gastgewerbe-Magazin: Der deutsche Biermarkt gilt als gesättigt. Die Deutschen trinken immer weniger Bier. Wie schätzen Sie diese Situation ein?
Rainer Noll: Der rückläufige Bierkonsum in Deutschland ist eine langfristige Tendenz. Diese Situation trifft die Gastronomie besonders stark, die zusätzlich mit den Folgen des Rauchverbots und der allgemeinen Konsumzurückhaltung beziehungsweise der Konsumverschiebung in die Haushalte konfrontiert ist.

Der demographische Wandel und das geänderte Trinkverhalten der Verbraucher führen zu weniger Bierkonsum in Deutschland. Wie wollen Sie jungen Leuten die Lust auf Bier schmackhaft machen?
Bei den unter 30-Jährigen und den über 50-Jährigen haben Cocktails und Wein dem Bier den Rang abgelaufen. Für uns Brauer heißt dies, wir müssen unsere Produkte für diese Zielgruppen wieder attraktiver machen und gleichzeitig neue Zielgruppen hinzugewinnen. Hierfür gibt es kein Patentrezept. Es ist wichtig, dem Verbraucher tatsächlich zuzuhören und die Erkenntnisse aus Marktforschung und Gesprächen effizient und effektiv in Konzepte und Produkte zu übersetzen, die für die jeweiligen Zielgruppen relevant sind. Gleichzeitig ist es essentiell, den Charakter einer Marke zu pflegen und über die ständige Aktualisierung der Markenwelt einen emotionalen Mehrwert zu schaffen, mit dem sich die Verbraucher identifizieren können. Diesen Erfordernissen haben wir zum Beispiel durch die Neustrukturierung der Marketing-Organisation Rechnung getragen, die die Wünsche und Bedürfnisse noch stärker in den Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns stellt.

In diesem Jahr wird der Werbeslogan „Bitte ein Bit“ 60 Jahre alt. Mit einer großen Gas-t­ronomie-Promotion wollen Sie das Jubiläum angehen. Wie feiern Sie den Geburtstag an der Theke?
„Bitte ein Bit“ ist einer der erfolgreichsten Slogans der Braubranche. Er begleitet uns tagtäglich nicht nur an den Theken, sondern beispielsweise auch auf den Autos unserer Verbraucher. Das zeigt uns, dass sich diese emotional mit dem Bitburger-Slogan identifizieren – das freut uns, und darauf sind wir stolz. Auf diesen Erfolg stoßen wir nicht nur im Jubiläumsjahr gerne mit einem frisch gezapften Bitburger an.

Foto: Holger Bernert

Marketing und Innovationen sind in Ihrer Branche das A und O. Auf was dürfen sich die Verbraucher in diesem Jahr freuen?
Die Wünsche unserer Verbraucher stehen für uns im Mittelpunkt all unseres Denkens und Handelns. Neben Pils sind auch die klassischen Biermischgetränke und alkoholfreie Biere sehr beliebt. Deshalb bringen wir in diesem Jahr gleich mehrere Neuprodukte auf den deutschen Biermarkt: Bitburger Radler Alkoholfrei, König Pilsener Radler, Köstritzer Edel Pils Radler, Licher Weizen Alkoholfrei und Licher X² Energy.

Im Fassbiergeschäft sind Sie in Deutschland Nummer eins. Ist es schwierig, diesen Spitzenplatz zu behaupten und Marktanteile zu sichern?
Die Bitburger Braugruppe hat ihre Marktführerschaft im Außer-Haus-Markt trotz des rückläufigen Bierkonsums und der schwierigen wirtschaftlichen Situation der Gastronomiebranche erneut verteidigt. Diesen Erfolg verdanken wir einer gewachsenen Gastronomiekompetenz, zahlreichen speziell auf die Bedürfnisse der Gastronomen ausgerichteten Service- und Beratungsleistungen sowie unserer kompetenten und engagierten Außendienst-Mannschaft. Die angespannte Situa­tion im Außer-Haus-Markt geht auch an uns nicht spurlos vorbei. Doch gerade jetzt sehen wir uns als Marktführer in einer besonderen Verantwortung gegenüber unseren Gastronomiepartnern und werden weiterhin fest an ihrer Seite stehen.

Welchen Stellenwert hat das Exportgeschäft für Ihre Brauerei?

Wir haben für die Bitburger Braugruppe das erklärte Ziel, profitables Wachstum zu erreichen. Wir sind davon überzeugt, dass auch unser Export hierzu beitragen wird. Wir konzentrieren uns jedoch auf den deutschen Markt.

Warum gibt es Bitburger Radler seit diesem Monat auch in der alkoholfreien Variante?
Wir erfüllen damit die Nachfrage nach einer alkoholfreien Variante unseres erfolgreichen Biermischklassikers Bitburger Radler, das im vergangenen Jahr zum wiederholten Mal im zweistelligen Prozentbereich gewachsen ist. Wir sind davon überzeugt, dass Bitburger Radler Alkoholfrei ebenfalls großes Potenzial hat.

Die Preise für Rohstoffe explodieren. Wird es in diesem Jahr zu einer Preiserhöhung innerhalb der Bitburger Braugruppe kommen?
Für die Marken Bitburger, König Pilsener, Köstritzer, Licher und Wernesgrüner wird es für das Jahr 2011 keine Preiserhöhung geben. Soviel können wir jetzt bereits bekanntgeben. Wir werden allerdings mit extrem steigenden Rohstoff-, Energie- und Produktionskosten konfrontiert. Daher lässt sich eine Preiserhöhung für das Jahr 2012 explizit nicht ausschließen.

Zur Person

Nachdem die Bitburger Braugruppe zum Jahreswechsel ihre Führungsorganisation im Außer-Haus-Markt gebündelt hat, führt Rainer Noll als alleiniger Vertriebsdirektor Außer-Haus-Markt zusätzlich zu den Bereichen System­gastronomie und Vertriebsservices Gruppe auch die Key-Account-Direktion Top-Hotellerie und die regionalen Verkaufsdirektionen. Noll bleibt aber auch weiterhin Geschäftsführer der Licher Brauerei.