angebot einen USP zu haben. Hotels gibt es viele, neue Hotels gibt es auch viele, alle haben eine Bar, moderne Farben oder ein besonderes Designkonzept. Man muss sich aus der Masse herausheben.