Design ist heute ein entscheidender Faktor für den Erfolg eines Restaurants oder einer Bar. Hier entscheidet sich, ob Idee und Konzept des Betriebes verstanden und richtig transportiert werden. Der bekannte rote Faden erschließt sich durch das optische und inhaltliche Ineinandergreifen von Küche, Konzept und Kunde. Nicht nur, dass der Gast heute ein besonderes Ambiente erwartet, er glaubt auch eher an die Qualität in der Küche und dass beispielsweise teure Gewürze zum Einsatz kommen, wenn die Einrichtung entsprechend hochwertig ist, erläutert René Kottmann. Der Raumplaner und Inhaber von colourform aus Bielefeld hat die Erfahrung gemacht, dass vor allem die Gastronomen, die auch Geld investiert und ein höheres Budget in die Hand genommen haben, am Markt eine Überlebenschance hatten. „Es geht darum, authentisch zu sein. Es geht um das viel genannte Storytelling – dem Liefern von echten Produkte und echten Konzepten.“ Jüngst hat er in Detmold das Restaurant Bei Ivo neugestaltet.

Bei Ivo – Steak & Wein handelt es sich um ein Restaurant mit mediterraner Küche und einer besonderen Vorliebe für gegrilltes Fleisch. Die Aufgabe, die colourform gestellt wurde, bestand darin, die Qualität der Speisen und die Philosophie der Gastronomie in die Innenarchitektur zu übertragen. Das familiengeführte Unternehmen besteht aus dem Gründerpaar und den beiden Söhnen als deren Nachfolgern. Das Gründerpaar vertritt althergebrachte Werte wie Tradition, Authentizität und Qualität. Die Nachfolger stehen für Modernität, Innovation und Nachhaltigkeit. Um beiden Gruppen gerecht zu werden, hat colourform ein Innenraum-Konzept erstellt, das alle Belange einbezieht. Als Basis wurden moderne Möbelelemente mit Vintage-Einrichtungsgegenständen kombiniert, sodass ein Stil-Mix entstand, mit dem sich beide Gruppen identifizieren konnten.

Die Bierzapftheke der Pfungstädter Brauerei ist zu neuem Leben erwacht und wurde von Architekt Christian Schmidt als besonderes Stil-Element hervorgehoben.

Die Bierzapftheke der Pfungstädter Brauerei ist zu neuem Leben erwacht und wurde von Architekt Christian Schmidt als besonderes Stil-Element hervorgehoben. Die großformatigen glänzenden Glasfliesen erinnern an das Flaschengrün der Pfungstädter Bierflaschen und ergänzen farblich den Kupferton des Schankbeckens. (Foto: Christian Schmidt)

Es sollte sowohl Tische geben, die der Kommunikation zwischen den Gästen dienen, als auch Sitzplätze, an dem sich ein Paar ungestört unterhalten kann. Um einen authentischen Vintage-Eindruck zu hinterlassen, wurde mit originalen Einrichtungsgegenständen gearbeitet: echte unbenutzte Emaille-Lampen aus dem Jahr 1930 mit Edison Birnen und neu lackierte, historische Kinosessel aus Holz aus dem Jahr 1935 kamen zum Einsatz. Außerdem wurden ergonomische Schulstühle neu lackiert und aufbereitet. Ein Teil der Backsteinwände wurde absichtlich im Kuhfellmuster freigelegt. Rostige Stahlplatten wurden be- und hinterleuchtet und verstärken damit den Vintage-Stil. „Wir hätten auch günstigere Lampen und Kinosessel kaufen können, aber eben diese Originale machen den Unterschied und die so entscheidende Glaubwürdigkeit“, erläutert Kottmann.„Und vermitteln dem Gast Modernität und Historie zugleich“.

Das Potential des Objektes erkennen

Elemente einer vergangenen Zeit neu interpretiert: Das Riz erscheint dank Christian Schmidt in einem frischen und gleichzeitig authentischem Stil.

Elemente einer vergangenen Zeit neu interpretiert: Das Riz erscheint dank Christian Schmidt in einem frischen und gleichzeitig authentischem Stil. (Foto: Christian Schmidt)

Auch Dipl.-Ing. Architekt Christian Schmidt aus Offenbach am Main ist auf die Neu- und Umgestaltung von Gastronomie-Objekten spezialisiert. Er trägt Verantwortung für die unterschiedlichsten Betriebe und Konzepte: vom klassischen Restaurant über das Café bis zur Brauerei. „Das Spannende bei der Neugestaltung eines gastronomischen Betriebes ist am Anfang immer, das Potential des Objektes speziell für die geplante Gastronomieeinrichtung zu erkennen, um es sich zunutze zu machen und es sogar noch zu verstärken. Am Ende ist es das Schönste, das, was erst in Gedanken und Gesprächen vorhanden war, auch wirklich baulich umgesetzt zu haben – und zu sehen, wie es vom Personal und den Gästen wie selbstverständlich genutzt wird“, schildert er. Die grundlegende Bitte der Bauherren sei immer, es müsse schnell gehen, dürfe so gut wie nichts kosten und müsse am Ende eine phantastische Wirkung entfalten, sagt er lachend.

Die Grundfrage, die der Architekt seinen Bauherren daraufhin als Erstes stelle, sei: „Was soll hier stattfinden?“ Und für das Gastronomiekonzept: „Was ist die starke Grundidee, der rote Faden, der sich überall durchziehen soll? Geben Sie dem Kind einen Namen!“ Schlussendlich gehe es heute darum, Einzigartigkeit auszudrücken, aber nicht um jeden Preis, vielleicht eher als Wiedererkennungswert mit Stimmigkeit in der Atmosphäre. „Hat ein Gastronomiebetrieb eine gute Lage mit viel Laufkundschaft, muss die Einzigartigkeit nicht allzu sehr betont werden“, so Schmidt. „Liegt er jedoch etwas abseits, müssen die Gäste schon einen guten Grund haben, um ihn aufzusuchen. Und das tun sie in der Regel nur, wenn sie dort etwas erwartet, was sie in dieser Art sonst nirgendwo anders finden“, erklärt er. Design hat somit einen wesentlichen Einfluss auf das Restaurant und spielt eine große Rolle nebst gutem Service und guter Küche. „Im gebauten Design kann sich das besondere Gastronomiekonzept ausdrücken, welches dadurch enorm unterstützt wird – der Identifikationsfaktor steigt beträchtlich. Bevor der Gast überhaupt auf die Speisekarte geschaut hat, sollte er durch die wahrgenommene Atmosphäre schon erahnen können, was ihn kulinarisch erwartet“, so Schmidt.

Im Frankfurter Restaurant Heimat hat der Architekt Christian Schmidt auf die Wiederbelebung der Atmosphäre einer vergangenen Stilepoche gesetzt.

Im Frankfurter Restaurant Heimat hat der Architekt Christian Schmidt auf die Wiederbelebung der Atmosphäre einer vergangenen Stilepoche gesetzt.                                                       (Foto: Christian Schmidt)

In Zeiten der hohen Mobilität und dem beruflichen Aufenthalt in wechselnden Städten brauche der Mensch dort verlässliche „Ankerpunkte“ als Orte, die er immer wieder gerne aufsucht, weil er weiß, dass er sich dort wohlfühlen wird. Dafür seien entsprechend gestaltete Gastronomie-Betriebe bestens geeignet. Mit Farben könnten beispielsweise äußerst kostengünstig ganz unterschiedliche Atmosphären und Effekte erzeugt werden. Beleuchtung sei für die Inszenierung essenziell und werde häufig immer noch zu sehr venachlässigt. Gut ausgesuchte, prägnante Hängelampen als raumbestimmende Objekte könnten zum Beispiel bei der Inneneinrichtung schon die „halbe Miete“ ausmachen. „Ebenso ist die Möglichkeit einer gewissen flexiblen Nutzung oft von Vorteil“, schildert Schmidt. Weiterhin sollte der Gastronom bereit sein, für das „Herzstück“ des Gastraumes wie beispielsweise eine besondere Theke etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen, auch um eine gewisse Wertigkeit zu erhalten. „Am Ende des Tages“, so Schmidt, „sollte es immer etwas geben, was der Gast nach einem Besuch seinen Freunden unbedingt weitererzählen möchte, weil es ihn so beeindruckt hat.“

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