Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Helmut König ist geschäftsführender Gesellschafter der BBWP GmbH, einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit Sitz in Düsseldorf.

Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Helmut König ist geschäftsführender Gesellschafter der BBWP GmbH, einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit Sitz in Düsseldorf. (Foto: BBWP GmbH)

Es ist nicht so, als würden die Zeiten für Unternehmer einfacher werden, im Gegenteil. Unternehmen beklagen seit vielen Jahren eine stetig zunehmende Regulierungswut, die inzwischen jeden Unternehmensbereich durchdringt. Gelegentlich hört man in diesem Zusammenhang den Begriff „Bürokratie-Monster“. Und das gilt auch für sämtliche steuerliche Fragestellungen.

„Diese bürokratischen Regeln werden von immer neuen, erhöhten rechtlichen Anforderungen sekundiert. Damit steigt das Risiko für Unternehmen und Unternehmer, sich möglicherweise gravierenden, strafrechtlich relevanten Regelverstößen im Sinne der steuerlichen Compliance auszusetzen. Das Risiko dafür steigt gefühlt stündlich an“, kommentiert Helmut König die aktuelle Situation. König ist geschäftsführender Gesellschafter der BBWP GmbH, einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit Sitz in Düsseldorf, die eng mit der internationalen Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt kooperiert.

„Dieser Befund gilt auch fürs Gastgewerbe. Hoteliers und Gastronomen unterliegen diesen Risiken genauso wie alle anderen Unternehmen auch. Denn die Einhaltung steuerlicher Regeln hängt nicht von der Größe oder der Branche ab. Und gerade im Gastgewerbe mit viel Bargeldgeschäft, verschiedenen Mehrwertsteuersätzen und dem vielfachen Einsatz von Teilzeit- und Saisonkräften kann es noch zusätzliche Fallstricke geben“, sagt Helmut König. Solche Fehler müssten auch gar nicht absichtlich (also mit dem Vorsatz der Hinterziehung von Abgaben), sondern könnten einfach im Eifer des Gefechts passieren – aber weder Nachlässigkeit noch Versehen noch Unwissenheit schützen vor Strafen, zudem würden Unternehmer und Unternehmen in dem Bereich auch für Fehler ihrer Mitarbeiter oder Dritter haftbar gemacht werden. „Und die können bei Verstößen gegen die Abgabenordnung drakonisch sein, da sie grundsätzlich strafbewehrt sind. Von finanziellen Sanktionen einmal ganz zu schweigen“, sagt der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.

Doch was sollen Hoteliers und Gastronomen jetzt tun? Die Arbeit einstellen, hoffen, dass nichts passiert, jeden Schritt von einem Steuerprofi überwachen lassen oder die Notfallnummer des Strafverteidigers auf die Kurzwahltaste legen? Wohl kaum, wie Helmut König betont. „Die Finanzverwaltung hat einen Ausweg aus dem Dilemma geschaffen, der ein Unternehmen und dessen Organe und Führungskräfte vor dem Vorwurf und den möglicherweise daraus resultierenden rechtlichen Konsequenzen eines steuerlichen Fehlverhaltens schützen kann.“ Im Schreiben „Zu § 153 AO – Berichtigung von Erklärungen“ des Bundesfinanzministeriums sei ein entscheidender Hinweis dazu enthalten.

Das gelingt durch ein steuerliches Compliance-System, das grundsätzlich die Ordnungsmäßigkeit und Verlässlichkeit der Rechnungslegung, die Sicherung der Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit der Geschäftstätigkeit sowie die Einhaltung der für das Unternehmen maßgebenden rechtlichen Vorschriften sicherstellt. Dazu gehören laut Helmut König unter anderem die Erfassung und Bewertung aller steuerlichen Risiken hinsichtlich der steuerlichen Ziele des Unternehmens genauso wie die der Unternehmensgröße angemessene Strukturierung aller steuerlichen Anforderungen, die adäquate Dokumentation und Übernahme von Aufgaben, Verantwortlichkeiten und steuerlicher Vorgänge sowie die zeitnahe Identifikation steuerlicher Anpassungen und die entsprechende Implementierung neuer Prozessschritte zur Erfüllung dieser Vorgaben.

Habe der Hotelier oder Gastronom ein auf seine steuerlichen Pflichten gerichtetes Kontrollsystem wirksam implementiert, könne dies laut dem Anwendungserlass ein Indiz darstellen, das gegen Vorsatz oder Leichtfertigkeit spreche. Das könne ein Unternehmen und dessen Organe vor Sanktionen schützen. Will heißen: „Ein steuerliches Compliance-System kann verhindern, dass beispielsweise Verfehlungen von Mitarbeitern dem Unternehmen direkt angehaftet werden, wenn deutlich ist, dass das Unternehmen alles daran gesetzt hat, dass die Verstöße nicht vorkommen.“