Der Abzug der Vorsteuer ist für Hoteliers und Gastronomen ein wichtiger Aspekt in der steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Kalkulation. Schließlich planen sie beim regelmäßigen Einkauf die Rückerstattung der gezahlten Mehrwertsteuer fest ein. „Das ist aber nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs kein Selbstläufer mehr. Die Richter haben die umsatzsteuerlichen Rechnungsanforderungen verschärft“, erläutert Burkhard Küpper, geschäftsführender Gesellschafter der Steuerberatungsgesellschaft Lohmann & Küpper mit Sitz in Bocholt. Gemeinsam mit Partner Peter Lohmann berät er regelmäßig Gastronomie und Hotellerie.
Mit Urteil vom 22. Juli 2015 (V R 23/14) hat der Bundesfinanzhof den Vorsteuerabzug aus einer Lieferantenrechnung versagt, weil der Lieferant unter der Rechnungsadresse nur postalisch erreichbar war und dort keine wirtschaftliche Aktivität entfaltete. Das Merkmal „vollständige Anschrift“ gem. § 14 Abs. 4 Nr. 1 UStG erfüllt „nur die Angabe der zutreffenden Anschrift des leistenden Unternehmers, unter der er seine wirtschaftlichen Aktivitäten entfaltet“.

Wichtig: korrekte Rechnungsadressen

Burkhard Küpper, geschäftsführender Gesellschafter der Steuerberatungsgesellschaft Lohmann & Küpper

Burkhard Küpper, geschäftsführender Gesellschafter der Steuerberatungsgesellschaft Lohmann & Küpper (Foto: Lohmann & Küpper)

Konkret bedeutet das für Hoteliers und Gastronomen den beiden Steuerberatern zufolge: Nach der neuen BFH-Rechtsprechung seien Rechnungen, die lediglich eine Postfachadresse beinhalteten, nicht mehr zum Vorsteuerabzug berechtigt. Unternehmer müssten auf eine korrekte Rechnungsadresse im Sinne des Urteils bei ihren Lieferanten achten, sonst riskierten sie den Vorsteuerabzug. Und das könne teuer werden. Für die Vergangenheit bestehe jedoch Vertrauensschutz – aber nur für die Besteuerungszeiträume, für die bereits eine Umsatzsteuererklärung abgegeben wurde, die Abgabe von Umsatzsteuer-Voranmeldungen sei nicht ausreichend.
Die beiden Steuerberater rufen gastgewerbliche Unternehmer deshalb dazu auf, mit allen Lieferanten Vereinbarungen zu treffen, mittels derer Probleme beim Vorsteuerabzug vermieden werden können. Das sei nicht nur aus Kostengründen für die Leistungsempfänger entscheidend; auch die Lieferanten würden sich auf diese Weise gegen Schwierigkeiten in der Geschäftsbeziehung wappnen. > ppe/ggm