Unter Führung verstehen viele Unternehmer und Entscheider zuerst einmal das Management ihrer Organisation, von der Festlegung der langfristigen Rahmenkonzeption für die strategischen Geschäftsfelder und kaufmännischer Kennzahlen bis hin zu Vertrieb und Marketing. Das sind die harten Fakten, die für sie hinsichtlich des messbaren betriebswirtschaftlichen Erfolges wichtig sind. Weniger häufig hingegen richten sie ihre Unternehmens – und damit auch Mitarbeiterführung an weichen Faktoren aus – dabei sind diese ebenso entscheidend für die betriebliche Entwicklung. „Allein die Fehltage, die auf Unlust zurückzuführen seien, kosteten die Betriebe bereits vor einigen Jahren 18 Milliarden Euro. Alles in allem gingen den deutschen Unternehmen bis zu 138 Milliarden Euro durch fehlendes Engagement verloren, ergaben Modellrechnungen des Marktforschungsinstituts Gallup“, stellt Thomas Sablotny heraus, Experte für handlungsorientierte Team-Entwicklung und Inhaber von hoch3, der regelmäßig Team-Trainings für Hotellerie und Gastronomie durchführt und solche Programme als Partner von Hotels auch im Tagungsbereich anbietet. „Motivation und Bindung werden gerne vernachlässigt, aber wenn die Mitarbeiter nicht motiviert sind, können sie sich zu einem echten Problem für einen Betrieb herausstellen – gerade in Hotellerie und Gastronomie, wo die Personaldecke oftmals dünn ist und die Gäste jede Nachlässigkeit bemerken.“

Führungskräfte schaffen Rahmenbedingungen

Doch was heißt eigentlich gute Führung? Diese Frage stellt sich selbstverständlich in dem Zusammenhang. Bernhard Patter, geschäftsführender Gesellschafter des Beratungsunternehmens für Personal- und Unternehmensentwicklung diavendo und renommierter Coach und Berater in Hotellerie, Gastronomie und Tourismus, sagt dazu folgendes: „Die Ziele des Unternehmens, der Abteilung und des Teams werden erreicht, indem die Mitarbeiter ‚mitgenommen‘ und integriert werden, die zu erreichenden Ziele verstehen, mittragen und sich sogar damit identifizieren. Gute Führung zeichnet sich dadurch aus, dass die Führungskraft lediglich Rahmenbedingungen schafft, in denen sich die Mitarbeiter weitestgehend selbstständig ihren Weg zum Ziel suchen und definieren.“ Deshalb zeichneten sich gute Führungskräfte lediglich dadurch aus, dass sie lenkend eingriffen, falls sich ein Mitarbeiter „verlaufe“ oder tatsächlich Unterstützung benötige. Zudem gelte: „Gute Geschäftsführer schaffen ein Klima, in dem Mitarbeiter sich wohl fühlen, dennoch gefordert werden, in dem allerdings auch Fehler möglich und zugelassen werden und als Chance zur ständigen Weiterentwicklung verstanden werden.“
Auch Patter weiß, wie sich gute Führung auf ein gastgewerbliches Unternehmen auswirken können. „Es ist nachgewiesen, dass die Fluktuation in einem Betrieb oder einer Abteilung bei passender Führung abnimmt. Auch Krankenstände reduzieren sich und die Produktivität in allen messbaren Bereichen wie Kosten, Umsatz und Qualität steigen. Nun können Ideen gefunden werden, mit Enthusiasmus umgesetzt oder vorangetrieben werden. Die Führungskräfte erhalten nun tatsächlich eine Entlastung auch von unten, die Mitarbeiter sind leistungswilliger und -bereiter und werden sukzessive stärker, so dass sie sich auch – sofern gewünscht – für neue oder zusätzliche Aufgaben ‚aufdrängen‘.“ Auf diese Weise entstehe ein Klima, in dem Fehler möglich seien – aber eben meist keine wirklich gravierenden, weil die Mitarbeiter sehr schnell verstünden, wie sie besser würden und die Arbeit auch in den vorgesehenen Zeitfenstern erledigten. „Dass eine solche neue Art und Weise natürlich absolut positive Auswirkungen auf die Gäste hat, ist ganz selbstverständlich. Hat man jedoch eine schlechte Führungskultur, kann man die positiven Merkmale letztlich genau herumdrehen. Es wird auf Dauer messbare Probleme im Umsatz, in den Kosten und auch der Qualität geben.“