“Die Branche ist gestärkt aus der Wirtschaftskrise hervorgegangen“, erklärte Ernst Fischer bei der Präsentation.
Nach einem neuen Rekord bei den Übernachtungen im Jahr 2011 konnte die Hotellerie von Januar bis März 2012 erneut Zuwächse verbuchen: Gegenüber dem Vorjahr verbesserte sich die Zahl in diesem Zeitraum um sechs Prozent auf 96,2 Millionen.
Laut Konjunkturumfrage des DEHOGA bei 4.500 Hoteliers und Gastronomen war für 34,7 Prozent der Hoteliers die Geschäftslage im Winterhalbjahr gut, für 44,8 Prozent befriedigend. Zwei Drittel der Unternehmen (68 Prozent) konnten ihren Umsatz stabilisieren bzw. erhöhen. Dennoch führten steigende Betriebskosten und geringe Spielräume bei der Preisgestaltung zu einem bitteren Beigeschmack: Bei 42,7 Prozent der Unternehmen sanken die Erträge.
Erfreulich sei die hohe Bereitschaft der Betriebe, vor allem in die Modernisierung zu investieren, so Fischer. Sie sei zurückzuführen auf die gute Konjunktur und die Mehrwertsteuersenkung für Übernachtungen. „Das Institut für Management und Tourismus (IMT) der Fachhochschule Westküste hat in einer aktuellen Studie die durch die Mehrwertsteuersenkung ausgelösten Investitionsmaßnahmen von knapp 5.200 bundesdeutschen Gasthöfen, Pensionen und Hotels ausgewertet und addiert“, erläuterte Ingrid Hartges.
„Diese Unternehmer haben 2010 und 2011 fast eine Milliarde Euro in Neuanschaffungen, Renovierungen, Energieeffizienzmaßnahmen sowie An- und Umbauten gesteckt.“ Geld, das wohlweislich ohne die Mehrwertsteuerreduzierung nicht geflossen wäre. Außerdem seien mehr als 11.000 neue Arbeits- und Ausbildungsplätze entstanden.
Gastronomie holt endlich auf
Besonders positiv: Auch in der Gastronomie ist der Aufschwung angekommen. Die robuste Binnennachfrage im Winter habe dafür gesorgt, dass 75,6 Prozent der Unternehmen ihre Lage als gut bzw. befriedigend beurteilten, sagte Fischer. „Hinsichtlich der Umsatzentwicklung konnte die Gastronomie wieder mit der Hotellerie aufschließen. Zwei Drittel der Unternehmer (64,0 Prozent) stabilisierten ihre Umsätze oder bauten sie sogar aus.
Das ist der beste Wert seit dem Winterhalbjahr 2006/07“, freute er sich. Aber auch hier hätten steigende Lebensmittel- und Energiekosten bei fast der Hälfte der Unternehmen zu gesunkenen Erträgen geführt.
Für die Sommermonate geben sich Gastronomen und Hoteliers optimistisch: 85,5 Prozent der Hoteliers und 82,5 Prozent der Gastronomen erwarten für April bis September 2012 stabile oder sogar bessere Geschäfte als im Vorjahr. Insgesamt prognostiziert der DEHOGA für 2012 daher ein Umsatzplus im Gastgewerbe von 3,0 Prozent. Ein Unsicherheitsfaktor sei jedoch die weitere Entwicklung der Eurokrise, gab Fischer zu.
Die Forderungen Ernst Fischers an die Politik waren größtenteils Dauerbrenner: Erneut lehnte er Mindestlöhne und Einschnitte bei den Minijobs ab. Beides drohe den Jobmotor Gastgewerbe, der in den letzten zehn Jahren fast 100.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen habe, abzuwürgen. Ebenso ausdrücklich verwahrte sich Fischer gegen die „politische Wegelagerei“ der Bettensteuern und die Einführung „unsinniger Hygieneampeln“.
Als „absolut kontraproduktiv“ bezeichnete er die Diskussion um eine Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung für Hotels. Stattdessen sei eine Gleichbehandlung der Gastronomie dringend geboten – aus steuersystematischen, arbeitsmarktpolitischen und sozialen Gründen.
GEMA gefährdet Existenzen
Die hohen GEMA-Gebühren für das Abspielen von Musiktiteln sind dem DEHOGA seit Jahren ein Dorn im Auge. Nun sorge die aktuelle „sogenannte Tarifreform“ mit ihren extremen Erhöhungen regelrecht für Wut und Verzweiflung, so Fischer.
Musikkneipen müssten mit einem Mehraufwand von 2.000 Prozent rechnen, Clubs und Diskotheken mit einem Plus von 400 bis 600 Prozent. „Das ist existenzgefährdend“, wetterte der Präsident. Man werde alle politischen und juristischen Mittel ausschöpfen, um die GEMA-Tarifreform zu stoppen.
Der DEHOGA- Branchenbericht „Gastgewerbe Winter 2011/12 – Ausblick Sommer 2012“ kann unter www.dehoga.de kostenfrei heruntergeladen werden.



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