Gastronomen und Hoteliers sind darauf angewiesen – so gut wie alle anderen Unternehmen auch – sich in der Öffentlichkeit dauerhaft gut zu präsentieren. Zu den typischen Instrumenten gehören die eigene Website, der Auftritt in den Sozialen Medien, die regelmäßig Pressearbeit, Online-Kommunikation und, und, und. Damit erreichen sie ihre Gäste und die, die es werden sollen, und machen ihre Betriebe bekannter.

„Dafür setzen sie zumeist externe Dienstleister ein. Gerade in kleineren Betrieben ist in den seltensten Fällen eine Marketing- und/oder Kommunikationsabteilung vorhanden, die diese Aufgaben dauerhaft umsetzt. Deshalb müssen Gastronomen und Hoteliers auf einen wichtigen Punkt achten: Beauftragen sie Freiberufler, Selbstständige oder Agenturen, können sie dadurch bei der Künstlersozialkasse abgabepflichtig werden“, sagt Frank Kirsten, Partner und Steuerberater bei der Steuerberatungskanzlei Schnitzler & Partner aus Mönchengladbach. Die Gesellschaft gehört zu den größten Kanzleien am Niederrhein und berät unter anderem gastgewerbliche Unternehmer bei allen steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen bis hin zu Themen wie Sanierung und Restrukturierung, Verkauf und Nachfolge.

Rentenversicherung prüft Abgabe

„Wir sehen immer wieder, dass die Abgabepflicht bei der Künstlersozialkasse in bestimmten Fällen vielen Unternehmern nicht bekannt ist. Dabei ist das gar nicht neu, sondern seit Jahrzehnten gesetzlich geregelt.“ Frank Kirsten weiß aber auch, weshalb dies bisher eher stiefmütterlich behandelt worden ist: „Die Künstlersozialkasse hat Unternehmen viele Jahre lang nur sporadisch geprüft. Seit kurzem ist die Künstlersozialkasse aber mit der Deutschen Rentenversicherung verbunden, sodass von diesen bei jeder Prüfung automatisch auch die Abführung der notwendigen Beiträge zur Künstlersozialkasse geprüft wird.

Die Künstlersozialkasse ist Teil der gesetzlichen Sozialversicherung in Deutschland und ermöglicht freischaffenden Künstlern und Publizisten einen Zugang zur gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung. Im Gegensatz zu freiwillig versicherten Selbständigen zahlen sie dort nur einen dem Arbeitnehmeranteil entsprechenden Beitrag. Der Beitrag, der dem Arbeitgeberanteil entspricht, wird von der Künstlersozialkasse über die Abgabe der Unternehmen finanziert. „Alle Unternehmen, die durch ihre Organisation, besonderen Branchenkenntnisse oder spezielles Know-how den Absatz künstlerischer oder publizistischer Leistungen am Markt fördern oder ermöglichen, gehören grundsätzlich zum Kreis der künstlersozialabgabepflichtigen Unternehmen“, heißt es dazu in den Statuten der Künstlersozialkasse. „Kurz gesagt: Jedes Unternehmen, das einen freien Grafiker, Fotografen, Texter, Designer etc. beauftragt, unterliegt der Abgabepflicht. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Auftragnehmer bei der Künstlersozialkasse versichert ist oder nicht. Sobald die Leistungen in Anspruch genommen werden, müssen die Beiträge darauf abgeführt werden“, erläutert der Steuerberater.

Abgabe aktuell 5,2 Prozent des Honorars

Frank Kirsten, Partner und Steuerberater bei der Steuerberatungskanzlei Schnitzler & Partner aus Mönchengladbach.

Frank Kirsten, Partner und Steuerberater bei der Steuerberatungskanzlei Schnitzler & Partner aus Mönchengladbach. (Foto: Schnitzler & Partner)

Ein Rechenbeispiel zur Verdeutlichung: Ein Hotelier gibt eine neue Website in Auftrag, an der ein Grafiker, ein Programmierer, ein Fotograf und ein Texter arbeiten. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 6000 Euro netto, davon entfallen auf jeden Dienstleister 1500 Euro netto. „Außer dem Programmierer unterliegen die Dienstleister allesamt der Abgabepflicht, da sie künstlerische beziehungsweise publizistische Leistungen erbringen. Auf den Betrag von 4500 Euro netto muss der Unternehmer die Künstlersozialabgabe zahlen.“ Das sind aktuell 5,2 Prozent des Honorars, in der Vergangenheit lag der Satz auch schon bei unter vier Prozent – er ändert sich jährlich. Will heißen: Insgesamt kommen bei dem Auftrag für die Website 234 Euro für die Künstlersozialkasse zusammen. Dafür existiert ein gesetzlich geregeltes Meldeverfahren, das der jeweilige Steuerberater im Blick haben sollte. Und die Deutsche Rentenversicherung stellt einen Erhebungsbogen zur Verfügung.

Wer die Abgabe – die bis zum 31. März des Folgejahres gemeldet sein muss – nicht zahlt, setzt sich großen Risiken aus, betont der Kanzleipartner. „Die Säumniszuschläge und Strafen können empfindlich sein und werden bei einer Prüfung auch rückwirkend festgesetzt. Unternehmen müssen die Abgabe unaufgefordert entrichten.“ Frank Kirsten weist aber auch auf eine Ausnahme hin. „Beauftragt ein Unternehmen eine GmbH, wird keine Künstlersozialabgabe fällig.“ Weitere Informationen gibt es unter www.kuenstlersozialkasse.de.