Gastgewerbe Magazin: Herr Wild, Woher kommt der Trend zum Arbeiten im Hotel?

Stefan Wild: Die Lebensbereiche Leben und Arbeiten wachsen immer weiter zusammen, die Arbeitswelt wird immer flexibler und mobiler. Menschen sitzen nicht mehr acht Stunden in einem Büro. Sie sind zu Projekten unterwegs, haben Meetings, müssen aber gleichzeitig immer im Einsatz sein. Das erfordert neue Strukturen und neue Denkmuster.

Wer sind diese Gäste?

Das ist durchaus unterschiedlich. Zu uns kommen viele Gäste, die für ein Projekt mehrere Wochen hier sind und in dieser Zeit einen Arbeitsplatz brauchen. Ein Büro anzumieten würde sich nicht lohnen – ganz zu schweigen von der Frage, ob sie überhaupt einen Raum finden. Es sind aber auch Gäste, die am Nachmittag einen Termin bei einer der Firmen im Umfeld haben und den Vormittag zum ungestörten Arbeiten nutzen wollen (oder müssen).

Reicht da nicht ein Schreibtisch im Zimmer?

Das war früher sicherlich der Fall. Aber es geht heute immer mehr darum, die Lebensbereiche Wohnen und Arbeiten doch voneinander zu trennen – zumindest wenn es um den Raum an sich geht. Das Hotelzimmer ist Privatsphäre, der Arbeitsplatz mehr ein öffentlicher Raum. Unsere Gäste wollen sich gegebenenfalls mit Kollegen zu einer Besprechung treffen. Das wollen sie sicherlich nicht in ihrem Hotelzimmer machen. Wichtig ist aber die räumliche Nähe zwischen beiden Bereichen, um unnötige und zeitraubende Wege zu vermeiden. Also: Trennung ja, aber dann doch wieder nah beieinander.

Welche Leistungen bieten Sie den Gästen?

Wir stellen im Co-Working-Bereich den Gästen mehrere Module zur Verfügung. Das reicht vom „Flexdesk“, also in unserem Fall einem Hochtisch mit Stuhl oder Bank ohne festen Platzanspruch, den sie schon für einen Tag anmieten können, über den „Fixedesk“, einen fest reservierten Schreibtisch-Arbeitsplatz, bis hin zu abgeschlossenen Büros, „Resident“ genannt, in verschiedenen Größen. Außerdem stehen zwei unterschiedlich große Meeting-Räume zur Verfügung. Alle Nutzer des Co-Workings haben natürlich Wlan, können sich an der Kaffeemaschine bedienen und an unserem Drucker drucken, kopieren oder scannen. Außerdem bieten wir Leistungen wie Postannahme und natürlich die Reinigung. Weitere Leistungen können dann über das Hotel zugebucht werden, zu finden über www.hotelimgvz.eu CoWorking oder auf Facebook CoWorking GVZ.

Das Hotel im GVZ hat sicherlich durch die unmittelbare Nähe zu Audi eine besondere Situation. Aber würde sich das auch für andere Hoteliers rechnen?

Wie eingangs erwähnt gibt es einen klaren Trend in diese Richtung. Ich bin überzeugt, dass das Angebot von temporären Arbeitsplätzen zu einem wichtigen Geschäftsbereich für viele Hotels in Städten und Ballungszentren werden wird. Dieses Geschäft dürfen wir Hoteliers auf keinen Fall anderen überlassen, denn wir haben schließlich die Gäste schon einmal bei uns im Haus. Man kann da sicherlich auch mit kleineren Modellen anfangen, aber auf jeden Fall muss man den Gästen eine angenehme, moderne und flexible Atmosphäre bieten.