Das Romantik Hotel Goldene Traube im oberfränkischen Coburg gehört auf jeden Fall dazu. Barbara und Bernd Glauben wurden in diesem Jahr mit dem Deutschen Gastronomiepreis ausgezeichnet. Probleme mit Fachkräften haben sie weniger. Barbara Glauben kann es nicht mehr hören, das Gejammere über den Fachkräftemangel. Denn sie kennt das Thema in ihrem Betrieb weniger. Aber sie hat bereits reagiert und sagt: „Wir brauchen grundsätzlich eine andere Form des Managements.“ Neben der betriebswirtschaftlichen Führung sei für Unternehmer zunehmend die Kompetenz in der Mitarbeiterführung gefragt. Bei ihr mache das die Hälfte ihrer Arbeit aus – Tendenz steigend. Was das bedeutet? „Man muss den Mitarbeitern vor allem zuhören. Nur so kann man die Wünsche und Nöte erfahren, kann entsprechend darauf reagieren, damit Unzufriedenheit erst gar nicht entsteht“, sagt die Unternehmerin. Dazu sei es auch notwendig, alte Zöpfe abzuschneiden, neue Wege zu gehen. Den Teildienst haben sie in der Traube zum Beispiel fast abgeschafft.

(Foto: Romantik Hotel Goldene Traube)

Wenn es doch einmal nötig ist, gibt es einen Relaxing-Raum für die Mitarbeiter. Das Betriebsklima muss stimmen, jeder muss sich wohlfühlen. Wichtig, so sagt Barbara Glauben, sei es, dass man die Mitarbeiter mitnimmt, sie immer informiert und am Unternehmen teilhaben lässt. „Unser jeweils aktuelles Sternemenü dürfen alle Mitarbeiter verkosten“, sagt sie. Das kostet Geld und Zeit, aber alle könnten dann ganz anders darüber berichten, wenn sie von Gästen gefragt werden. Auch die Sushi-Schulung konnten alle mitmachen. Überhaupt haben Schulungen bei Barbara Glauben einen hohen Stellenwert. „Doch die Formen haben sich verändert“, sagt die Unternehmerin. „Ein 25-Jähriger will heute keinen Frontalunterricht mehr.“ Vielmehr müsse die Weiterbildung in seine Work-Life-Balance passen.

Und es geht um die Kleinigkeiten. Eine kleine Aufmerksamkeit zum Geburtstag, ein Geschenk zum Jubiläum – das ist im Romantik Hotel in der Coburger Innenstadt eine Selbstverständlichkeit. Das kommt an: „Manche sind schon seit 23 Jahren da, viele schon mehr als zehn Jahre.“ Dabei gehe es vor allem um Wertschätzung. „Der Mitarbeiter ist grundsätzlich zu hohem Einsatz bereit, wenn man ihn wertschätzt“, ist sich Barbara Glauben sicher. Da dürfen Mitarbeiter auch mitsprechen, mitentscheiden. „Wir nehmen unsere Mitarbeiter wahr und mit – und lassen uns auch gerne von einer Idee oder einer anderen Meinung überzeugen.“ Grundvoraussetzung für allen Erfolg sei ein gutes Betriebsklima. „Alles andere wird über die sozialen Medien ganz schnell kommuniziert.“ Und eine gute Stimmung hilft dann auch bei der Neuakquise von Mitarbeitern. „Fast jeder kennt jemanden, der jemanden kennt…“ Barbara Glauben vertraut auf die positiven Stimmen ihres Teams.

(Foto: Romantik Hotel Goldene Traube)

Und wenn das nicht reicht, wenn Ausbildungsplätze zu vergeben sind? Barbara Glauben wartet nicht, bis die Bewerbungen bei ihr eingehen. Sie ist als Ausbildungsbotschafterin für die Branche unterwegs, fährt zu Messen und versucht immer wieder, Menschen für ihren Betrieb und ihr Konzept zu begeistern. Hat sie jemanden „an der Angel“, bekommt dieser einen „Boarding-Pass“. Mit dem einem First-Class-Flugticket ähnlichen Gutschein kann der Interessent zu einem Besuch nach Coburg kommen, um den Betrieb und seine potenzielle Heimat kennenzulernen. „Bei dieser Gelegenheit kann er auch das Betriebsklima erspüren“, sagt Barbara Glauben, die mit der Gutscheinaktion gute Erfahrungen gemacht hat. Auch sie habe bei der Gelegenheit die Chance, den Bewerber näher kennenzulernen, denn „die Persönlichkeit spielt eine wichtige Rolle“. Für Auszubildende hat sie eine zusätzliche Broschüre erstellt. „Coole Gastronomie und geile Küche“, heißt es darin zum Beispiel.

(Foto: Romantik Hotel Goldene Traube)

Die Berufe und die Ausbildungsleistungen des Betriebes werden beschrieben. Das Team präsentiert sich am Ende der Broschüre nicht klassisch, sondern mit einem Bild, das aus Blödelei heraus entstanden ist. „Das kommt an, denn es macht uns und das Team sympathisch“, sagt Barbara Glauben. Geht eine Bewerbung bei ihr ein, wird diese sofort bearbeitet. „Wir beantworten jede Bewerbung innerhalb von 48 Stunden, manchmal rufen wir kurz an“, sagt sie. Der Vorteil des Telefonats: Man bekommt schon einen ersten Eindruck vom Bewerber. Bewerbungen gehen bei ihr genügend ein. „Das Image unserer Berufe ist gar nicht so schlecht“, sagt sie. Man müsse es nur richtig darstellen.