Die weniger erfreuliche Nachricht vorneweg: Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse im Gastgewerbe ist auch 2015 weiter gesunken. Bei den Neuverträgen waren mit einem Minus von 4,1 Prozent (Vorjahr minus 5,8) weiter Rückgänge zu verzeichnen, hat eine Erhebung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) gezeigt. Die Neuverträge hätten sich gegenüber den Vorjahren etwas abgeschwächt, aber doch recht deutlich über den Rückgängen in anderen Branchen und Berufen gelegen – der IHK-Durchschnitt habe 2015 minus 1,7 Prozent betragen. Damit werden aktuell in den sechs gastgewerblichen Berufen insgesamt noch 56.177 junge Leute ausgebildet (siehe Kasten „Die DIHK-Zahlen im Detail“).

Giuseppe Saitta, Gastronom in Düsseldorf und Vorsitzender der DEHOGA Kreisgruppe

Giuseppe Saitta, Gastronom in Düsseldorf und Vorsitzender der DEHOGA Kreisgruppe (Foto: privat)

Und jetzt die etwas bessere Nachricht: Es bestehen für das Gastgewerbe Möglichkeiten, diesem Trend entgegenzuwirken. Einen Weg skizziert Giuseppe Saitta, Gastronom in Düsseldorf und Vorsitzender der DEHOGA Kreisgruppe in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt. „Unter den vielen Flüchtlingen, die zuletzt in unser Land gekommen sind und auch noch kommen werden, befinden sich zahlreiche junge Frauen und Männer, die grundsätzlich für eine Ausbildung und eine spätere Tätigkeit im Gastgewerbe in Frage kommen.. Damit können wir ihnen eine Perspektive geben und gehen gleichzeitig unsere eigene Nachwuchsproblematik an. Denn dass wir unseren Bedarf an Auszubildenden und Fachkräften, gerade in der Gastronomie, zunehmend nicht mehr decken können, ist leider Tatsache.“

Flüchtlinge als Praktikanten

Giuseppe Saitta hat deshalb gemeinsam mit der Diakonie in Düsseldorf eine Veranstaltung für Flüchtlinge im Alter von 13 bis 18 Jahren durchgeführt. Sie wurden in einem seiner Restaurants bewirtet, und Saitta stellte ihnen die vielen Möglichkeiten vor, die das Gastgewerbe bietet. „Damit wollten wir feststellen, ob es Jugendliche gibt, die sich für unsere Berufe interessieren. Und ja, die gibt es sehr wohl“, sagt Guiseppe Saitta, obwohl er sich bewusst ist, dass es zwischen dem ersten Interesse und einer Ausbildung ein sehr weiter Weg sein kann. Gerne hätte der Gastronom – und er kennt viele weitere Unternehmer, die es ihm gleich tun würden – deshalb junge Flüchtlinge direkt als Praktikanten angenommen, um sie dadurch, wenn es sich anbiete, auf eine Ausbildung in einem seiner Betriebe vorzubereiten. „Das Praktikum ist der grundlegende erste Schritt neben ausreichenden Deutschkenntnissen. In einem Praktikum erkennen wir, ob und wenn ja für welchen Beruf sich ein junger Mensch eignet. Dann aber ist der Weg in die Ausbildung normalerweise nicht mehr weit, und das wäre ein Chance für Flüchtlinge, ein normales Leben zu führen.“

Und dass das Gastgewerbe grundsätzlich bereit ist, Flüchtlinge zu beschäftigen, zeigen aktuelle Zahlen: Während deutschlandweit in den vergangenen zwei Jahren nur in sieben Prozent der Unternehmen Flüchtlinge beschäftigt wurden, sind es im Gastgewerbe 28 Prozent (bezogen vor allem auf Kettengastronomie und -hotellerie). Das geht aus einer Umfrage des Ifo-Instituts unter Personalverantwortlichen von mehr als 1000 Betrieben hervor.

Das Problem besteht allerdings darin: Der Gesetzgeber erteilt Flüchtlingen aufgrund ihres nicht offiziellen Aufenthalts keine Arbeitserlaubnis. Das heißt: „Flüchtlinge dürfen sich in unseren Betrieben aufhalten, aber nichts tun. Das führt die Idee eines Praktikums natürlich ad absurdum. Normalerweise dauern Anerkennungsverfahren ein bis anderthalb Jahre, also können wir frühestens im Herbst damit beginnen, junge Flüchtlinge einzubinden“, kritisiert Saitta. Er hebt deshalb hervor, dass sich der DEHOGA bei den Behörden dafür kämpfe, eine Lösung zu finden, die für alle Seiten Sinn ergebe.

Beschäftigung hängt vom Status ab

Rainer Spenke, Geschäftsführer der Fachgruppen im DEHOGA NRW

Rainer Spenke, Geschäftsführer der Fachgruppen im DEHOGA NRW (Foto: DEHOGA)

Das sieht auch Rainer Spenke, Geschäftsführer der Fachgruppen im DEHOGA NRW, so. „Die Bereitschaft der Betriebe ist groß, aber der bürokratische Aufwand ebenso. Wir benötigen jetzt einfache Lösungen, sodass Flüchtlinge so schnell wie möglich eingesetzt werden können.“ Der Unternehmer müsse sicher sein, dass er einen Flüchtling beschäftigen dürfe, denn das hänge laut Rainer Spenke vom Status ab. „Menschen mit Aufenthaltserlaubnis, Aufenthaltsgestattung oder Duldung benötigen eine Erlaubnis der Ausländerbehörde, ob sie arbeiten dürfen oder nicht. Wir sind der Überzeugung, dass sich aber nicht die Unternehmer um dieses Papier bemühen müssen, sondern dass die Behörde einheitliche und eindeutige Arbeitserlaubnisse ausstellt, damit das Risiko des Unternehmers ausgeschlossen wird, einen Fehler zu begehen.. Das verschlankt die Abläufe für Betriebe enorm“, betont Spenke. Unternehmer müssten jedoch immer die Identität eines Bewerbers überprüfen. Bild im Ausweisdokument und Person müssen übereinstimmen, und die Papiere müssen gültig sein.

Ansprechpartner bei Agentur für Arbeit

Der DEHOGA-Geschäftsführer weist auch auf ein Merkblatt hin, das Unternehmer über den Landesverband NRW erhalten können. Darin findet sich unter anderem die Telefonnummer 0800 4555520. Wer diese aus dem Festnetz wählt, wird automatisch zum passenden Ansprechpartner bei „seiner“ Agentur für Arbeit vor Ort durchgestellt.

Zu dem Problem der schnellen Beschäftigungsmöglichkeit gesellt sich das einer „passgenauen“ Entlohnung. „Vernünftige Arbeit muss vernünftig bezahlt werden. Aber ein Praktikum als eventuelle Vorbereitung für eine spätere Ausbildung ist ja vielmehr ein Anlern-Verhältnis. Dafür benötigen wir eine einfache Lösung“, sagt Rainer Spenke. Das fordert auch Giuseppe Saitta. „Es muss möglich sein, die Bezahlung etwas flexibler zu handhaben, wenn wir echte und dauerhafte Chancen gewährleisten.“