Dem Gastgewerbe gehen die Nachwuchskräfte aus. Immer weniger junge Menschen wollen Köche oder Hotelfachleute werden. Auf der anderen Seite steigt der Bedarf immer weiter, denn auch die Anforderungen der Gäste an Qualität von Speisen und Service werden immer höher. Der Trend zur akademischen Ausbildung lässt die dualen Ausbildungsberufe – und davon ist ja nicht nur das Gastgewerbe betroffen – schwächeln. An den Jugendlichen liege es gar nicht unbedingt, wie Eva-Maria Rühle aus ihrer Ausbildungserfahrung berichtete: „Die Jugend hat sich positiv entwickelt, ist anspruchsvoller, aber auch weniger belastbar.“ Und attraktiv sind die Berufe allemal.

Still wurde es im Saal, als Christian Rach loslegte. Man müsse, so der Hamburger, erst einmal die Probleme, warum keiner mehr eine Ausbildung im Gastgewerbe machen will, deutlich ansprechen, bevor man sich über die Lösungen Gedanken macht: „Was man in 30 Jahren gerissen hat, kann man nicht in drei Jahren komplett verändern.“ Die Branche brauche einen glaubwürdigen Imagewandel. Dazu sollten, wie Ole Plogstedt und Jörg Sackmann meinten, die Branche auch neue Perspektiven bieten, um die Ansprüche der jungen Menschen zu erfüllen. Jeder wollte studieren, da müsse man darauf eingehen. Die Idee von Christian Rach zu einem German Culinary Institut, nach amerikanischem Vorbild und finanziert von der Zulieferindustrie der Branche, stieß als zusätzlicher privater Weg der Ausbildung durchaus auf Zustimmung im Saal. Allerdings merkte Eva-Maria Rühle an: „Es gibt kein besseres System als das duale System.“

Gleichzeitig waren sich alle einig, dass man neue Arbeitszeitmodelle brauche. Die Anforderungen der jungen Menschen an geregelte und planbare Freizeit müsse man ernst nehmen. Wiederholt stand die Forderung nach einer Reform des Arbeitszeitgesetzes im Raum. Neue Schichtmodelle und eine flexiblere Gestaltung der Arbeitszeit würden die jungen Menschen ganz oben in ihren Forderungskatalog schreiben. Nur wenn man darauf eingehe, könnte man sie für die Branche begeistern: Allerdings gibt es dann noch einen zweiten Punkt: die Bezahlung. Auch darin herrschte Einigkeit auf dem Podium, dass die gastgewerblichen Berufe mit den hohen Anforderungen heute besser bezahlt werden müssten. Mit den bisherigen Ausbildungsvergütungen und Tarifgehältern sei die Branche – insbesondere angesichts der notwendigen Arbeitszeiten am Abend und am Wochenende – auch aus dieser Sicht nicht attraktiv genug. Auch hier müsse man zu Veränderungen kommen.