„Self-Ordering gehört die Zukunft“, sagt Stefan Brehm, Vertriebs-Geschäftsführer und Digitalisierungs-Experte beim Kassensystem-Anbieter Gastrofix. „Wir stellen derzeit vermehrt fest, dass Gastronomen unsere cloudbasierte iPad-Kasse in solche voll digitalisierten Self-Ordering-Systeme einbetten möchten.“ Und dabei handele es sich keineswegs um nerdige Techies, sondern vielmehr um „äußerst clevere Gastgeber, die Technologie als Lösung ihrer Personalsorgen sehen.“

So wie Jörg Weisflog vom Restaurant „Pulvermühle“ in Hamburg. Er lässt sich derzeit rund um sein cloudbasiertes Kassensystem eine maßgeschneiderte App entwickeln, mit der Gäste ganz ohne Bedienung selbstständig via Smartphone bestellen und auch bezahlen können. „Während die erste Order noch ganz klassisch vom Kellner aufgenommen wird, kann das Nachbestellen über das Handy erfolgen. Dadurch integrieren wir eine zusätzliche Order-Möglichkeit, sparen dadurch beim Service viel Zeit ein und schaffen ganz nebenbei ein außergewöhnliches Gastronomie-Erlebnis“, so der Restaurant-Geschäftsführer. Hinzu käme die Möglichkeit, den Gast per Push-Nachricht über aktuelle Aktionen zu informieren und so gezieltes Marketing zu betreiben. Die App befindet sich aktuell noch in der Betaphase, die ersten Erfahrungswerte sind jedoch vielversprechend.

Self-Ordering bietet Gastgebern und Gästen auf den ersten Blick gleichermaßen Vorteile: Durch die Integration einer zusätzlichen, voll automatisierten Bestellmöglichkeit verringert sich der Aufwand für die Bestellaufnahme und das Kassieren signifikant – der Service wird spürbar entlastet, was angesichts des Fachkräftemangels sicherlich eine interessante Alternative bedeutet.

Zeitvorteile könnte es auch für die Gäste geben, denn sie müssen nicht auf die Bestellannahme warten, was gerade im zeitlimitierten Mittagsgeschäft ein wichtiger Faktor sein kann.

Etwas differenzierter sieht Alexander Neubert von ServicePlus die Entwicklung von Self-Ordering-Systemen. Sein GastroManager bietet als Kassensystem ebenfalls die technischen Möglichkeiten, doch „muss man das sehr differenziert und individuell auf den einzelnen Betrieb zugeschnitten betrachten“. Neubert geht es um die digitale Affinität der Gäste und den Aufwand, den ein Gastronom betreiben muss. „Das Angebot muss so standardisiert sein, dass keine Fragen mehr offen bleiben“, meint er. Außerdem müssten die Prozesse im Betrieb darauf abgestimmt sein. „Es nützt nichts, wenn digitale Bestellungen nicht umfassend in den betrieblichen Ablauf integriert sind.“ Und zuletzt sei Gastronomie immer noch ein „Personengeschäft“, in dem eine noch so gut gemachte App die Frage nach dem „Wasser zum Wein“ oder dem „Espresso danach“ durch das geschulte Personal kaum ersetzen kann. Sein Fazit: „Für bestimmte Betriebstypen, beispielsweise im Fast-Food-Bereich oder bei Imbissen, kann Self-Ordering eine Lösung sein, um Betriebsabläufe zu optimieren und Personal einzusparen bzw. nicht mehr vorhandenes Personal zu ersetzen. Allerdings muss der Einsatz sehr wohl überlegt und technisch ausgereift sein.

Vielleicht ist es aber auch die Mischung, die in Zukunft den Erfolg ausmachen wird: Personal für die individuelle Beratung und eine App für die Nachbestellung oder den schnellen Gast. Deshalb ist sich auch Gastrofix-CSO Stefan Brehm sicher, dass der Durchbruch für Self-Ordering-Systeme kommen wird: „Vor allem als zusätzliche Bestellmöglichkeit ist die Technologie derart vorteilhaft, dass sie sich mittel- bis langfristig auch in Deutschland etablieren wird.“