Der nächste unternehmerische Schritt, die saisonale Krise, eine ungeplante Ausgabe: Die Gründe, weshalb Hoteliers und Gastronomen eine Finanzierung benötigen, sind vielfältig. Bei ihren Finanzierungsvorhaben finden sie Unterstützung bei Förder- und Bürgschaftsbanken. Diese haben sich darauf spezialisiert, vor allem kleinen und mittleren Unternehmen die Kreditaufnahme zu erleichtern und mögliche Finanzierungsnachteile auszugleichen. „Großunternehmen können sich Finanzierungsmittel am Kapitalmarkt beschaffen. Für kleinere Firmen ist das meist nicht möglich; sie sind auf Eigenfinanzierung oder Bankkredite angewiesen. Diese strukturellen Finanzierungsnachteile bestehen auch in der aktuellen Niedrigzinsphase“, sagt Herbert Conradi, Abteilungsleiter Förderkredite der LfA Förderbank Bayern (www.lfa.de). Die LfA ist die staatliche Spezialbank zur Förderung des Mittelstands in Bayern.

„Mit unseren Förderkrediten können sich auch mittelständische Gastronomen und Hoteliers zinsgünstige Konditionen für lange Laufzeiten sichern. Bei nicht ausreichenden Sicherheiten kann die LfA einspringen und der Hausbank bis zu 70 Prozent des Kreditrisikos abnehmen. Der Kreditzugang wird so erheblich erleichtert; das Entscheidungsverfahren ist hier in der Regel einfach und zügig. Neben Fremdkapital und Risikoübernahmen stellen wir im Übrigen auch Eigenkapital mit unseren Engagements innerhalb der LfA-Gruppe zur Verfügung“, gibt Herbert Conradi Beispiele für die Tätigkeit der LfA.


Finanzierungsbeispiel: Die Minibar

In vielen Hotels sind die Minibars älter als 20 Jahre. Da die Investitionskosten oftmals relativ hoch sind, scheuen viele Hoteliers die Neuanschaffung. Jan Hass von Dometic, einem Hersteller von Minibars, Zimmersafes etc., sagt jedoch, dass sich die Anschaffung neuer Minibars sehr schnell amortisieren könne. „Alte Minibars haben oftmals einen vielfach höheren Energieverbrauch als neue, moderne Modelle. Allein durch die Energiekostenersparnis können in den meisten Fällen neue Modelle völlig kostenneutral finanziert werden, ob durch Miete oder Leasing“, sagt der Marketing-Manager. 

Dies stellt er anhand einer Beispielrechnung dar. Während ältere Modelle häufig einen durchschnittlichen Energieverbrauch von 36 Kilowattstunden monatlich hätten, kämen energieeffiziente Minibars mit neun Kilowattstunden aus – das bedeutet eine Einsparung von 6,75 Euro pro Stück und Monat bei der Berechnung mit den aktuellen Energiekosten von rund 25 Cent pro Kilowattstunde. „Schafft der Hotelier nun 100 unserer ‚Hipro 3000‘-Minibars an, kann er diese entweder zu 4,80 Euro pro Gerät monatlich inklusive Service mieten und nach sechs Jahren ohne Kosten an uns zurückgeben, oder er least die Minibars über 60 Monate zu 4,87 Euro pro Gerät monatlich. Bei Leasing-Ende übernimmt er die Geräte dann für eine Einmalzahlung von 2990 Euro netto, das sind zehn Prozent des Gesamtwerts“, rechnet Jan Hass beispielhaft vor. Das Fazit für den Dometic-Experten: „Durch die Stromkostenersparnis in Höhe von 6,75 Euro im Vergleich zu alten Minibars refinanziert sich die Anschaffung neuer Minibars, ohne dass ein Cent mehr gezahlt werden muss.“


Branchenübergreifendes Angebot

Die Förderkredite der LfA werden nach dem Hausbankprinzip bei den Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken beantragt und in der Regel in deren Eigenrisiko ausgereicht. Die Antragstellung erfolgt also über die Hausbank des Unternehmens; sie ist Bindeglied zwischen der LfA und dem Kunden. Das habe den Vorteil, dass der Unternehmer seinen bekannten Ansprechpartner behalte. Generell richtet sich das LfA-Förderangebot branchenübergreifend an kleine und mittlere Unternehmen aus dem Handwerk, der Industrie, dem Handels- und Dienstleistungssektor, den Freien Berufen sowie dem Hotel- und Gaststättengewerbe. Für eine umfassende Beratung können sich Hoteliers und Gastronomen direkt an die LfA wenden, sagt Conradi. „Alternativ können sie auch unsere regelmäßigen Beratungssprechtage in Zusammenarbeit mit den örtlichen Kammern in allen bayerischen Regierungsbezirken nutzen.“

Mit dem Angebot ebne die LfA Gründern den Weg in die Selbstständigkeit, unterstütze Investitions- und Innovationsvorhaben und stehe Unternehmen auch in schwierigen Situationen zur Seite. Gefördert werden könnten beispielsweise Investitionen in die bauliche Erweiterung eines Gastronomiebetriebs oder die Modernisierung von Zimmern eines Hotels. Auch eine Finanzierung des Betriebsmittelbedarfs sei möglich. Im Falle einer Unternehmensübernahme könne zudem Kaufpreiszahlungen zwischen Kindern und Eltern/Schwiegereltern gefördert werden.

Ausfallbürgschaft sichert Risiko ab

Auf die Übernahme von Bürgschaften für Unternehmen hat sich die Bürgschaftsbank NRW (www.bb-nrw.de) spezialisiert. Damit ermöglicht das Institut mittelständischen Unternehmern und Freiberuflern kreditfinanzierte Investitionen, indem sie für 80 Prozent des Darlehensbetrages (maximal 1,25 Millionen Euro) eine sogenannte Ausfallbürgschaft gewährt. Sie übernimmt damit ein Risiko, das die Hausbanken nicht allein schultern können. Geschäftsführer Lothar Galonska betont, dass die Bürgschaftsbank grundsätzlich alle Unternehmensbereiche fördere: ob Investitionen in gewerblich genutzte Immobilien oder Betriebsmittel, Kontokorrent-Kredite oder mehr. Einzige Ausnahme sind Unternehmen in der Krise.

Auch Lothar Galonska weist darauf hin, dass die Förderung der Bürgschaftsbank generell an die Hausbank gebunden sei. „Wir arbeiten nach dem ‚Hausbankprinzip‘. Das Kreditinstitut beantragt die Ausfallbürgschaft für rentable Geschäftsmodelle aufgrund fehlender Sicherheiten“, sagt er. Eine Ausnahme: „Bürgschaften bis 100.000 Euro können Unternehmer unmittelbar bei der Bürgschaftsbank beantragen, um mit deren Zusage eine Hausbank für eine Finanzierung gewinnen zu können.“ Branchen-Beschränkungen gebe es nicht, notwendig sei aber natürlich Kompetenz im in Frage stehenden Geschäftsbereich.

Der Geschäftsführer nennt vor allem drei Möglichkeiten, wie Hoteliers und Gastronomen von den Programmen der Bürgschaftsbank profitieren können. Kleine und mittlere Unternehmen, ob etablierte Betriebe oder Existenzgründer/Nachfolger, können Ausfallbürgschaften von 80 Prozent der Finanzierungssumme beantragen, die maximale Höhe liegt bei 1,25 Millionen. Ebenso können diese Unternehmen eine (von der Bürgschaftsbank garantierte) stille Beteiligung der „Kapitalbeteiligungsgesellschaft für die mittelständische Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen mbH“ (KBG NRW, www.kgb-nrw.de) erhalten. Dieses Beteiligungskapital bewegt sich zwischen 50.000 und einer Million Euro. Ebenso möglich für kleine Unternehmen: Beteiligungskapital aus dem „Mikromezzaninfonds-Deutschland“, der aus Mitteln des ERP- Sondervermögens (European Recovery Program) und des Europäischen Sozialfonds (ESF) refinanziert ist. Die Förderung erfolgt als stille Beteiligung mit einer maximalen Beteiligungshöhe von 50.000 Euro (www.kbg-nrw.de).