GASTGEWERBE MAGAZIN: Herr Lambrecht, was macht für Sie einen guten Wein aus?

Greg Lambrecht: Ein guter Wein ist unverwechselbar, ein Vertreter der Region, in der er gewachsen ist, und er transportiert die Tradition der Menschen, die ihn hergestellt haben. Ich suche immer nach Weinen, die mich an diesen Ort zurückbringen, die durch ihr Bukett und ihren Geschmack in meinem Kopf ein Bild der Region malen. Genau das finde ich an Wein so wunderbar: Er kann einen durch Zeit und Raum transportieren, obwohl er doch nur eine Flüssigkeit im Glas ist.

Um einen Wein nach dem Öffnen noch länger genießen zu können, haben Sie das Coravin-Weinsystem erfunden. Erzählen Sie kurz die Geschichte und Entstehungsidee zu Coravin!

Das Coravin-Weinsystem ermöglicht es, jederzeit eine gewünscht Menge Wein zu entnehmen, ohne dass dieser an Geschmack verliert.

Das Coravin-Weinsystem ermöglicht es, jederzeit eine gewünscht Menge Wein zu entnehmen, ohne dass dieser an Geschmack verliert. (Foto: Coravin )

Eigentlich habe ich Coravin erstmal nur für mich selbst erfunden. Ich war immer schon großer Weinliebhaber und habe gerne unterschiedliche Weine parallel getrunken, sie miteinander verglichen und so die Feinheiten und Unterschiede besser wahrgenommen. Als meine Frau vor mehr als zehn Jahren mit unserem Sohn schwanger war, stand ich vor einem Problem: Ich musste jede Flasche, die ich geöffnet habe, allein austrinken oder die geöffnete Flasche irgendwann weggießen. Ich habe gemerkt, dass ich tatsächlich mehrere Flaschen an nur einem Abend probieren wollte, das aber nicht konnte, weil ich das meiste davon vergeuden würde. Ich habe deswegen nach einer Möglichkeit gesucht, den Wein vor der Oxidation zu bewahren. Dazu musste ich verhindern, dass Sauerstoff überhaupt mit dem Wein in Berührung kommt – und dafür musste der Korken in der Flasche bleiben. Als Medizintechniker habe ich im Laufe der Jahre diverse Nadeln entwickelt, die in der Wirbelsäulenchirurgie zum Einsatz kommen. Sie transportieren Flüssigkeiten, ohne dabei umliegendes Gewebe zu schädigen. So eine Nadel zu verwenden, erschien mir daher naheliegend.

Also habe ich mit der Entwicklung einer Nadel aus Edelstahl begonnen, die einen Naturkorken durchbohren kann, ohne ihn zu verletzen. Damit der Wein schneller durch die Nadel fließt und kein Vakuum in der Flasche entsteht, muss der entnommene Wein durch ein Gas ersetzt werden. Dafür habe ich unterschiedliche Gase getestet. Meine Wahl fiel letztlich auf Argon. 23 Versuche und vier Jahre später hatte ich den ersten Coravin-Prototyp gebaut. Nachdem ich etliche Geräte für Freunde und Kollegen gebaut hatte, dachte ich: Wenn in meinem privaten Umfeld so viele von meiner Erfindung begeistert sind, scheine ich nicht der einzige zu sein, der so ein Gerät braucht. Das könnte ein Business-Model sein.

Wie funktioniert Coravin genau? Was macht es aus, wenn der Korken nicht gezogen wird?

Wird eine Weinflasche entkorkt, dringt Sauerstoff ein und der Oxidationsprozess beginnt. Coravin belässt den Korken in der Flasche, sodass die Oxidation gar nicht erst in Gang gesetzt wird. Stattdessen wird eine sehr dünne Hohlnadel durch Verschlussfolie und Korken geführt. Das Edelgas Argon wird aus einer Kartusche  über einen Hebel in die Flasche gepresst. Der entstehende Druck treibt den Wein in die Nadel und von da ins Glas, ohne dass er mit Sauerstoff in Berührung kommt. Danach wird die Nadel entfernt und der Korken verschließt das winzige Loch wieder von selbst. Das Argongas bleibt in der Flasche, reagiert aber nicht mit dem Wein.

Es ist schwerer als Luft und legt sich daher auf den Wein – wie eine schützende Schicht. Diese Funktionsweise erlaubt es also, jederzeit jede gewünschte Menge an Wein aus jeder gewünschten Flasche zu trinken, ohne sich darüber Gedanken machen zu müssen, wann ich wieder aus dieser Flasche trinken will. Es bedeutet nicht weniger als die Freiheit, von mehreren Flaschen an einem Abend zu kosten, mit mehr Genuss und einer größeren Lernerfahrung.

Welchen Nutzen hat der Gastronom, wenn er Coravin einsetzt?

Für die Gastronomie eröffnet Coravin eine ganz neue Welt. Gastronomen und Sommeliers können jetzt auch sehr hochwertige und teure Weine glasweise verkaufen. Wertvolle Weine, die vorher nur flaschenweise verkauft wurden – und da sie sehr teuer sind, wurden sie entsprechend selten verkauft – können jetzt glasweise angeboten werden. Ich kenne einige Gastronomen, die dank Coravin ihre Weinkarte komplett umgestellt haben und mit dem System bedeutend mehr Umsatz machen als zuvor. Gleichzeitig bietet der Coravin natürlich auch den Restaurantgästen die Chance, sich ein Glas eines sehr guten Weines zu gönnen, während sie sich die komplette Flasche sicher nicht geleistet hätten.

> www.coravin.de