Fast jede Stadt, die etwas auf sich hält, verfügt heute über eine einladende „Außengastro-Szene“ – und das auch zu kühleren Jahreszeiten mit Hilfe von Heizpilzen. Zu den berühmtesten Außengastronomie-Bereichen gehören beispielsweise die Kastanienallee, die Gleimstraße oder die Hackeschen Höfe in Berlin, das Barfußgässchen in Leipzig, der Friesenplatz oder die Altstadt in Köln, die Kö in Düsseldorf, die Elbpromenade in Dresden oder der Marienplatz, die Sendlinger Straße oder der Odeonsplatz in München. Doch Außengastronomie kostet die Besitzer von Restaurants, Kaffees und Bars oftmals viel Geld. Geld, das sie von den Kunden wieder einnehmen müssen.
Wie viel Geld die Wirte bezahlen müssen, zeigt eine Erhebung des Reiseportals. Denn oftmals werden die Gebühren auch unter Berücksichtigung der städtischen Besucher und Touristen erhoben. Angefragt wurden lediglich die „Sondernutzungsgebühren für Außenbewirtschaftung in der besten Lage“ – das heißt beispielsweise an viel frequentierten Innenstadtplätzen- oder -straßen. Hierfür wurden die 117 größten deutschen Städte befragt. Ergebnis: Allein deren Gastronomen müssen jährlich 16 Millionen Euro für die Aufstellung von Tischen, Stühlen und Sonnenschirmen an die Gemeinden überweisen.
Anfallende Gebühren
„Deutschlands Wucherstadt“ im Eintreiben von Außengastronomie-Gebühren ist Hannover. Hier sind im Schnitt 256,80 Euro pro Monat und Res-taurant in der besten Lage fällig – bei angenommenen durchschnittlichen 20 Quadratmetern Stellfläche. Es folgen Städte wie Rostock mit 250 Euro, Bonn, Darmstadt oder Konstanz mit jeweils 200 Euro. Rund ein Drittel der erhobenen Städte, genau 35, klassifiziert die Studie als „zu teuer“.
Neben den erwähnten sind das auch Städte wie Heidelberg, Tübingen, Potsdam, Mannheim, Wolfsburg, Saarbrücken, Passau, Pforzheim, Traunstein oder Neunkirchen im Saarland. Ob eine Stadt als „zu teuer“ klassifiziert wird, hängt von der Gebühr in Relation zum Gäste- und Touristenaufkommen ab. Denn: Je weniger Gäste in einer Stadt, desto schwieriger ist die Erwirtschaftung städtischer „Gastro-Gebühren“.
Von teuer bis günstig
Um die städtischen Außengastronomie-Gebühren zu bezahlen, müssen in Deutschland pro Restaurant oder Bar im Monat durchschnittlich bis zu 112 Tassen Kaffee zusätzlich zum Preis von je 2,30 Euro oder etwa 122 Pils (0,3 Liter) zum Preis von je etwa 2,10 Euro verkauft werden. Tendenz steigend, da viele Kommunen dringend Geld benötigen. Entsprechend werden auch die „Außengastro-Gebühren“ oftmals von Jahr zu Jahr angehoben.
Insgesamt 35 Städte wurden dem preislichen „Gastro-Gebühren“-Mittelfeld zugeordnet. Darunter waren Düsseldorf (133 Euro), Köln (126 Euro), Würzburg (120 Euro), Essen (100 Euro), Leipzig (100 Euro), Ludwigshafen (93,40 Euro), Erfurt (88 Euro), Chemnitz (81,80 Euro), Schwerin (80 Euro), Coburg (66,60 Euro) oder Esslingen (60 Euro). Weitere 47 Städte können als ausgesprochen „außengastro-freundlich“, da „günstig“, bezeichnet werden. Hierzu gehören beispielsweise Münster, Bochum, Dresden, Frankfurt a.M., Mainz, Freiburg i.B., Heilbronn, Flensburg, Ulm, Ludwigsburg, Offenburg, Augsburg, Oldenburg, Frankfurt (Oder), Magdeburg, Berlin, Bremen, Aalen oder Kiel.
In diesen Städten sind im Monat lediglich zwischen 94,40 Euro und null Euro für eine 20-Quadratmeter-Stellfläche an den städtischen Säckel zu überweisen. Null Euro sind in fast keiner der 117 untersuchten deutschen Städte zu bezahlen, außer in Kiel. Wer annimmt, große Städte mit vielen Besuchern und Touristen machen grundsätzlich den großen Gebühren-Reibach pro Restaurant oder Bar, irrt. Überraschenderweise fehlen in der Liste Städte mit den höchsten Sondernutzungsgebühren, die meisten Großstädte mit ihren vielen Touristen.
So sind weder München noch Frankfurt am Main, Stuttgart oder Berlin unter den teuersten Gastronomie-Gebühren-Metropolen vertreten. Allerdings ist beispielsweise Berlin auch nur im ersten Jahr verhältnismäßig günstig. Schon im zweiten Jahr verdoppelt sich der städtische Obolus – ist aber im Vergleich zu anderen Städten immer noch recht niedrig, im dritten Jahr steigt er aber weiter. Das ist vor allem deshalb bitter, da immer mehr Restaurants umfangreiche Freisitze aufbauen, um vor allem den aus den Innenräumen vertriebenen Rauchern eine angenehme Möglichkeit für das Rauchen zu ermöglichen.
In der Gastronomie werden Terrassen, Biergärten und Vorplätze auch bei kühleren Temperaturen gerne genutzt – umso häufiger, seitdem die Politik das Gesetz zum Rauchen in geschlossenen Räumen verschärft oder gar komplett einstellen möchte. Zudem nehme der Drang nach draußen weiter zu, ist sich Wilhelm Okesson, Leiter der DEHOGA-Beratung in Stuttgart, sicher. Er rät Gastronomen daher, ihr Konzept für die Außengastronomie mit der gleichen Sorgfalt und Professionalität zu planen, wie den Betrieb in den Innenräumen.
Für Okesson ist die Außengastronomie „der ideale Türöffner, um neue Gäste zu gewinnen“ – schließlich sei die Hemmschwelle, einen Betrieb zu betreten, nirgendwo so niedrig wie unter freiem Himmel. Ein attraktiver Auftritt vor der Tür lohnt sich also – trotzdem vernachlässigen Gastronomen oft gerade diesen Bereich: „Auch Betriebe, die ihren Innenbereich mit viel Liebe zum Detail gestalten, bieten draußen häufig nur eine langweilige Mobiliarausstellung“, sagt der Experte. Klar ist aber: Wer draußen eine einladende, unverwechselbare Atmosphäre schaffen will, muss mehr tun, als Tische, Stühle und ein paar Billig-Schirme aufzustellen.
„Lounge-Atmosphäre, Tresen-Kommunikation oder Speisegastronomie – all das lässt sich heute im Freiluft-Bereich auch zusammen verwirklichen“, so Okesson. Wer Gestaltungselemente wie beispielsweise Pflanzsteine kreativ einsetzt, gemütliche Sitzzonen schafft und durch Windschutz, angenehme Beleuchtung und eventuell auch Musik für angenehme Atmosphäre sorgt, kann im Außenbereich viel für den Erfolg seines Betriebs gewinnen.

[...] in Ihrer Stadt hoch oder vergleichsweise niedrig sind, erfahren sie im großen Gebührencheck des Magazins. Eines vorweg, die höchsten Außengastronomie-Gebühren sind anscheinend in Hannover [...]
Pingback by Kosten für Außengastronomie steigen | Unternehmensblog – M24 GmbH — 15. März 2012 um 10:50
RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack URL
Hinterlasse einen Kommentar