An der Hotelbar schallt Nirvana aus den Lautsprechern, der Hotelier trägt Turnschuhe, moderne Jeans und das Hemd über der Hose, die Lage ist nicht besonders, und eigentlich erinnert auf den ersten Blick nichts an ein gut besuchtes Businesshotel. Aber das FreiRaum stattHotel ist genau das: ein gut laufendes Hotel für Geschäftsreisende. Das Erfolgsrezept dahinter ist der wirklich völlig neue Ansatz des Gründers und Inhabers Olaf Lambertz. „Wir haben einfach alles anders gemacht als alle anderen. Wir sind keine Hoteliers und haben mit der Branche vorher nur als Gäste etwas zu tun gehabt. Deshalb konnten wir uns bei der Konzeption auch nicht in eine professionelle Hoteliers-Perspektive versetzen, sondern haben unser Hotel so gestaltet, wie wir ein solches Produkt als Gäste auch annehmen würden. Ich weiß, was mir gefällt, und das haben wir dann umgesetzt.“

Unternehmer Olaf Lambertz in der Lobby seines FreiRaum stattHotels in Mönchengladbach. Der Kicker gehört zur Ausstattung dazu.

Unternehmer Olaf Lambertz in der Lobby seines FreiRaum stattHotels in Mönchengladbach. Der Kicker gehört zur Ausstattung dazu. (Foto: Michael Lübke)

Das FreiRaum stattHotel, direkt an einer reinen Wohnstraße im völlig durchschnittlichen Westen von Mönchengladbach am Niederrhein gelegen und von den prominenten Plätze der Region, zum Beispiel Messe und Flughafen Düsseldorf, mehr als 40 Autokilometer oder eine recht aufwändige Nahverkehrsreise entfernt, war in den 90ern schon einmal ein Hotel. „Das Hotel Hansa bestand aber nicht einmal ein Jahr, so dass die Immobilie dann zehn Jahre leer stand“, erzählt Olaf Lambertz, der aus der Versicherungsbranche stammt und bei einem großen Konzern im Vertrieb tätig war.

Die Entscheidung, die Immobilie zu erwerben, sei dann 2006 gefallen – aber nicht in erster Linie, um Hotelier zu werden, sondern Unternehmer. „Hätte an dieser Stelle eine Schokoladenfabrik gestanden, hätten wir hier auch wieder eine Schokoladenfabrik eröffnet, wenn wir darin wirtschaftlichen Sinn gesehen hätten. Aber dort stand nun einmal ein Hotel, und deshalb haben wir unser Hotel an dieser Stelle geplant. Wir waren der Überzeugung, dass ein gutes Produkt dort gelingen kann – und seitdem sind wir Hoteliers.“

Auslastung von 65 Prozent

Der Anspruch, den Olaf Lambertz an sich und sein Hotel stellt, ist eher unbescheiden: „Wir wollten von Anfang an das beste Haus in Mönchengladbach sein und haben uns aus dem Stand in einem Verdrängungswettbewerb gut positioniert und profiliert. Wir haben eine durchschnittliche Auslastung von mehr als 65 Prozent in unseren zwölf Einzel-, 27 Doppelzimmern und drei Suiten; die allermeisten Besucher sind Geschäftsreisende, die in Mönchengladbach und der Region zu tun haben.“ Sie schätzten die persönliche Atmosphäre des Hauses, schildert Lambertz, der sich selbst nie als Hoteldirektor bezeichnen würde. „Bei uns gibt es kein Mainstream-Produkt, sondern etwas Individuelles, das beispielsweise die Kettenhotellerie so nicht anbietet. Wir hören immer wieder, dass sich Gäste speziell an uns lange erinnern und deshalb auch immer wieder bei uns übernachten.“

Der Name sei Programm, betont Lambertz. Das FreiRaum stattHotel – man beachte die Schreibweise – wolle echten Freiraum bieten und den Gast einfach Mensch sein lassen, anstatt ein konventionelles Hotel zu sein. „Das beginnt schon am Empfang. Mit den meisten Gästen spiele ich erst einmal eine Runde Kicker – manchmal um ein kostenloses Zimmer-Upgrade – und rede mit ihnen über das große Foto von Borussia Mönchengladbach aus den 70er Jahren.“ Im Haus selbst setzt sich dieses Konzept dann fort. Kein Zimmer gleicht dem anderen, Farben und Accessoires sind jeweils unterschiedlich und wollen dem Gast ein echtes Heimatgefühl vermitteln.

„Menschen, die viel reisen, wollen sich zuhause fühlen“, weiß Lambertz.
„Das wollen wir ihnen mit Authentizität in allen Bereichen ermöglichen.“

Sehr beliebt seien schon immer die Langzeit-Appartements gewesen. Sie bestehen aus zwei Räumen und einer kleinen Küchenzeile. „Wir wollen nicht, dass Gäste, die aus beruflichen Gründen mehrere Wochen hier sind, auf dem Bett Zeitung lesen und fernsehen müssen. Deshalb haben wir Wohn- und Schlafbereich getrennt – Wohnung statt Hotel, das ist das Motto“, sagt Olaf Lambertz, dessen Sohn übrigens auch schon am Empfang nebenher seinen Dienst tut.

Ein Branchenfremder, der, um sich unternehmerisch zu verwirklichen, ein Hotel eröffnet, es gestaltet, wie es ihm gefällt, und es auch noch erfolgreich führt – das klingt mehr nach Glück als Plan. Dem ist aber mitnichten so. „So schwer ist das alles nicht, wenn man als Unternehmer an die Sache herangeht. Wir haben eine hoch professionelle Struktur, von der allgemeinen Organisation über das Marketing bis hin zu allen Leistungen am Gast. Das ist neben dem persönlichen Auftritt unser A und O. Und das machen wir offenbar so gut, dass Gäste uns auch schon mal für eine Hotelkette halten, da sie eine solche Professionalität offenbar in der Individualhotellerie nicht vorfinden“, erläutert Lambertz.

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