Die Konjunktur brummt: Umsätze und Gewinne vieler Unternehmen steigen, die Arbeitslosigkeit ist auf dem niedrigsten Stand seit vielen, vielen Jahren. Und auch dem Gastgewerbe geht es grundsätzlich gut. Gastronomie und Hotellerie haben im ersten Halbjahr 2016 ein Umsatzplus von nominal 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verbucht. Real schlug ein Plus von 1,2 Prozent zu Buche. Das hat seinen Grund eben in der allgemein guten ökonomischen Situation: Die gute Beschäftigungslage, steigende Einkommen und stabile Preise kurbeln den privaten Konsum an. Davon konnte das konjunktursensible Gastgewerbe unmittelbar profitieren. Zudem hielt der Boom beim Deutschlandtourismus an.

Wo viel Licht, da aber auch Schatten. Denn nicht alle Betriebe können von der positiven Lage profitieren. 10.999 Unternehmen haben zwischen Januar und Ende Juni Insolvenz angemeldet. Demzufolge hat sich der Rückgang bei den Unternehmensinsolvenzen mit 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (1. Halbjahr 2015: minus 9,2 Prozent) weiter verlangsamt. Insgesamt betrafen 66 Prozent aller Insolvenzfälle des ersten Halbjahres Unternehmen mit einem Jahresumsatz von maximal 500.000 Euro – mithin Kleinstunternehmen und Solo-Selbstständige (erstes Halbjahr 2015: 63,3 Prozent), teilt die Wirtschaftsauskunftei Creditreform mit. Entsprechend seien in der Mehrzahl der Unternehmen (81 Prozent) höchstens fünf Mitarbeiter beschäftigt (erstes Halbjahr 2015: 79,8 Prozent). Insbesondere im Handel und im Dienstleistungsgewerbe bestimmten solche Kleinstbetriebe das Insolvenzgeschehen. Von den Unternehmensinsolvenzen waren laut der Creditreform-Studie 110.000 Arbeitsplätze betroffen.

Doch was heißt das fürs Gastgewerbe? Genaue Zahlen liegen nicht vor, aber Creditreform weist darauf hin, dass in den gastgewerblichen Kategorien „Discotheken und Tanzlokale“ und „Bars“ die Insolvenzgefahr mit am größten sei. In diesen Branchen fielen im ersten Halbjahr 474 beziehungsweise 471 Unternehmensinsolvenzen je 10.000 Unternehmen an. Überhaupt hat der Dienstleistungssektor mit 55,9 Prozent den höchsten Anteil am gesamten Insolvenzaufkommen.

Insolvenz nicht immer das Ende

„Die Insolvenz ist für wohl jeden Unternehmer das absolute Schreckgespenst. Jeder wird versuchen, die Insolvenz zu vermeiden, wenn es nur irgendwie geht. Aber es muss auch festgehalten werden: Mit einer Insolvenz muss nicht automatisch „Schluss“ sein. Insolvenzverwalter sind heute, im Gegensatz zu früher, vielfach auch Sanierungsexperten, denen daran gelegen ist, möglichst in Abstimmung mit der Geschäftsführung einen insolventen Betrieb wieder in die Erfolgspur zurückzuführen. Das ist ein großer Unterschied zu früheren Zeiten, als eine Insolvenz in der Regel zu einer Zerschlagung des Unternehmens geführt hat. Der damalige Konkursverwalter war eher Liquidator als Sanierer“, sagt Rechtsanwalt Georg F. Kreplin, Gründungspartner von Kreplin & Partner. Die Kanzlei hat ihren Hauptsitz in Düsseldorf, ist aber mit weiteren Standorten in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hamburg vertreten. Neben der Insolvenzverwaltung sind Georg Kreplin und die übrigen Rechtsanwälte auch auf die Sanierungsberatung von Gastronomie- und Hotelbetrieben im Vorfeld einer Insolvenz spezialisiert.

Der Rechtsanwalt weiß: „Eine Insolvenz im Gastgewerbe kann vielfältige Gründe haben, die sich aber im Wesentlichen nicht von denen in anderen Branchen unterscheiden. Falsche kaufmännische und strategische Entscheidungen, eine problematische Marktpositionierung, eine generell schlechte Konjunktur – schon ein Punkt oder mehrere davon zusammen können zu einer Krise führen. Diese wird vor allem dann verstärkt, wenn der Unternehmer diese nicht erkennt oder erkennen will. Das führt regelmäßig in die Insolvenz.“ Georg Kreplin kennt das Gastgewerbe sehr genau, er hat bereits mehrere Unternehmen in Insolvenzverfahren saniert und in eine neue Zukunft entlassen; und generell ist Kreplin für seinen Sanierungswillen bekannt.

Situation kritisch hinterfragen

Georg Kreplin weist darauf hin, dass der Faktor eine entscheidende Rolle spielt. Natürliche müssten beim Hotelier nicht gleich die Alarmglocken schrillen, wenn das Konto einmal im Minus sei, aber größere Rechnungen von Tagungsgästen noch nicht bezahlt seien. Dann sei schnell wieder alles im Lot. „Problematisch ist es, wenn über eine längere Zeit die Umsätze zurückgehen, Rechnungen regelmäßig verspätet oder gar nicht mehr bezahlt werden und auch keine Besserung in Sicht ist. Dann werden die Gläubiger, allen voran Banken und Lieferanten, die Situation kritisch hinterfragen, und die Gefahr einer Insolvenz steigt. Dann müssen verantwortungsvolle Unternehmer schnell gegensteuern und die richtigen Schritte ergreifen.“

Rechtsanwalt Georg F. Kreplin, Gründungspartner von Kreplin & Partner

Rechtsanwalt Georg F. Kreplin, Gründungspartner von Kreplin & Partner (Foto: Kreplin & Partner)

Die Praxis zeige aber, dass oftmals die Augen verschlossen und jede verfügbare Liquidität in den ineffizienten Betrieb gesteckt werde, oftmals sogar die Privatimmobilie und/oder Darlehen von Familie und Freunden. „Dieses Vermögen wird aber leider regelmäßig versenkt, da es die strukturellen Probleme nicht löst, sondern nur für eine gewisse Zeit für Linderung der akuten Schmerzen sorgt“, betont Kreplin. Das rühre daher, dass Unternehmer sich ihr Scheitern nicht eingestehen und den Betrieb selbst wieder drehen wollten. „Scheitern ist keine Schande, vielmehr ist das Augen verschließen ein großes Problem. Ganz knapp gesagt, gefährdet ein Unternehmer in der Krise damit seinen Betrieb, die Arbeitsplätze und die finanzielle Versorgung seiner Familie.“

Georg Kreplin rät dazu, das noch zur Verfügung stehende Geld nicht einfach blind ins operative Geschäft zu investieren, sondern davon professionelle Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Spezialisierte Sanierungsberater könnten schnell aus betriebswirtschaftlicher und juristischer Sicht unterstützen, um ein Unternehmen wieder auf die Beine zu stellen. „Ja, der Sanierungsberater kostet Geld. Aber die Insolvenz mit ihren möglichen Konsequenzen kann viel einschneidender werden als die Honorarzahlung, wenn die Sanierung außerhalb der Insolvenz funktioniert hat. Wichtig ist, einen Berater an Bord zu nehmen, der die Besonderheiten des Gastgewerbes gut kennt und vor allem kein Ja-Sager ist. Denn dann geht es immer so weiter wie bisher – bis zum bitteren Ende. Eine Sanierung kann aber nicht ohne harte Einschnitte auskommen“, betont der Krisenexperte.

Unternehmen vollständig durchleuchten

„Zu den ersten Schritten einer Sanierung gehört es, die richtigen Fragen zu stellen, auch wenn diese schmerzen können. Wie ist das Unternehmen am Markt aufgestellt? Kann eine Neupositionierung gelingen? An welchen Stellen sind Management-Fehler gemacht worden? Können Speisen- und Getränkeangebot angepasst werden? Sind neue Lieferverträge und eine Verringerung der Kostenlast möglich? Müssen und können sehr marode oder sehr lukrative Unternehmensteile geschlossen beziehungsweise verkauft werden, um Verlustquellen zu schließen beziehungsweise Schulden abzubauen? Das bedeutet: Wir durchleuchten das Unternehmen vollständig und restrukturieren es in allen notwendigen Bereichen. Und zwar so, dass wir die Fehler der Vergangenheit korrigieren und für die Zukunft vermeiden“, führt Georg Kreplin aus. Nach der Sanierung solle der Unternehmer in der Lage sein, mit dem neuen Wissen seinen Betrieb erfolgreich zu steuern und Krisen zu begegnen, bevor diese gefährlich werden können. „Wir schulen die Eigentümer, zügig die richtigen Maßnahmen zu ergreifen und umzusetzen.“

Auf eines weist Georg Kreplin aber auch hin: „Wir führen eine Sanierung nur durch, wenn es leistungswirtschaftlich Sinn ergibt. Nicht jeder Betrieb besitzt eine Fortführungsperspektive. Ist das der Fall, machen wir das in der Beratung deutlich.“