Barbara Steffens, Foto: Die Grünen

Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) will in den kommenden Wochen einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen. Sie plant einen strengen Nichtraucherschutz nach bayerischem Vorbild. Ausnahmeregelungen sollen komplett wegfallen. Der DEHOGA NRW indes sieht die Existenz von Tausenden Gastronomen gefährdet.

Barbara Steffens möchte nach eigenen Angaben rigoros mit dem „Wildwuchs“ der Ausnahmeregelungen in der Gastronomie aufräumen. „Der Schutz vor Passivrauch hat bei mir oberste Priorität. Die Umsetzung geht nur mit einem absoluten Rauchverbot. Das hat die Vergangenheit gezeigt. Deshalb werde ich in den nächsten Wochen einen entsprechenden Gesetzentwurf in den Landtag einbringen.

Ich hoffe, dass sich die Fraktionen möglichst schnell auf einen Fahrplan für die Beratung des Entwurfs einigen werden.“ Ein konsequenter Nichtraucherschutz bringe laut Steffens aber nicht nur Klarheit, sondern mache auch den Wettbewerbsverzerrungen innerhalb der Gastronomie ein Ende.

Heike Gebhard, Foto: SPD

Zustimmung auch von Seiten der SPD. Deren Gesundheitsexpertin Heike Gebhard kündigte einen verbesserten Schutz von Kindern und Jugendlichen an. „Die bisher in Nordrhein-Westfalen geltenden Ausnahmeregelungen haben sich nicht bewährt.

Der Flickenteppich hat eine effektive Kontrolle durch die Ordnungsämter verhindert. Wir streben deshalb ein einheitliches Rauchverbot an.“ Nach Angaben der Landtagsabgeordneten werde es auch bei Brauchtumsveranstaltungen keine Ausnahmen geben.

In der Grundsatzforderung nach einem strikten Rauchverbot schlägt sich die Linke auf die Seite von SPD und Grünen. Deren Landesvorsitzender Wolfgang Zimmermann fordert im Rahmen des Nichtraucherschutzes in der Gastronomie vor allem den Schutz der Beschäftigten.

Wolfgang Zimmermann, Foto: Die Linke

„Die Angestellten sind während ihrer Arbeitszeit permanentem Zigarettenqualm ausgesetzt. Und das hat bekanntlich fatale Folgen für die Gesundheit. Das Chaos um den Nichtraucherschutz in NRW muss endlich beendet werden.“

„Wir haben in den letzten Jahren zwei Dinge in der Gastronomie festgestellt“, meint Klaus Hübenthal, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA NRW. „Grundsätzlich fordern immer mehr Gäste rauchfreie Bereiche, gerade in Restaurants oder Speisegaststätten. Aber gleichzeitig wünscht sich ein großer Teil unserer Gäste weiterhin die Zigarette zu einem Kaffee oder Bier. Das Gesetz in seiner jetzigen Form hat es geschafft, diese Entwicklung zu begleiten, ohne Kneipen die wirtschaftliche Existenz unter den Barhockern wegzureißen.

Klaus Hübenthal, Foto: Holger Bernert

Heute gibt es Tausende rauchfreie Angebote, ohne dass Raucher vor die Tür gesetzt werden müssten. Wer ein absolutes Rauchverbot wie in Bayern fordert, zeigt, dass es ihm nur teilweise um Nichtraucherschutz geht – in unseren Eckkneipen gibt es nämlich fast keine Nichtraucher.

Ein wesentlicher Antrieb besteht vielmehr darin, das Rauchen aus allen öffentlichen und offenen Räumen zu verbannen. Wer also die Menschen im Umgang mit ihren Lastern zu bessern versucht, wird in Kauf nehmen müssen, dass bis zu 3.500 Kneipen an Rhein und Ruhr verschwinden und mit ihnen die Existenzgrundlage für Tausende von Wirten und deren Mitarbeitern. So würde sehenden Auges aus dem Rauchverbotsgesetz ein Hartz-IV-Beschleunigungsgesetz. Man kann sich vorstellen, dass diejenigen, die Angst um ihre Existenz haben, kämpfen werden. Und wir werden sie dabei unterstützen.“

Joachim Stamp, Foto: FDP

Die Liberalen bleiben bei ihrer Meinung und unterstützen die Wirte an Rhein und Ruhr. „Ein absolutes Rauchverbot wird in der Gastronomie gerade die Existenzen kleinerer Betriebe zerstören“, beklagt der nordrhein-westfälische FDP-Generalsekretär Joachim Stamp und damit auch den drohenden Niedergang der traditionellen Kneipenkultur.

„Das geltende Nichtraucherschutzgesetz ist vernünftig. Es bietet bereits einen umfassenden Schutz der Nichtraucher und sollte nicht weiter verschärft werden.“

So sieht es auch Oliver Wittke, Generalsekretär der CDU in Nordrhein-Westfalen: „Es war die CDU geführte Landesregierung, die in Nordrhein-Westfalen den Nichtraucherschutz erstmalig thematisiert hat. Mit dem Gesetz, das wir 2008 auf den Weg gebracht haben, wurde ein weitreichender Nichtraucherschutz vereinbart. Klar ist: Das vor drei Jahren von der CDU eingeführte Nichtrauchschutzgesetz hat sich bewährt.

Oliver Wittke, Foto: CDU

Deshalb wollen wir auch heute, dass ein Wirt einer Eckkneipe in Zukunft noch selber entscheiden kann, ob er das Rauchen in seiner Kneipe duldet oder nicht. Mit dem jetzt geplanten grundsätzlichen Rauchverbot nach bayerischem Vorbild in allen Gaststätten wird deutlich, dass Frau Steffens und die rot-grüne Landesregierung augenscheinlich nicht den Gesundheitsschutz im Blick hat, sondern das Gastgewerbe in Nordrhein-Westfalen massiv behindern will. Man kann nicht von den Wirten in Nordrhein-Westfalen verlangen, dass sie aufgrund des damaligen Gesetzes teure Umbaumaßnahmen umsetzen und jetzt noch nicht einmal mehr dafür entschädigt werden sollen. Das Vertrauen in bestehende Rechtslagen wird nachhaltig beschädigt, und viele Gastwirte werden ihrer Existenzgrundlage beraubt.“ Holger Bernert