Unsere Welt verändert sich in atemberaubendem Tempo. Niemand kann sich mehr lange auf Erfolgen ausruhen. Unternehmen, die in diesem überaus dynamischen Prozess bestehen wollen, müssen sich nicht nur anpassen, sie müssen innovativ werden. Und auch ob und wie das funktioniert, ist eine Frage guter Führung, sind sich die Experten einig: Die wichtigste und verantwortungsvollste Aufgabe unserer Zeit sei es, Unternehmen und Institutionen neu zu erfinden.

Doch auch wenn wir es nicht gerne zugeben: Schon persönliche Veränderungen fallen uns schwer. Dabei wissen wir doch eigentlich, dass ein Weiterkommen ohne Vorwärtsbewegung nicht möglich ist. Dass Wandel unausweichlich ist. Warum wollen wir an allem festhalten? Können wir lernen mit Veränderungen besser umzugehen? Sie, wenn nötig, selbst anzustoßen?

Zunächst einmal ist unser Bedürfnis nach Sicherheit größer als unser Bedürfnis nach Herausforderung. Nur 20 Prozent unserer Artgenossen sind Abenteurer und haben schon genetisch bedingt mehr Spaß an Neuem. Die übrigen 80 Prozent tun sich damit schwer: Unsicherheiten, und nichts anderes bedeuten Veränderungen, lösen in ihnen keine Freude sondern einfach Unbehagen aus. Festzuhalten ist unsere Natur, loszulassen dagegen müssen wir erst lernen.

Weiterentwicklung passiert nicht in der Komfortzone

Dennoch ist die Geschichte der Menschheit eine Geschichte der großen Veränderungen, ja der Umwälzungen, und auch eine Geschichte der Entdeckungen. Und dies kann nicht nur den mit Abenteurergenen ausgestatteten 20 Prozent geschuldet sein! Neben dem Bedürfnis nach Sicherheit, so die Experten, gibt es eben noch andere zentrale Bedürfnisse, die mit dem Wunsch nach Sicherheit durchaus konkurrieren können. Das Bedürfnis nach Autonomie und Freiheit etwa, das Bedürfnis sich weiter zu entwickeln, zu lernen und zu wachsen. Freiheit oder Sicherheit? Weiterentwicklung oder Komfortzone? Das sind die zentralen Fragen, die wir uns in Zeiten der Veränderung beantworten müssen.

Nicht immer setzen wir Veränderungen selbst in Gang. Manchmal überrollen sie uns auch einfach. Und zwingen uns zum Handeln. In der Veränderung, so meinen Experten, durchlaufen wir verschiedene Phasen, ähnlichen denen einer Krise. Erst nach einer Weile können wir uns wirklich mit dem geforderten Wandel auseinandersetzen: Was bedeutet die Veränderung wirklich für mich? Welche Herausforderungen kommen auf mich zu? Kann ich sie bewältigen und wenn ja wie? Erst dann beginnt eine Zeit der Neuorientierung. Wir wissen: Es gibt kein Zurück mehr. Wir müssen von Gewohntem Abschied nehmen. Erst wenn dieser Prozess vollzogen ist, kann sich unsere Energie neu ausrichten. Langsam wird das Neue zur Normalität. Zeigen die Veränderungen erste Erfolge, fühlen wir uns bestätigt und gewinnen Selbstvertrauen.

(Foto: Jörg Löhr)

Führungskräfte brauchen gute kommunikative Fähigkeiten

Wenn ganze Organisationen verändert werden, dann durchlaufen auch sie einen Veränderungsprozess mit verschiedenen Phasen. Wie heißt es so schön: Old habits die hard. Das liegt daran, dass Veränderungen mehr Kraft erfordern als das Festhalten an Altbewährtem. Neue Technologien. Veränderte Märkte. Globalisierung. Neue Gesetze. Unternehmer und Führungskräfte brauchen heute neben fachlichem Know-how vor allem Mut und gute kommunikative Fähigkeiten. Klar ist: In einer Zeit der Veränderungen werden Unternehmen nur dann bestehen können, wenn sie sich unerschrocken immer wieder auf den Prüfstand stellen, wenn sie innovativ sind, Trends antizipieren und mutig neue Wege gehen.

Dafür braucht es hochmotivierte, gut ausgebildete Mitarbeiter. Um diese zu finden und langfristig zu binden braucht es ein gutes Betriebsklima, spannende Aufgaben, individuelle Entfaltungsmöglichkeiten für den einzelnen und eine offene Kommunikationskultur, in der sich jeder traut Ideen einzubringen und auch mal quer zu denken. Doch wie motiviert man ein ganzes Team? Es braucht eine starke Vision, die alle gleichermaßen anspricht. Dabei gilt es nicht nur die Ratio sondern auch die Gefühle der Teammitglieder anzusprechen. Neben guten Argumenten ist ein attraktives gemeinsames Ziel notwendig. Wie hat es Antonie de Saint- Exupéry einmal so schön formuliert: Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.

Persönlichkeit macht den echten Leader aus

Dass sich unter den Mitarbeitern anfangs Widerstand gegen Veränderungen regt, ist normal. Niemand verlässt gerne sicheres Terrain. Damit muss man rechnen. Umso wichtiger wird die attraktive Vision. Eine Strategie muss mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht in allen Einzelheiten diskutiert werden. Doch die übergeordnete Vision, die großen Leitlinien müssen für alle klar und transparent sein. Zudem ist es wichtig, nicht alle Veränderungen auf einmal anzupacken. Statt gleich alle Felsen ins Rollen zu bringen, sollte man Stein für Stein aus dem Weg räumen. Erste Erfolgserlebnisse schaffen Vertrauen.

Erfolg im Unternehmen braucht – wie in einem guten Fußballteam – auch eine strukturelle Ordnung. Es müssen Rollen nach Stärken verteilt werden und einige Menschen müssen Führungsrollen übernehmen. Doch nicht die Position sondern die Persönlichkeit macht den echten Leader aus. Leader in einem Spitzenteam wird nur der, der auch von seinen Mitspielern als solcher betrachtet wird. Weil er mit gutem Beispiel vorangeht und weil er andere für seine Ziele begeistern und sie inspirieren kann. Erfolgreiche Führungskräfte schaffen Wow-Projekte, mit denen sie die Köpfe ihrer Mitarbeiter erreichen und ihre Herzen bewegen. Wie der Kapitän einer Mannschaft, der sein Team mit dem Zielfoto im Kopf durch ein Turnier führt, Aufgaben verteilt, Leistung einfordert, seine Mitspieler mit Leidenschaft und großer Energie auch durch schwierige Situationen führt.

 

Über den Autor:

Jörg Löhr zählt seit Jahren zu den angesehensten und kompetentesten Management- und Persönlichkeitstrainern im deutschsprachigen Raum. Er betreut Spitzensportler und Top-Manager ebenso wie renommierte Unternehmen und Spitzenteams. Er schrieb mehrere Bestseller und gibt seine Erkenntnisse und Erfolgstechniken auch als Lehrbeauftragter der Universität Augsburg weiter. Für sein Lebenswerk als Referent zog er in die German Speakers ’Hall of Fame’ ein.

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