Der deutsche Geldbeutel sitzt alles andere als locker. Verunsichert durch die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise ist die Konsumlaune im Keller. Private Gäste sparen an Schnitzel und Bier, Firmen treten auf die Bremse, wenn es um Geschäftsreisen und damit verbundene Übernachtungen geht. Auf diese Formel lassen sich die Branchenergebnisse für 2009 und die ersten Monate des Jahres 2010 bringen, die der DEHOGA Bundesverband in Berlin Anfang Juni auf seiner Jahrespressekonferenz vorstellte.
Er beruft sich dabei auf eine eigene Konjunkturumfrage, an der sich knapp 4000 gastgewerbliche Unternehmer beteiligt hatten. Zwar habe sich die gedrückte Stimmung in der Hotellerie in den letzten Monaten leicht aufgehellt, von einer wirklichen Trendwende sei man jedoch weit entfernt.
„Als konjunktursensible und binnenmarktabhängige Branche ist das Gastgewerbe von der Nachfrage im Land abhängig“, erklärte DEHOGA-Präsident Ernst Fischer, „Bürger wie Unternehmen traten angesichts der dramatischen Entwicklungen 2009 auf die Sparbremse. Das bekamen Gastronomen und Hoteliers voll zu spüren.“
Mehr als jeder zweite Gastronom (54,8 Prozent) und Hotelier (56,4 Prozent) habe in der kalten Jahreszeit weniger umgesetzt als im Vorjahreszeitraum, zitierte Fischer die Konjunkturumfrage. Sehr kritisch sei daher die Ertragssituation der Betriebe: 58,7 Prozent der Hoteliers haben von Oktober 2009 bis März 2010 geringere Erträge als im Winter 2008/2009 erwirtschaftet. Bei den Gastronomen beklagen fast zwei Drittel (61,9 Prozent) einen Ertragsrückgang. „Mit Ausnahme der Wintersportregionen haben Hotels und Restaurants bundesweit außerdem unter dem harten und schneereichen Winter gelitten“, so der Präsident.
Der Weg aus der Krise scheint für das Gastgewerbe schwieriger zu sein als für die übrigen Wirtschaftsbereiche: Während die deutsche Wirtschaft von Januar bis März 2010 überraschend um 0,2 Prozent gewachsen ist, musste das Gastgewerbe im ersten Quartal erneut Einbußen hinnehmen.
Hotels, Restaurants und Caterer setzten im Vergleich zum bereits niedrigen Vorjahresergebnis nominal 1,1 Prozent weniger um (real -3,6 Prozent). Mit einer Vorausschau für das laufende Jahr 2010 tat sich Fischer daher schwer: „Prognosen sind schwieriger denn je, bestenfalls rechnen wir mit einer Stagnation auf sehr niedrigem Niveau.“ Er hofft, dass sich der schon 2009 erkennbare Trend zum Deutschlandurlaub 2010 fortsetzt. „Die vielen neuen Autos wollen schließlich bewegt werden. Ein Urlaub mit dem Pkw hat gute Chancen, in Deutschland verbracht zu werden.“
Leere Terrassen und Biergärten im Wonnemonat
Das kalte und nasse Frühjahr hat die Situation der Gastronomie weiter verschärft. „Kälte und Regen haben uns das Open-Air-Geschäft verhagelt“, berichtete der DEHOGA-Präsident auch aus eigener leidvoller Erfahrung. Laut einer Blitzumfrage des Verbandes setzten 87,1 Prozent der Unternehmer in den Frühjahrswochen 2010 unter freiem Himmel weniger um als im gleichen Zeitraum im Krisenjahr 2009.

DEHOGA-Präsident Ernst Fischer- Foto: Ch. v. Polentz/transitfoto.de
Fast ein Viertel der Gastronomen machte fast gar keinen Umsatz: Bei ihnen lag der Rückgang zwischen 80 und 100 Prozent. „Bei fast winterlichen Temperaturen blieben viele Außenterrassen und Biergärten an den Wochenenden und den traditionell umsatzstarken Feiertagen wie Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten leer“, erklärte Fischer. Für die Betriebe sei das existenziell. „Umsatzverluste in den Monaten April und Mai können im Laufe des Sommers kaum aufgeholt werden“, so Fischer, „Die Gäste weichen auch nicht auf die Innenräume von Kneipen und Restaurants aus. Sie kommen einfach nicht.“
Umso wichtiger sei es, dass die Politik die Öffnungszeiten der Freiluftgastronomie endlich an die Bedürfnisse der Gäste anpasse. „Hier brauchen wir dringend Rechtssicherheit“, betonte Fischer. „Damit unsere Unternehmer die Chance bekommen, an den wenigen lauen Sommerabenden ihre Gäste bis 24 Uhr zu verwöhnen, mehr Umsatz zu machen – und so etwas von den Verlusten aufzuholen“, so Fischer. D
ie Forderungen des DEHOGA seien allerdings schwierig, da die Öffnungszeiten der Außengastronomie kommunal geregelt werden. Einen Ersten Erfolg konnte man jedoch in Stuttgart verbuchen, wo Biergärten und Terrassen ihre Gäste nun bis 24 Uhr bewirten dürfen.
Mehrwertsteuersenkung wirkt
Kein Verständnis zeigte Fischer für die öffentliche Diskussion zur Mehrwertsteuersenkung für die Hotellerie. Er bedauerte, dass in der öffentlichen Diskussion wichtige Fakten kaum Erwähnung finden. Unberücksichtigt bleibe etwa, dass die Hotellerie als internationale Branche im Wettbewerb mit ausländischen Reisedestinationen steht.
Tatsächlich gewähren 23 von 27 EU-Mitgliedsländern ihrer Hotellerie den reduzierten Satz, darunter wichtige europäische Mitbewerber wie die Schweiz, Portugal, Frankreich, die Niederlande, Spanien, Österreich und Italien. „Dort hat man die positiven Wirkungen niedriger Steuersätze für die Hotellerie erkannt“, so der Präsident.
Fischer betonte erneut die Impulse für die Wirtschaft, die von der Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes ausgehen. Wie der Name Wachstumsbeschleunigungsgesetz schon sage, entstünden dadurch Handlungsspielräume für Investitionen und Beschäftigung. Zur Untermauerung seiner Position befragte der DEHOGA seit Februar 2010 seine Mitglieder, wie sie die Entlastung verwenden wollen. An der Umfrage beteiligten sich bis Anfang Juni 3 852 Unternehmer.
Das Ergebnis: Der weitaus größte Teil der Ersparnis soll in die Betriebe investiert werden. Aus den genannten Summen hat der DEHOGA ein Investitionsvolumen von 682,5 Millionen Euro errechnet, das in An- und Umbaumaßnahmen, Renovierungen, Modernisierungen sowie Neuanschaffungen fließen soll. Weitere 28,5 Millionen Euro sollen für Lohnerhöhungen, 12,6 Millionen Euro für Qualifizierungsmaßnahmen der Mitarbeiter aufgewendet werden. Außerdem senke jedes dritte Hotel die Preise um durchschnittlich 6,5 Prozent.

Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des DEHOGA-Bundesverbandes Foto: Ch. v. Polentz/transitfoto.de
Viele Betriebe wollen laut Umfrage außerdem ihren Personalbestand ausweiten. Insgesamt 5 495 zusätzliche Arbeits- und Ausbildungsplätze sollen infolge der Mehrwertsteuersenkung entstehen. „Die Mehrwertsteuersenkung gibt insbesondere den vielen mittelständischen Beherbergungsbetrieben wieder Luft zum Atmen. Das zarte Pflänzchen Aufschwung darf nicht wieder kaputt gemacht werden“, erklärte Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des DEHOGA Bundesverbandes.
Fragen nach dem Zeitraum, innerhalb dessen die Investitionen getätigt werden, konterte sie: „Pläne der Hoteliers können nicht an einem Tag umgesetzt werden.“ Die Umfrage beziehe sich auf das ganze Jahr 2010. Einiges sei bereits in Angriff genommen worden, anderes fest geplant. „Man muss die Wirkung steuerlicher Maßnahmen langfristig sehen und nicht nach fünf Monaten abschließend beurteilen“, erteilt sie Kritikern eine Abfuhr.
Gleiches gelte für die Einstellung neuer Mitarbeiter. Viele Hoteliers müssten zunächst im Sommer ausreichende Umsätze generieren, bevor sie im Herbst einstellen bzw. investieren können, so Hartges. Es sei ein Unding, wenn Medienvertreter und Politiker nach nur fünf Monaten eine Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung forderten. „Unternehmer brauchen Planungssicherheit!“
Gleichbehandlung für die Gastronomie
Zum wiederholten Male prangerte Fischer die steuerliche Ungleichbehandlung der Gastronomie gegenüber Bäckern, Metzgern und dem Lebensmitteleinzelhandel an: „Viele Wirte stehen mit dem Rücken zur Wand. Kneipen, Restaurants und Cafés zahlen weiterhin 19 Prozent Mehrwertsteuer.“
Er begrüßte die im Koalitionsvertrag angekündigte Überprüfung des Mehrwertsteuersystems und zählte Argumente für die steuerliche Gleichbehandlung der Gas-tronomie mit den Lebensmittelumsätzen anderer Wirtschaftszweige auf: „ Kann es richtig sein, dass die Tütensuppe beim Discounter mit sieben Prozent steuerlich begünstigt wird, während für die frisch zubereitete Spargelcremesuppe in einem Restaurant satte 19 Prozent angesetzt werden?“ Das Mehrwertsteuersystem trage nicht dazu bei, Esskultur und gesunde Ernährung im Land zu fördern.
Fischer betonte, dass eine Mehrwertsteuerreduzierung sich auch im Bereich der Gastronomie positiv auswirken dürfte: „In Frankreich wurden seit der Einführung der 5,5 Prozent-Mehrwertsteuer für die Gastronomie zum 1. Juli 2009 5 000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.“ Das deutsche Mehrwertsteuersystem gehöre auf den Prüfstand. Widersprüche und Benachteiligungen einzelner Branchen gelte es zu beseitigen.


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