Während man früher in den Sommermonaten fast krampfhaft nach Geschichten rund um die Hotellerie suchen musste und man Artikel von Gästen mit Krokodilen in Hotelbadewannen oder die Top-Liste der unglaublichsten Gästewünsche abdrucken musste, um irgendwie über besagtes Sommerloch zu kommen, weiß man heutzutage überhaupt nicht, wo man anfangen soll. Früher waren die Saisonbetriebe im Sommer rund um die Uhr beschäftigt, und die Stadthotels verfielen in eine Art kollektiven Tiefschlaf – was sollte da schon passieren?

Heute ist alles anders. Während die Städte auch im Sommer Gäste und Touristen aus aller Herren Länder begrüßen, die Tagungen wegen der wunderbar verschobenen Ferienzeiten fast ohne Unterbrechung weiterlaufen und die Saison in den Ferienregionen zwar auch alle Kapazitäten bindet, ist es zwar nicht die Hotellerie, die für die Geschichten sorgt – aber es ist die Hotellerie, die von einer Vielzahl von Innovationen unserer Partner beeinflusst wird.

Ob Holidaytest, Groupon, Google, trivago, Holidaycheck, die Kreditkartenunternehmen, HRS, booking.com und Hotel.de oder der VDR – sie alle schlafen nicht, und sie alle haben den Sommer genutzt, um entweder mit neuen Ideen im Markt zu starten oder um neue Ideen zu entwickeln beziehungsweise ältere Ansätze zu überarbeiten.

Vor uns liegt also eine spannende zweite Jahreshälfte, in der wir uns mit der Weiterentwicklung von Themen wie der „content parity“, der „last room availability“, der Rechtmäßigkeit von Siegeln und Hoteltests, dem zweiten großen Anlauf der Kreditkartenakzeptanz im Tagungsgeschäft oder mit dem Sinn und Unsinn von Schnäppchenmärkten auseinandersetzen müssen.

Da die Themen so vielfältig sind, haben wir dieses Mal nicht nur ein Thema unter die Lupe genommen, sondern versucht, den Lesern von gastgewerbe Magazin auf dieser Doppelseite einen Abriss über die aktuellen Themen des Hotelmarketings zu geben; in die Tiefe gehen wir dann ab der nächsten Ausgabe.

Der Ring ist eröffnet: Holidaycheck vs. Holidaytest
Unister’s neuester Clou: ein eigenes Bewertungstool. Es heißt Holidaytest und steht ebenso wie Holidaycheck für eine Bewertung von Hotels nach der Übernachtung.

Eine Namensverwechslung ist vorprogrammiert und Holidaycheck in höchster Alarmbereitschaft: Zusätzlich zu den fast identischen Namen bewirbt Holidaytest gezielt sein Produkt mit dem Slogan „geprüftes Gütesiegel“.

Aus diesem Grund kämpft Holidaycheck vehement gegen das „Gütesiegel Holidaytest“ und erwirkte letztendlich eine zweite Einstweilige Verfügung.
Das Landgericht München verbietet nun Reisen.de, bei seinem Holidaytest-Siegel von „geprüften Gästemeinungen“ zu sprechen. Holidaycheck hatte beanstandet, dass diese Behauptung irreführend sei und den Verbraucher vorsätzlich täusche.

Allerdings reagiert Unister darauf nur mit kleinen Veränderungen: Das Siegel „geprüfte Gästemeinungen“ wurde lediglich in „echte Gästemeinungen“ umbenannt. Jedoch hat sich Unister neben Holidaycheck noch bei weiteren fundierten Erkennungszeichen bedient: Die Sterne der Hotelklassifizierung und das Logo-Layout von Stiftung Warentest sind gute Grundlagen, um Sicherheit und Seriosität zu vermitteln. Wir sind gespannt, wie es hier weitergeht.

Willkommen in der Welt der Schnäppchenjäger
Die Hotellerie wird seit einiger Zeit von Anbietern sogenannter Deals überrannt. Groupon, Dailydeal, Qype und Co. haben den Rabatt-Wahnsinn ins Rollen gebracht. Booking.com, HRS, Holidaycheck und Unister legten mit gleichen Deals nach, und auch hotel.de hat es vor.

Jeder möchte mitmischen und verlangt Preisnachlässe von gerne 50 Prozent bis hin zu absurden 90 Prozent. Niemand aber denkt an die Konsequenzen: Verlust von Wertigkeit, keine Nachhaltigkeit und ein selbstgemachtes, niedriges Preisniveau sind die traurigen Folgen.

Das Herausschleudern von Kapazitäten bringt doch auch den Buchungsportalen nichts, denn deren Provision sinkt mit den niedrigen Raten.
Und wo genau ist jetzt der Deal für die Hotellerie? Warum sollten sich Hotels beteiligen?

Als Einsatz zur Vermarktung oder zur Einführung neuer Produkte, mit einem gut durchdachten Package – okay. In C-Destinationen als Zusatzgeschäft in nicht-ausgelasteten Zeiten – okay. Jedoch keinesfalls als neu entdecktes Vertriebs­tool!

Es ist durchaus möglich, dass die Deals als Rabattkonzept beizeiten wieder verschwinden. Und es steht zu hoffen, dass die Übernachtungs- und Package-Preise dann nicht schon (unwiderruflich) im Keller sind.

Kreditkarten, die Erste:
MICE-Bereich
Nachdem die Kreditkartenanbieter von American Express und Airplus seit einigen Jahren schrittweise in die Abrechnung des Tagungs- und Veranstaltungsmarkt vorstoßen und hier auch schon an der ein oder anderen Stelle „Boden gut gemacht haben“, kommen in der jüngsten Vergangenheit auch die Agenturen und Mittler mit der Forderung, die ein oder andere Kreditkarte als Zahlungsmittel zu akzeptieren.

Aufkommen für die Kosten soll natürlich auch hier wieder das Hotel: Der Endkunde, der die Kartensysteme wegen eines gewünschten Reportings einsetzt, ist nicht bereit, das Disagio zu zahlen, die Agentur ist meistens nicht in der Lage, sich diesen Kostenblock aufzubürden.

Die HSMA wird sich in den nächsten Wochen sehr intensiv mit diesem Themenkomplex beschäftigen und hoffentlich Wege finden, um der Hotellerie auch hier massiv zu helfen und überflüssige Kosten in Millionenhöhe zu verhindern.
Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Kreditkarten, die Zweite: Übernachtungsbereich
Und noch einmal greifen wir das Thema „Kreditkarten“ auf.

Neben der bereits hier thematisierten Fragestellung zur Kreditkartenakzeptanz im MICE-Geschäft könnte die Hotellerie ab sofort auch im Übernachtungsbereich darüber nachdenken.

Denn Lufthansa macht es vor. Ab 2. November müssen Fluggäste, die ihre Flüge mit Kreditkarte bezahlen, eine nicht unerhebliche Kreditkartenbezahlgebühr entrichten: fünf Euro für Inlandsflüge, acht Euro für Ziele in Europa und 18 Euro im Interkontinentalverkehr.

Lufthansa gibt damit einen Teil der von Kreditkartenfirmen erhobenen Transaktionsgebühr an die Kunden weiter und begründet dies so: Man wolle nicht zahlen für die Zusatzleistungen der Kreditkartenfirmen. Und schon wären wir wieder beim Thema – wir bleiben am Ball.

Hotelbewertungen
Ein Hotel- und Hostelbetreiber ist in erster und zweiter Instanz mit dem Versuch gescheitert, einem Schweizer Bewertungsportal die künftige Veröffentlichung bestimmter kritischer Nutzerbehauptungen über das Hostel gerichtlich untersagen zu lassen.

Das Bewertungsportal ist demnach nicht verpflichtet, Nachforschungen hinsichtlich der Richtigkeit der eingesandten Hotelbewertungen vor deren Veröffentlichung anzustellen. Eine Vorabprüfung sei auch nicht im Hinblick auf die Gefahren geboten, die durch ein Bewertungsportal mit der Möglichkeit, sich anonym zu äußern, entstünden (Quelle: www.lawblog.de).

Qualität und ein gutes Produkt = positive Bewertungen! Mehr ist dazu nicht zu sagen.

So gut wie kein Monat ohne Neuerungen bei Google
Hier tut sich einiges momentan, zum Beispiel Google+, der Panda und eine verbesserte Hotel-Suche.

Letzteres ist ein hochspannendes Konzept, bei der die Hotelpreise individuell angezeigt werden. Ein kleiner Schritt in eine Richtung, in der Google immer mehr Funktionalität direkt in Google selber abbildet. Perspektivisch wird das den großen Reiseportalen und Buchungsportalen immer mehr Traffic wegnehmen.
Mehr zu den ganzen Google-Neuerungen folgt.

trivago und der Hoteltest
Heftige Reak­tio­nen haben wir auf unseren letzten Artikel bezüglich der Testerrate von trivago erhalten – einerseits erreichten uns eine Vielzahl von E-Mails, in denen man sich für die Aufklärung bedankte, andererseits erklärte trivago auf vielen Kanälen, dass die Testerrate keinesfalls eine Preiskampagne sei und nicht dazu diene, unsere ohnehin angespannte Preissituation noch zu verschlechtern.

Die HSMA hat sich daraufhin mit trivago an einen Tisch gesetzt und das Thema noch einmal „en detail“ beleuchtet – wir werden in einer der nächsten Ausgaben berichten.