Es ist ein Thema, das den Unternehmern in Hotellerie und Gastronomie beinahe täglich auf den Nägeln brennt: Nach acht Stunden – in Ausnahmefällen auch nach zehn Stunden – ist Schluss mit der Arbeitszeit. Was aber, wenn die Feier länger dauert? Was, wenn der angekündigte Bus im Stau steht und später kommt? Was, wenn die Gäste an einem lauschigen Abend den Biergarten noch nicht verlassen wollen? Eine praktikable Antwort auf diese Fragen hat die Politik bislang noch nicht liefern können.

Deshalb fordert der DEHOGA eine Umstellung von der täglichen auf eine Wochenarbeitszeit. „So können Arbeitszeiten individuell und flexibel auf die Woche verteilt werden“, erläutert Präsident Guido Zöllick. Auf keinen Fall gehe es dabei um eine Verlängerung der Gesamtarbeitszeit, um eine Erhöhung des Arbeitsvolumens und erst recht nicht um unbezahlte Mehrarbeit. „Es geht um mehr Flexibilität, von der alle profitieren: Unternehmer und Mitarbeiter. Und natürlich unsere vielen Millionen Gäste aus Deutschland und der ganzen Welt, die unsere Betriebe besuchen und zu jeder Zeit besten Service erwarten – 365 Tage im Jahr, sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag.“

Sein Appell an die Politik: „Verschließen Sie nicht länger die Augen vor der Lebenswirklichkeit. Schaffen Sie Lösungen für die Branche der Gastfreundschaft!“

Um die Forderung in die Öffentlichkeit zu tragen, hat der DEHOGA eine große Kampagne gestartet. Auftakt war die Präsentation der Branchen-Uhr vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Dieses Kampagnen-Symbol wird jetzt immer wieder zu sehen sein. Hinter den Kulissen werden zahlreiche Gespräche mit Politikern aller Parteien geführt. Wichtigste Erkenntnis daraus: Viele wissen gar nicht um die Problematik.

„Deshalb ist es wichtig, dass möglichst viele Hoteliers und Gastronomen sich der Kampagne anschließen und die guten Argumente an die Kandidaten aus ihrem unmittelbaren Umfeld herantragen“, sagt Christopher Lück, Pressesprecher des DEHOGA. Dafür gibt der DEHOGA vielfältige Unterstützung, denn alle Argumente sind auf der Seite www.wochen-arbeitszeit.de knapp und übersichtlich zusammengefasst.

Dort haben sich in Testimonials sowohl Unternehmer als auch Mitarbeiter zu Wort gemeldet. Außerdem gibt es Plakate und weitere Werbemittel, die der DEHOGA zur Verfügung stellt. Besonders interessant sind die Kacheln, die sich beispielsweise bei Facebook integrieren lassen, um auf das Thema aufmerksam zu machen. In einer Broschüre, die ebenfalls auf der Seite heruntergeladen werden kann, sind alle Argumente noch einmal übersichtlich zusammengefasst. Für alle Unternehmer gilt jetzt: Mitmachen für die Wochenarbeitszeit.

> www.wochen-arbeitszeit.de

Plakative Beispiele des DEHOGA:

Hochzeit: ein Gesetz gegen die Gäste

Die Hochzeitsgesellschaft trifft um 17 Uhr ein. Die Arbeitszeit der Mitarbeiter begann zur Vorbereitung um 15 Uhr. Das Veranstaltungsende war für 1 Uhr nachts verabredet. Aufgrund der guten Stimmung möchten die Gäste spontan bis 4 Uhr morgens verlängern. Geht nicht! Sagt das Arbeitszeitgesetz. Der Gastronom steht vor der Wahl: Die Hochzeitsfeier pünktlich beenden oder ein saftiges Bußgeld von bis zu 15.000 Euro kassieren.

Nebenbeschäftigung: ein Gesetz gegen die persönliche Freiheit

Eine in Teilzeit (25 Stunden pro Woche) arbeitende Büroangestellte verdient sich am Wochenende als Tresenkraft an der Bar etwas hinzu. Am liebsten jedoch würde sie jeden Freitag von 18 bis 24 Uhr aushelfen. Geht nicht! Sagt das Arbeitszeitgesetz. Da sie am Freitag bereits in ihrem Büro von 9 bis 14 Uhr gearbeitet hat, darf sie den sechsstündigen Abendservice nicht übernehmen. Die Mitarbeiterin wird daran gehindert, sich etwas hinzuzuverdienen!

Familie: ein Gesetz gegen die Vernunft

Eine Mutter von zwei Kindern möchte in einem Hotel arbeiten, aber auch ausreichend Zeit mit ihren Kindern verbringen. Deshalb möchte sie gerne an zwei Tagen pro Woche zwölf Stunden arbeiten. Geht nicht! Sagt das Arbeitszeitgesetz.