Der demografische Wandel wird die Arbeitswelt in den nächsten 20 Jahren verändern. Einerseits werden die geburtenstarken Jahrgänge 1959 bis 1965 die Zahl der über 50-jährigen Arbeitnehmer steigen lassen, andererseits sorgen die geburtenschwachen Jahrgänge 1990 bis 1997 für weniger Nachwuchs. Fachkräftemangel und Mangel an Auszubildenden sind für die Gastronomie und Hotellerie schon jetzt ein Problem, das sich noch deutlicher zeigen wird. Guter Grund, sich mit dem vorhandenen „Potenzial“ an Mitarbeitern zu beschäftigen und die Gesundheit der Crew zu fördern, damit die Leistungsfähigkeit und Arbeitsfreude auch der älter werdenden Beschäftigten erhalten bleibt.

„Nur gesunde Mitarbeiter können ihren Beruf leistungsstark und engagiert ausüben“, betont Stefanie Heckel, Pressesprecherin des DEHOGA Bundesverbandes.  „Die Gesundheit der Mitarbeiter ist am Ende mehr als ein Selbstzweck – sie ist vielmehr ein unternehmerisches Ziel, ein Erfolgsfaktor und vor allem im härter werdenden Wettbewerb um den besten Nachwuchs ein wichtiger Baustein der Arbeitgeberattraktivität.“

Folglich gilt es, schon junge Menschen beim Start ins Berufsleben entsprechend zu motivieren. Was durchaus Sinn macht, schließlich sind Mitarbeiter in der Gastronomie und Hotellerie bereits in ihrer Ausbildung tagtäglich vielen körperlichen Belastungen ausgesetzt. Rückenschulungen allein werden hier allerdings nicht helfen, wie ein Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung aus den Jahren 2012 bis 2015 unterstreicht: Das „INDIGHO“ (Innovation und demografischer Wandel im Gaststätten- und Hotelgewerbe) entwickelte ein Konzept speziell zur Stärkung der Gesundheitskompetenz von Auszubildenden im Gastgewerbe – weil dadurch frühzeitig „der Grundstein für einen autonomen und verantwortlichen Umgang mit Gesundheit (der eigenen wie der anderer) gelegt werden kann“. Dabei sollten betriebliche Ausbilder und Berufsschullehrer den Auszubildenden das richtige Gespür für das „gesund arbeiten“ mit auf den Weg geben. Gleichzeitig entstand fürs betriebliche Gesundheitsmanagement ein „Rezeptbuch“ mit zahlreichen Informationen, Tipps und Anregungen, das sich mit der Gesundheit als „Grundrezept für unternehmerischen Erfolg“ auseinandersetzt (www.indigho.de).

Beispielhaft gut

Die Bereiche, in denen Unternehmer dann zugunsten ihrer ausgelernten Angestellten tätig werden können, sind sehr vielfältig. Sie beginnen beim gesunden und sicheren Arbeitsplatz inklusive ergonomischer Aspekte, reichen über ernährungsphysiologisch wertvolle Angebote in der Mitarbeiterverpflegung und gehen hin zu Bewegung und Sport. Die weltweite Starwood Hotelgruppe beispielsweise hat ein umfangreiches „Wellbeing“-Gesundheitsprogramm, bezogen auf die Westin Hotels & Resorts erarbeitet: Die Marke, die auch bei ihrer Gästeansprache eine gesundheitsorientierte Philosophie verfolgt – was unter anderem am Service des Running Concierge zu sehen ist – fördert bewusst die Gesundheit ihrer Mitarbeiter. Jedes der insgesamt 200 Westin Hotels realisiert jeweils geeignete Maßnahmen, die sich mit den vier Themen „eat well“, „move well“, „work well“ und „play well“ befassen. „Mitarbeitergesundheit ist ein elementares Thema in allen Hotels“, so Sandro Bohrmann, Area Manager Germany North, Starwood Hotels & Resorts. „Die Marke Westin hat sich mit ihrem langjährigen Fokus auf Wellbeing und Wellness zum Ziel gesetzt, das Wohlbefinden der Gäste ebenso wie der Mitarbeiter auf der ganzen Welt zu steigern.“

The Westin Grand Frankfurt bietet der Crew zum Beispiel einen Seh-, Hör- und Augentest und realisiert in Zusammenarbeit mit Krankenkassen eine Gesundheitswoche mit sportlichen Angeboten und gesunder Ernährung. Das Westin Grand München setzt unter anderem auf wöchentliches Laufen, gemeinsame Radausflüge und Wandertage sowie „Yogilatesstunden“. Besonders aktiv ist das The Westin Leipzig, das regelmäßige Arbeitssicherheits- und Ergonomieschulungen auf dem Plan hat. Zudem werden im Rahmen von jährlich zweimaligen Gesundheitstagen kleine Minichecks offeriert sowie 20-minütige Massagen. Darüber hinaus veranstaltet das Hotel für seine ca. 180 Mitarbeiter Zumba-Kurse und Autogenes Training in den Tagungsräumen, einen Selbstverteidigungskurs für Frauen sowie Themenseminare, die im Anschluss an die Arbeitszeit direkt im Haus stattfinden. „Die Angebote, besonders die Massagen, aber auch unsere Obst-, Tee- und Wassertage, werden sehr gut angenommen“, betont Antje Reichstein, Marketing Managerin.

Zu glauben, dass diese Initiativen nur für Großunternehmen Sinn machen, wäre falsch. Gerade die Kleinbetrieblichkeit der Branche bringt nämlich den Vorzug mit sich, dass Neues ad hoc und ohne viel Aufwand ausprobiert werden kann, dass die Angebote auf unterschiedliche Beschäftigungsgruppen eingestellt werden können und dass zudem auf die Lebenssituation – und auf altersbedingte Gegebenheiten – der Mitarbeiter eingegangen werden kann.

Bestes Beispiel dafür ist das Münchener Hotel Bayerischer Hof, das seinen rund 650 Mitarbeitern, zu denen auch eigene Schreiner und Handwerker gehören, zahlreiche gesundheitsfördernde Angebote macht. So gibt es eine wöchentliche Rückenschule. Einmal pro Jahr veranstaltet die Personalabteilung einen Gesundheitstag, an dem alle Mitarbeiter kostenlose Offerten nutzen können, wie Sehtest und Blutdruckmessung; auch Alterssimulation und Fußgesundheit sind Themen, und bei einem Genussparcours können die Sinne getestet werden. Feste Einrichtung ist zudem die Fußballmannschaft, die am jährlichen Hotel Career Cup nicht nur teilnimmt, sondern schon stolze Siege verzeichnen konnte. „Ich finde es besonders wichtig, den Mitarbeitern Anregungen zu einem gesünderen Verhalten im Alltag zu geben, einen Ausgleich zu schaffen und mit entsprechenden Maßnahmen für eine ausgeglichene Work-Life-Balance zu sorgen“, sagt Hotelchefin Innegrit Volkhardt, die sich den Mitarbeitern gegenüber verpflichtet fühlt, „hier bewusst unterstützend mitzuhelfen“.

Informationen zum Thema gibt es vielfach, auch beim DEHOGA, wo ein Branchenleitfaden die Faktoren beleuchtet. Organisatorische Hilfe bietet die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Genuss, die bei regionalen Seminaren speziell für Kleinbetriebe mit der AOK kooperiert. Auf dem Plan stehen Seminare zur Stressbewältigung in der Gastronomie und Tipps für Gesundheitstage. Die AOK und andere Krankenkassen wie die Barmer und Techniker sind aber auch von sich aus sehr aktiv. So setzt die AOK bundesweit entsprechend dem geltenden Leitfaden auf Prävention, was je nach Bundesland eigenständig umgesetzt wird, wie Karlheinz Bayer, AOK-Nordbayern-Teamleiter für den Bereich Gesundheitsförderung, erläutert. „Ernährung und Bewegung sind wichtig, und zunehmend der Umgang mit psychischen Belastungen.“ Dabei steht besonders auch die Förderung gastronomischer Klein- und Mittelstandsbetriebe im Fokus. „Große Betriebe tun sich leichter“, so Bayer, „wer nur wenige Mitarbeiter hat, für den bieten wir betriebsübergreifende Möglichkeiten.“ Die Angebote werden in der BGN-Mitgliederzeitschrift bekannt gegeben und die Firmen können beim BGN auch nur zwei oder drei Mitarbeiter dazu anmelden. Betreut werden die Veranstaltungen dann durch Fachkräfte etwa der Krankenkassen. Die AOK ist hierbei bundesweit mit weit über 50 Prozent involviert, allerdings braucht es nach wie vor viel Motivationsarbeit. Der Bedarf wächst natürlich, wenn die Krankenstände steigen“, sagt Bayer, „und die Akzeptanz der gesundheitsfördernden Angebote hängt ganz entscheidend vom Arbeitgeber und der Unternehmenskultur eines Betriebes ab.“  

> Karin Gabler

Nähere Infos:

www.aok-bgf.de
www.bgn.de
www.rueckenpraevention.de
www.dehoga-bundesverband.de
(Karriere/Publikationen/Leitfaden fuer gute Arbeitsgestaltung 2009)