Die Welt der Szene- und Fruchtgetränke ist vielfältig und in Bewegung. Immer mehr junge Unternehmer gründen im Land kleine Betriebe, die ihre eigenen Getränke und Ideen vorwiegend – aber nicht nur – für die jeweilige Region herstellen. Sie reichen von bio bis vegan, sind ausgefallen im Geschmack und werden handwerklich und mit viel Liebe produziert. Vor allem bieten sie dem Konsumenten ein ehrliches Storytelling. Der wichtigste Absatzmarkt der Newcomer sind die Szenekneipen in Großstädten.

Dutzende Getränke-Neuentwicklungen kommen in Deutschland Jahr für Jahr auf den Markt. Allerdings verschwinden viele Unternehmen schon nach kurzer Zeit wieder, der Wettbewerb ist einfach zu hart, und nicht alle schaffen es aus eigener Kraft flächendeckend in die Regale. Eine der wenigen Ausnahmen ist fritz-kola. Es geht auch besser, sagten sich zwei Freunde, kratzten ein paar Tausend Euro Startkapital zusammen und beschlossen 2002 im Studentenwohnheim Hamburg-Othmarschen, das Projekt fritz-kola zu gründen. Ihre Mission: eine neue Cola, die besser als alles ist, was die großen Brausekonzerne zu bieten haben. Gesagt, getan. Heute hat der  Flaschenab- und Euro-Umsatz längst die Millionengrenze geknackt.

Den Status eines Ausgehgetränks

„Damit ein Getränk es von einem kleinen Nischenprodukt in die Szene schafft, muss es vor allem eins sein: echt. Es muss eine Geschichte hinter dem Produkt stehen“, wie Timo Thurner betont. Der gelernte Grafikdesigner hat zusammen mit Florian Breimesser, einem gelernten Juristen, im Jahr 2011 Aqua Monaco auf den Markt gebracht.

Ein Mineralwasser, das aus der Münchner Schotterebene stammt und speziell in und um München zum Tragen kommt. „Wir wollten, dass Mineralwasser den Status eines Ausgehgetränks erhält“, schildert Thurner. Und so entstand die Idee, eine 0,33 Liter Mineralwasserflasche mit auffälligem Design und dem Logo eines Schwans auf den Markt zu bringen, mit dem Gäste mit Bier und anderen Szenegetränken anstoßen können. Ein Jahr später kam die etwas zurückhaltendere 0,75-Liter-Flasche für den Tisch und Restaurantbereich und Anfang 2013 dann die trendigen Mixer hinzu, die sich nicht nur für den  klassischen Mixbereich und für Longdrinks anbieten, sondern auch für den nichtalkoholischen Gebrauch.

„Die Mixer können pur getrunken oder aber beispielsweise mit Säften gemixt werden“, erklärt Thurner. „Eine leckere Limonade ergibt mit frisch gepresster Zitrone angereichert Bitter Lemon.“ Denn was derzeit bei Gästen vor allem ankomme, seien frische, nicht künstliche Getränke, so Thurner, der mit derzeit rund zehn Mitarbeitern jeden Tag an der Weiterentwicklung der Marke arbeitet. „Im Getränkebereich geht es heute genauso wie im Food-Bereich darum, etwas Hochwertiges zu bieten“, so Thurner. „Wichtig sind klare Geschmäcker ebenso wie Themen von bio, vegan bis zusatzstofffrei. Die Menschen sinnen nach echten Produkten, die handwerklich mit viel Liebe zum Detail produziert werden.“

Indonesisches Familienrezept

Faktoren, die von den meisten Nischenprodukten, die derzeit auf dem Markt zu finden sind, bedient werden. Der 29-jährige Justin Darmawan und seine Schwester Pamela Barrón haben ebenfalls eine dieser Nischen auf dem Limonadenmarkt gefunden. Anfang März diesen Jahres haben sie Djahé, – die neue Ingwer-Limonade nach indonesischem Familienrezept auf den Markt gebracht, deren Rezeptur ihr Vater vor einigen Jahren entwickelte.

Aqua Monaco

Aqua Monaco (Foto: Aqua Monaco)

„Er ist leidenschaftlicher Koch und im ehemaligen Restaurant meiner Schwester hat Djahé damals viele Stammgäste angezogen. Das ist der Name der Bio-Limonade – Djahé ist Indonesisch und heißt Ingwer. Davon ist in dem Szenegetränk eine Menge vorhanden. Rund sieben Prozent, das ist ein sehr hoher Anteil“, so Darmawan. Vonseiten seiner Kontakte in der Getränketechnologie der Hochschule OWL gab es deswegen Zweifel, ob das Getränk so vermarktbar wäre.

„Bei einem so hohen Ingweranteil ist die Kalkulation etwas herausfordernder“, sagt der junge Gründer. Doch er wollte so nah wie möglich am ursprünglichen Rezept dran bleiben – es ist schließlich ein Familienprodukt. „Einem Freund aus der Getränketechnologie bin ich sehr dankbar – er hat Geschmacksmuster angefertigt und mir bei der Rezeptur geholfen.“ Seine Familie hilft ihm nun beim Vertrieb und der Entwicklung neuer Sorten.

Aktuell wird Djahé in Hessen abgefüllt und nach Köln und Düsseldorf vertrieben. Die langfristige Planung sieht aber den Vertrieb in ganz NRW und schließlich auch deutschlandweit vor. „Momentan läuft es gut, ich bin zuversichtlich, dass das klappt. Die Branche ist vielseitig und bietet genug Nischen für Produkte wie Djahé.“

Mit viele Liebe und aus Bio-Zutaten

Eine weitere Nischen-Idee setzen die beiden Hamburger Freunde, der Stylist Hendrik Schaulin und der Werbefotograf Peter Hundert, Ende 2012 um. Sie wollten herausfinden, ob es zu all den zahlreichen hochwertigen Gins nichts Besseres geben kann als die üblichen und bekannten industriell hergestellten Bitterlimonaden.

Mit „pHenomenal Tonic und -Ginger“ setzten der Stylist Hendrik Schaulin (rechts) und Werbefotograf Peter Hundert eine weitere Nischen-Idee um.

Mit „pHenomenal Tonic und -Ginger“ setzten der Stylist Hendrik Schaulin (rechts) und Werbefotograf Peter Hundert eine weitere Nischen-Idee um. (Foto: pHenomenal Tonic)

Ihre selbstgekochte Fallstudie fand so viel Anklang, dass daraus eine Manufaktur wurde. Von Hand, mit viel Liebe und aus Bio-Zutaten wie diversen Zitrusfrüchten, frischem Ingwer, Zitronengras und Agavendicksaft stellen die beiden pHenomenal Tonic und pHenomenal Ginger her; Essenzen, die Sprudelwasser in Tonic Water beziehungsweise scharfe Ingwerlimonade verwandeln. „Das schmeckt komplexer und weniger süß als herkömmliche Barlimonaden, und geht auch prima ohne Alkohol — und sogar ohne Wasser: Die Sirupe eignen sich hervorragend, um Tonic-Noten oder fruchtige Ingwer-Aromen zum Beispiel in Eistees, Salatsoßen, Sorbets oder in diverse Cocktails einzubauen“, erklärt Peter Hundert. „Nun stehen keine halbleeren, ausgesprudelten Tonicflaschen mehr im Kühlschrank. Unsere Produkte sind zu 100 Prozent von uns sorgfältig in liebevoller Handarbeit hergestellt, in Zusammenarbeit mit einem Hamburger Sozialprojekt etikettiert und konfektioniert, ethisch und ökologisch so sauber, ressourcenschonend und verträglich wie uns möglich ist. Unsere Produkte sind vegan und das Tonic-Produkt, das erste weltweit biozertifizierte am Markt.“

Der Omi-Effekt aus der Flasche

Dass es ein Newcomer auch über den großen Teich schaffen kann, zeigt Omi`s Apfelstrudel. Wer kennt ihn nicht – den Moment, wenn Oma einen duftenden Apfelstrudel aus dem Backrohr hervorzaubert und die ganze Familie am Tisch auf das größte Stück vom Kuchen hofft. Dieses Gefühl hat die österreichische Kendlbacher Vertriebs GmbH darum einfach in Flaschen gefüllt.

International fasste das Trend-Getränk aus Österreich schnell Fuß: Nach nur sechs Monaten in den USA und nun auch schon in Asien mischt Omi’s Apfelstrudel die Getränkeszene auf und katapultierte den 100 Prozent reinen Natursaft in die amerikanischen FOX News sowie in das weltweit angesehene Wall Street Journal. Sogar in den Trump Tower in Chicago hat Omi’s Apfelstrudel bereits Einzug gehalten. Bei der Herstellung setzt Kendlbacher auf Regionalität. Die steierischen Apfelsorten Idared, Pinova, Golden, Gala und Jonagold werden unter dreifacher Qualitätskontrolle bei Kärntner Frucht KFG verarbeitet, mit natürlichem Zimtaroma versehen und in Österreich abgefüllt.

Omi´s Apfelstrudel hat es sogar über den großen Teich geschafft und wird auch in den USA getrunken.

Omi´s Apfelstrudel hat es sogar über den großen Teich geschafft und wird auch in den USA getrunken. (Foto: Omi`s Apfelstrudel)

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Beim Inhalt folgt Omi dem Motto „weniger ist mehr“ und verzichtet auf sämtliche Zusatzstoffe. Der besondere Pluspunkt: Omi’s Apfelstrudel ist ein 100 Prozent veganer Trinkgenuss. Den Omi-Effekt erklären die Macher wie folgt: „Jeder liebt seine Omi und jeder mag Apfelstrudel. Beim ersten Schluck aus Omi’s Flasche entsteht plötzlich ein unerwartet überraschendes Erlebnis, weil sich zwei völlig unterschiedliche Sinneseindrücke – Oma und Apfelstrudel – in einer dritten, ebenso unerwarteten Verbindung – dem Getränk – zusammenmischen. Das ist der Omi-Effekt.“