Eigenen Weg ohne Gutachten gegangen

Hätte er damals, in der Gründungsphase, übrigens auf eine branchennahe Unternehmensberatung gehört, wäre anstatt des FreiRaum stattHotels ein Zwei-Sterne-Budgethotel entstanden, das sich wohl nicht massiv vom schnell wieder geschlossenen Vorgänger Hansa Hotel unterschieden hätte. „Wir haben das Gutachten weggelegt und sind unseren Weg gegangen. Mönchengladbach hat weit mehr als 200.000 Übernachtungen jährlich, aber eigentlich keine gut bestückte Hotellandschaft. Deshalb war uns klar, dass wir mit einem guten, neuen Produkt Erfolg haben können.“

Stattdessen habe man mit Doris Berendes von Berendes Vertriebsoptimierung eine externe Beraterin gefunden, die den gesamten Prozess aktiv begleitet habe. „Ihr Fokus hat uns geholfen, da sie sich auf uns und unsere Ideen eingelassen hat.“ Generell stehen Sales und Marketing im FreiRaum statt-Hotel hoch im Kurs – und ein Budget dafür gibt es auch. „Wir werfen kein Geld zum Fenster heraus. Aber wir sind alles andere als geizig, wenn es um unser Haus geht, und legen Wert auf passenden und hochwertigen Gesamtauftritt mit einer hochwertigen Internetseite, Broschüren und anderen Materialien. Dabei unterstützt uns die Agentur Karl & Karl.“

Durch die Unterstützung von Volker Mohr (GoRevpar) wurde auch das Revenue Management professionalisiert, und der Einsatz aller verfügbaren Vertriebskanäle steht im Vordergrund. „Durch das Revenue Management und die aktive Steuerung aller Kapazitäten erhöhen wir den Ertrag pro Zimmer und passen die Raten dynamisch an. Und ein Portal wie HRS ist großartig für uns, da wir damit enorm viele Menschen erreichen“, sagt der Hotelbetreiber.

Was Lambertz ebenso bei der Entwicklung geholfen hat, war seine Gelassenheit. „Wir haben immer an das Wachstum und den wirtschaftlichen Erfolg geglaubt und viele Ideen auf den Weg gebracht. Aber wir haben nie etwas übereilt oder erzwungen. Typische Kennziffern der Branche sind uns egal, solange die rein betriebswirtschaftlichen Ergebnisse stimmen. Dafür treffen wir kaufmännische Entscheidungen und sind nicht emotional unterwegs.“ Dabei habe geholfen, dass sie die Kosten immer niedrig gehalten habe.

„Zu Beginn habe ich die Rezeption geleitet, und meine Frau hat sich
um die Zimmer und das Frühstück gekümmert.

Nach und nach haben wir dann mehr Mitarbeiter eingestellt,
die aber flexibel eingesetzt werden.“

Ein Beispiel: Eine Mitarbeiterin an der Rezeption wird seit kurzem nach einer Schulung auch im Vertrieb eingesetzt und bringt die Telefonakquise nach vorne. „So sprechen wir vor allem Unternehmen in Mönchengladbach an, um deren Kontingente zu gewinnen“, sagt Olaf Lambertz. Vertrauen in die Mitarbeiter sei das A und O, um ein Hotel erfolgreich zu führen. „Wir haben hier ein echtes Team, das füreinander einsteht. Jeder hat seinen Freiraum, solange der Betrieb läuft. Mit dieser Personalpolitik sind wir immer gut gefahren, da ich mich auf alle Kollegen zu 100 Prozent verlassen kann.“ Mitarbeiterfluktuation gebe es nicht, denn alle Kolleginnen seien seit über drei Jahren im Haus. Er selbst helfe da aus, wo er gebraucht werde – aber er sei definitiv nicht immer da und kontrolliere, wie er das in anderen inhabergeführten Häusern oft erlebe. „Ich nehme mir meine Freiräume für mich selbst und natürlich auch, um das Unternehmen weiter zu entwickeln. Das kann ich nicht am Check-in.“

„Certified Conference Hotel“

Irgendwann kamen dann Tagungsräume dazu, und das MICE-Geschäft brummt. Und zwar so gut, dass Lambertz sein Haus als „Certified Business Hotel“ und „Certified Conference Hotel“ hat zertifizieren lassen. „Wir entsprechen damit den Qualitätsrichtlinien dieses Zertifizierers und sprechen so gezielt Unternehmen und Tagungsgäste an. Dafür haben wir eigene Räumlichkeiten geschaffen, die auch entsprechend ausgestattet sind.“ Business heißt bei Lambertz übrigens auch: Sport. Das Hotel war Partner des Deutschen Hockey Bundes, regelmäßig übernachten Fußballmannschaften, die in Mönchengladbach gastieren, im FreiRaum stattHotel, und Torwartlegende Oliver Kahn war im Rahmen seiner Moderatorentätigkeit für das ZDF bei einem Länderspiel in Mönchengladbach auch schon zu Gast bei Olaf Lambertz.

„Die Hoteleinrichtung und -ausstattung passen entsprechend zum
Typus des Unternehmers und des Unternehmens.

„Bei der Hardware haben wir auch wieder darauf geachtet, was uns gefällt und was unseren Anspruch an das FreiRaum stattHotel unterstützt. Die Funktionalität ist zweitranging. Es muss gut aussehen“, sagt Lambertz. In den Zimmern werden Einbauschränke mit Griffen von Ikea aufgehübscht oder der Anstrich einer Wand verändert, Bodenbeläge sind vielleicht nicht immer pflegeleicht, sehen dafür aber umso besser aus. Und im ganzen Haus wird kontinuierlich gearbeitet. „Wir investieren, weil wir das müssen, um unser Hotel immer attraktiv zu halten. Wir haben sogar einen eigenen Hausmeister, der jeden Tag an der einen oder anderen Stelle ausbessert, anstreicht, verändert.“ Das habe den Vorteil, dass erstens nicht alle zehn oder 15 Jahre eine große Investition getätigt werden müsste und dass zweitens das FreiRaum stattHotel gerade nicht irgendwann ältlich und abgewohnt aussähe. Bei Einrichtung und Ausbau hat der Mönchengladbacher Architekt Reinhardt Sindermann Olaf Lambertz unterstützt. „Auch hier galt wieder die Devise: Wir holen uns externe Expertise, um das bestmögliche Ergebnis zu erreichen.“

Externe Bewirtschaftung

Zu einem guten Hotel gehört ein gutes Restaurant, ist sich Olaf Lambertz sicher. Das bedeutet für den Hotelier, der so vieles anders macht als andere, aber nicht, dass er das Restaurant selbst führen muss – ebenfalls unüblich in der Individualhotellerie. „Ute und Bernd Frittel bewirtschaften mit einem hochkarätigen Konzept unser ‚coq d’or’, das wir als Brasserie, Restaurant und Café gleichermaßen in der Stadt und der Region positioniert haben und das täglich externe Gäste anzieht, aber natürlich auch bei unseren Übernachtungsgästen beliebt ist.“ Hochwertig und nicht ganz günstig präsentiert sich die Karte des „coq d’or“ etwa mit Entenbrust mit Maisplätzchen, Gemüse und Orangensoße oder auch Châteaubriand für zwei Personen. „Damit haben wir nicht den Aufwand eines eigenen Restaurants, bieten aber trotzdem eine qualitativ hochwertige Küche. Wir haben uns auch so organisiert, dass die Hotelgäste ihre Speisen und Getränke zentral beim Check-out bezahlen können. So entsteht für sie kein Aufwand.“