GASTGEWERBE MAGAZIN: Was hat eine Kommunikationsagentur mit Schwerpunkt Food mit Nachhaltigkeit zu tun und was bedeutet das für Ihren Alltag?

Jan-Patrick Timmer von der Kommunikationsagentur High Food.

Jan-Patrick Timmer von der Kommunikationsagentur High Food. (Foto: High Food)

Jan-Patrick Timmer : Wir von High Food haben jeden Tag mit Menschen zu tun, die mit Lebensmitteln umgehen. Von der Industrie über den Großcaterer bis zum Alleinkoch ist alles dabei. Die großen Anbieter waren die ersten, die die Dringlichkeit der Nachhaltigkeit erkannt haben – alleine durch die täglich verarbeiteten Mengen bei diesen Unternehmen erzielen hier schon kleine Schritte große Wirkung. Doch auch die kleinen Unternehmen schaffen das gleiche, wenn jeder Unternehmer ein bisschen mitdenkt.

Als wir im Zuge der Recherchen merkten, wie groß die Auswirkungen jedes Einzelnen auf die Umwelt sind, wurden wir mit jedem Tag sensibler. Am Ende konnten wir sehen, dass weder Arbeit noch Kosten angefallen sind – bis auf die Denkarbeit. Mittlerweile sind wir CO2-positiv und weisen seit Ende 2012 einen Saldo von minus fünf Tonnen CO2 vor. Unser Ziel ist es, möglichst viele Menschen in unserer Branche zu überzeugen, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Thema für die Großen ist, sondern jeder seinen Teil dazu beitragen muss, damit wir so weiter leben können wie heute. Und natürlich auch, dass die Großen genauso mitmachen und sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sind.

Wie setzen Sie das Thema konkret um?

Wichtig ist es, allen Partnern und Kollegen zu zeigen, dass wir trotz nachhaltigem Denken noch weiter so arbeiten wie vorher. Ideen gibt es genug – schwer ist es, die Umsetzung anzuschieben und dafür zu sorgen, dass nach der ersten Euphorie nicht wieder der Alltag eintritt. Da muss sich ein Teamgeist entwickeln, in dem jeder jeden mitreißt und kon- trolliert. Aus diesem Spirit entstehen immer wieder kleine Ideen und Denkanstöße für den Alltag. Wichtig war uns, nie etwas mit Druck durchzusetzen oder Kopfschütteln zu provozieren.

Die Glühbirnen wurden erst dann gegen energiearme Alternativen ersetzt, als sie kaputt waren, Firmenwagen gibt es nicht, ebenso keine Reisespesen für Leihwagen, und die Kollegen kommen alle mit Bus und Bahn zur Arbeit. Der Versand von Briefen und Paketen ist CO2-neutral, das Papier reinweiß und dennoch im hohen Öko-Standard. Das Altpapier wird bei uns direkt recycelt, und die Streifen aus dem Aktenvernichter werden als Polstermaterial im Versand benutzt. Wir kaufen nur technische Geräte in der höchsten Effizienzklasse – dabei achten wir darauf, dass auch die Verwertung der Altgeräte später gewährleistet ist. Dass so etwas Spaß machen kann, zeigt die Reaktion unserer Besucher beim Anblick der Tastaturen und Mäuse – die sind nämlich aus Bambus.

Nützen Nachhaltigkeit und Fairness Hotellerie und Gastronomie?

Viele Unternehmen aus Industrie und auch Hotellerie sehen in dem Thema immer noch Public Relations und die Möglichkeit, sich als „gut“ zu positionieren. Ich denke einen Schritt weiter und sehe in naher Zukunft die Betriebe, die sich nicht um ihre Auswirkung auf die Umwelt kümmern, verstärkt in Schwierigkeiten geraten. Der Verbraucher wird sensibler und der Anteil derer, die ausschließlich auf den Preis achten, wird weiter sinken. Es gibt schon viele Unternehmen, die bei der Auswahl des Hotels oder der Räume für Tagungen und Events, dem MICE-Geschäft, Nachhaltigkeit einfordern.

Die Betreiber der Locations oder Hotels werden meistens gar nicht direkt gefragt, ob sie Nachhaltigkeit leben – ein Blick auf die Homepage oder interne Listen reichen den buchenden Unternehmen meistens völlig. Der wichtigste Bereich für Hotels und Restaurants sind die Mitarbeiter. Es ist eine Generation herangewachsen, die Wert darauf legt, nicht nur die eigene Karriere im Auge zu haben, sondern auch eine wertstiftende Tätigkeit zu suchen. Da muss sich die Branche teilweise noch sehr anstrengen, um im Kampf um die nächsten Führungstalente mithalten zu können.