Bei dem Begriff Insolvenz denkt jeder Unternehmer an sich selbst – auf keinen Fall will er in die Situation geraten. Aber das ist freilich nicht die einzige Dimension einer Insolvenz. Schließlich können auch Lieferanten und andere Geschäftspartner von einer Insolvenz betroffen sein. „Das sind Ereignisse, die Hoteliers und Gastronomen nicht vergessen dürfen. Denn sie sind davon, je nach Geschäftsbeziehung, unmittelbar betroffen“, sagt Corinne Rennert-Bergenthal, Partnerin der multidisziplinären Kanzlei Abels Decker Kuhfuß Lenzen (ADKL) aus Düsseldorf und Geschäftsführerin von ADK Consulting, der auf Insolvenzdienstleistungen, Sanierung und Restrukturierung spezialisierten Einheit der Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. „Es ist überhaupt nicht selten, dass Unternehmen von einer Insolvenz in ihrem Umfeld betroffen sind. Entweder werden sie dadurch zum Gläubiger in einem Insolvenzverfahren, oder aber sie sehen sich Anfechtungsrisiken ausgesetzt. Auch beides zusammen kann natürlich der Fall sein“, betont Corinne Rennert-Bergenthal.

Corinne Rennert-Bergenthal, Partnerin der multidisziplinären Kanzlei Abels Decker Kuhfuß Lenzen (ADKL) aus Düsseldorf und Geschäftsführerin von ADK Consulting

Corinne Rennert-Bergenthal, Partnerin der multidisziplinären Kanzlei Abels Decker Kuhfuß Lenzen (ADKL) aus Düsseldorf und Geschäftsführerin von ADK Consulting (Foto: Michael Lübke)

Die Rechtsanwältin, Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin gibt  ein Beispiel. „Man stelle sich das Tagungshotel vor, das jedes Jahr mehrere Kongresse für einen Kunden ausrichtet und dabei insgesamt 3000 Gäste bewirtet. Nimmt man alle Einnahmen zusammen, beläuft sich der Umsatz mit diesem Unternehmen für das Hotel auf weit mehr als 100.000 Euro. Doch was passiert, wenn der Kunde im Laufe des Jahres in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät und zum Ende hin Insolvenz anmelden muss und dementsprechend keine Rechnung beglichen hat? Dann wird der Hotelier zum Gläubiger des insolventen Unternehmens.“ Die Insolvenzgläubiger könnten nach der Verfahrenseröffnung ihre Forderung nur noch im Insolvenzverfahren verfolgen. Die Forderung müsse beim Insolvenzverwalter angemeldet und nachgewiesen werden.

Vielzahl von Themen beachten

Laut Insolvenzordnung ziele das Insolvenzverfahren darauf ab, die Gläubiger bestmöglich zu befriedigen, betont Corinne Rennert-Bergenthal – aber wie erkennen Gläubiger, dass dies in dem speziellen Verfahren auch wirklich der Fall ist? „Das ist gar nicht so leicht, denn Gläubiger müssen eine Vielzahl von Themen beachten. Insolvenzverfahren sind hochkomplex. Das beginnt bereits bei der Wahl des passenden Verfahrens. So werden immer häufiger Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchgeführt, in denen ein Sanierungsberater einen Unternehmer, unter der Aufsicht eines Insolvenzverwalters als Sachwalter, bei der Sanierung des Betriebs unterstützt. Aber die Eigenverwaltung muss nicht für alle Gläubigergruppen das beste Verfahren sein“, sagt die Erfahrung. Die ADKL-Partnerin und ihre Kollegen würden in solchen und anderen Fällen als Berater für Gläubiger beziehungsweise den gesamten Gläubigerausschuss auftreten und darauf hinarbeiten, dass alle Lösungen tatsächlich der bestmöglichen Befriedigung der Gläubigerinteressen dienten.

Vor einem oft vernachlässigten Aspekt warnt Corinne Rennert-Bergenthal: die Insolvenzanfechtung. Kurz gesagt, bedeutet Insolvenzanfechtung, dass sich ein Insolvenzverwalter Geld, das der Unternehmer in der wirtschaftlichen Krise beispielsweise einem Lieferanten gezahlt hat, zurückholen darf. Schließlich habe diese Zahlung die Insolvenzmasse vermindert und damit die übrigen Gläubiger benachteiligt. „Das heißt: Zahlt der Tagungsgast trotz seiner (drohenden) Zahlungsunfähigkeit die Rechnungen des Hoteliers, wird der Insolvenzverwalter diese Summe unter Umständen vom Hotelier zurückfordern. Um beim Beispiel der 100.000 Euro Jahresvolumen zu bleiben: Diese 100.000 Euro fließen bei einer erfolgreichen Anfechtung komplett in die Insolvenzmasse. Auf einen Teil davon hat dann der Hotelier als Insolvenzgläubiger wieder Anspruch“, sagt Corinne Rennert-Bergenthal, die Unternehmen beim Umgang mit Anfechtungsforderungen berät und Maßnahmen zur Abwehr entwickelt.