„Unsere Aufgabe ist es, Einbrechern das Leben schwer zu machen“, so Paulus Vorderwülbecke. „Und das machen wir mit Vergnügen.“ VdS, Europas größte Zertifizierungsstelle für Sicherungstechnik, prüft Produkte, die dem Schutz vor Einbrechern dienen, in realen Einbruchsszenarien. Durch eigene Forschungen sowie ständigen Austausch mit Polizei, Versicherern und Verbänden sind die VdS-Spezialisten immer auf dem aktuellen Stand des Täterwissens.

gastgewerbe-Magazin: Herr Vorderwülbecke, angesichts der ständigen Einbruchgefahr im Zwei-Minuten-Rhythmus fragt man sich natürlich: Wie schütze ich mich am bes­ten?
Paulus Vorderwülbecke: Drei wesentliche Bedrohungsszenarien durch Einbrecher exis-tieren für Hotels und Restaurants. Da ist zum einen die Einbruchgefahr, die von Gelegenheitstätern ausgeht. Dann sind Profi-Einbrecher als Risikofaktor zu nennen. Und insbesondere bei „offenen Häusern“ besteht das Risiko, dass sich jemand ohne physische Gewalt Zutritt zum Gebäude verschafft und dort „tätig“ wird. Das Einbruchrisiko ist bei Gastgewerbebetrieben vermutlich dann am höchsten, wenn das Haus von der Belegschaft weitgehend verlassen ist. Bei Restaurants können dies die frühen Morgenstunden sein, bei Hotels allgemein die Nachtstunden, wenn außer dem Nachtportier und vereinzelten Hausgästen niemand mehr wach ist.
Kriminelle können im Schutz der Dunkelheit, leider oft mit allzu wenig Aufwand, Fenster oder Türen aufbrechen und Wertgegenstände oder Bargeld entwenden. Dies sind zum einen Gelegenheitstäter, die, wie am Ostersonntag in einem Kerpener Hotel, genau eine Flasche Wein aus einem Zimmer stehlen. Dass es sich hier nicht unbedingt um Profis oder auch nur um versiertere Gelegenheitstäter handelte, zeigt die Tatsache, dass zum Einstieg eine Fensterscheibe eingeschlagen wurde. Allgemein ist das Einschlagen von Scheiben bei Einbrechern wenig beliebt. Es ist zum Ersten recht laut, zum Zweiten besteht eine hohe Verletzungsgefahr für die Täter. Und zum Dritten ist es in aller Regel schlicht nicht erforderlich, eine Scheibe einzuschlagen, wenn man das Fenster aufbrechen will.

Paulus Vorderwülbecke vom VdS macht Einbrechern mit dem größten Vergnügen das Leben schwer. Foto: VDS

Wie kommen geübtere Einbrecher dann ins Hotel oder ins Restaurant, wenn sie die Scheibe nicht einschlagen möchten?
Zunächst ist das „klassische“ Vorgehen eines Haus- und Wohnungseinbrechers zu nennen. Häufig brechen die Täter durch Fenster oder Balkon- bzw. Terrassentüren ein, wenn das Hotel oder Restaurant geschlossen ist und keine Angestellten mehr im Haus sind. Balkon- sowie Terrassentüren sind übrigens konstruktionstechnisch gleichzusetzen mit Fenstern: Sie sind lediglich etwas größer. Bei vielen Modellen hat ein Täter hier schon nach wenigen Sekunden Erfolg, und das mit einem ganz einfachen, handelsüblichen Schraubendreher. Und die Geräuschentwicklung beim Aufbrechen bzw. Aufhebeln von Fenstern darf ohne weiteres vernachlässigt werden. Das Ganze geht nicht nur schnell, sondern ist auch sehr leise. Wenn unsere Ingenieure in den VdS-Laboratorien vorführen, wie blitzschnell sie mit einem ganz einfachen Schraubendreher die üblichen Fensterrahmen aufhebeln, bleibt unseren Besuchern immer wieder die Spucke weg.

Fenster sind also so etwas wie „Einladungen für Einbrecher“. Sind Türen denn generell sicherer?
Wenn es sich um eine Standard-Tür handelt – ein klares Nein. Das Aufbrechen einer solchen Tür mit einem handelsüblichen Schraubendreher hat unser interner Rekordhalter mal in der Johannes B. Kerner-Schau vorgeführt. Kerner meinte, so schnell bekomme er seine Tür ja nicht mal mit dem Schlüssel auf. Unsere Partner bei der Polizei betonen aber, dass solche professionelleren Einbrüche in reinen Hotelbetrieben seltener passieren. Die Täter wissen, dass der Zahlungsverkehr mittlerweile meist unbar abgewickelt wird. Bedenkenswert ist aber, dass in vielen Häusern Restaurants integriert sind, zu denen in aller Regel auch externe Gäste Zugang haben. Hier wird dann schon mit Bargeld vor Ort gearbeitet. Das Geld muss nach Feierabend irgendwo verwahrt werden und lagert im güstigeren Fall nach Feierabend in einem Tresor in Keller oder Büro. Allerdings ist eben der laut Aussage der Landeskriminalämter ein beliebtes Ziel für professionellere Täter. Vermutlich ist es so, dass gut besuchte Hotelrestaurants vor der Tat ausspioniert werden. Bei einem für Besucher ersichtlichen Umgang der Kellner mit Geld kann der Täter bei einem Test-Essen schnell dessen Aufenthaltsort ermitteln. Es gibt beispielsweise immer noch Hotels und Gaststätten, die keinen Tresor für die Lagerung ihre Bareinnahmen nutzen, sondern diese in eine einfache Kassenschublade sperren. Nicht selten können die Besucher dabei zusehen. Auch, wenn diese Schublade abschließbar ist: Einbrecher öffnen sie in Sekunden.

Gibt es noch weitere Tricks, auf die man achten sollte?
Beliebt ist bei Einbrechern auch der Trick, sich in den für Gäste eigentlich nicht zugänglichen Restaurant- oder Hotelbereichen umzusehen. Wird der Täter ertappt, gibt er an, er suche die Toilette oder habe sich verlaufen. Wer solche Fälle aus dem Alltag kennt, sollte hellhörig werden. Sinnvoll kann eine Videoüberwachung gefährdeter innerer Bereiche sein. Videokameras, die aus sensiblen Zonen direkt an einen Empfangsrechner übertragen, gibt es mittlerweile für kleine Eurobeträge. Aber bedenken Sie, dass das Videobild „an sich“ keine Sicherung bietet – hier muss stets ein sinnvoller Plan erarbeitet werden, wie mit den Bildern umgegangen wird, wie im Ernstfall interveniert werden soll. VdS-anerkannte Sicherheitsdienstleister beraten gerne zu optimalen Lösungen für die Sicherheit.

Noch mal zurück zu den Türen. Was können Hotelbesitzer gegen das Aufbrechen von Türen und Fenstern konkret unternehmen?
Einbrecher stehen unter enormem Zeitdruck. Die Polizei bestätigt, dass die meisten Täter schon nach zwei bis drei Minuten aufgeben, wenn Sie an Fenstern oder Türen auf besonderen Widerstand stoßen. Diese wenigen Minuten an Einbruchhemmung können Hotelbesitzer relativ leicht sicherstellen.

 

Foto: VDS

Mit welchen Kosten ist zu rechnen?
Fenster oder Türen lassen sich zu angemessenen Kosten aus- oder nachrüsten. Wirksamsten Schutz bieten spezielle einbruchhemmende Fenster oder Türen. Günstiger sind Zusatzschlösser für die Fenster und Querriegel für Türen. Ideal wäre es, bei Neubau oder Renovierungsarbeiten besonders gefährdete Türen (etwa Nebeneingangstüren zum Gebäudekomplex) gegen einbruchhemmende Türen zu tauschen. Sämtliche Zimmertüren gegen einbruchhemmende Produkte zu tauschen, wird vermutlich zu kostenaufwändig sein. Für wirkliche Einbruchhemmung müssen alle Komponenten der komplexen Einheit „Tür“, also Material des Türblatts, Schloss, Schließzylinder, Riegel, Zarge, etc. aufeinander abgestimmt sein. Die Tür als Ganzes sollte mindestens in der Widerstandsklasse 2 nach DIN EN 1627 ff. bzw. der VdS-Klasse N zertifiziert sein. Das absolute Minimum ist ein vernünftiges Schließblech und ein ebensolches Schloss mit hochwertigem Schließzylinder der VdS-Klasse A.

Wo kann sich der Hotelier oder Gastronom über geeignete Produkte informieren?
Türsysteme oder einzelne Sicherungskomponenten und Schlösser verschiedenster Hersteller, die von unserem unabhängigen Institut mit dem VdS-Qualitätssiegel als sicher zertifiziert wurden, finden Sie auf www.vds.de. Bedenken Sie, dass neben der Qualität des Produktes auch die fachlich korrekte Montage bedeutsam ist. Ich habe schon Fälle gesehen, in denen wirklich gute Einbruchsicherungen wegen mangelhafter Montage vollkommen wirkungslos waren. Im Verzeichnis auf www.vds.de finden Sie neben den Produkten auch zertifizierte Dienstleister, die ihr Wissen und Können nachgewiesen haben und regelmäßig überprüft werden.
Eine besondere Herausforderung bei der Absicherung von Hotels ist die Tatsache, dass die Gebäudetür branchenbedingt häufig offensteht. Also müssen, um einen wirksamen Einbruchschutz zu realisieren, auch relevante Innentüren betrachtet werden.

Die „öffentliche Tür“ stellt also das dritte Bedrohungsszenario dar?
Viele Einbrüche geschehen im Schutz der Dunkelheit. Für Hotels besteht aber nicht nur die Bedrohung, dass Einbrecher ins Haus eindringen, sondern ebenso, dass sie am helllichten Tag kommen und das Haus vollkommen gewaltfrei – wie ein Gast – betreten. Während nachts einige Häuser verschlossen sind, der Zugang durch Kontrollsysteme überwacht wird oder ein aufmerksamer Nachtportier Dienst hat, ist der Zugang über Tag oft wenig oder gar nicht reglementiert. Dreiste Täter gehen ganz einfach durch den Haupteingang. Wenn die Täter das Haus zu Stoßzeiten an der Rezeption betreten, das Gedränge so möglichst groß ist, haben sie die besten Chancen, unbehelligt zu bleiben. Durch Klopfen an den Zimmern finden sie heraus, welche leer sind und öffnen Türen ohne echten Widerstandswert mit einem kleinen, transportablen Hebelwerkzeug in wenigen Sekunden.
Hotelbesitzer sollten ihre Reinigungskräfte anweisen, Türen nicht einfach ins Schloss fallen zu lassen, sondern, wenn das technisch möglich ist, auch wirklich abzuschließen. Das erhöht die Dauer und den Lärmpegel bei einem Aufbruch. Solche „Besuchs-Einbrecher“ bevorzugen laut den Beratern der Kriminalpolizei besonders Tagungshotels. Sie wissen, dass sie dort während der Tagungszeiten kaum gestört werden. Auf diese Art wurden der griechischen Nationalmannschaft während der Fußball-WM 2010 mehrere Tausend Euro gestohlen. Noch zuverlässiger als in Tagungshotels wussten die Täter hier, dass sie – ein Spiel dauert bekanntlich 90 Minuten – deutlich länger als eineinhalb Stunden Zeit haben.

Was ist in solchen Fällen mit den Zimmertresoren, die häufig montiert sind? Die bekommt ein Dieb doch nicht auf, oder?
Die typischen Hotel-Safes stoppen leider keinen Einbrecher. Manche Modelle öffnen geübte Täter mit einer einfachen Büroklammer im Handumdrehen, andere lassen sich aufhebeln. Sinnlos sind diese Safes aber dennoch nicht. Sie haben einen guten organisatorischen Wert und schützen gegen die sogenannte einfache Wegnahme. Stellen Sie sich vor, dass während der Zimmerreinigung die Tür aufsteht. Während nun die Reinigungskraft gerade das Bad aufräumt, bekommt sie von möglichen Vorgängen im Zimmer wenig oder nichts mit. Dies ist für Gelegenheitsdiebe eine 1A-Chance. Die Tür steht auf, das Zimmer ist verlassen, die Reinigungskraft ist beschäftigt – schnell erfolgt da der Zugriff auf beispielsweise die teure Uhr, den Schlüssel zum hochwertigen Sportwagen oder den Laptop. Das klappt natürlich nur dann, wenn die Sachen offen herumliegen. Was sich im Zimmersafe befindet, kann – zumindest mit einem Handgriff – nicht entwendet werden. Aber ein Hinweis an das Hotelmanagement: Sie sollten ihren Gästen immer die Möglichkeiten bieten, teure Wertgegenstände in einem speziellen Haustresor zu deponieren. Dieser sollte zertifiziert sein und mindestens den VdS Grad III oder IV aufweisen.

Was können unsere Leser noch für die Sicherheit ihrer Gäste tun?
Ein „altes“ Problem, das aber in manchen Häusern noch aktuell ist: Der Gast gibt bei Verlassen des Hauses seinen Zimmerschlüssel am Empfang ab. Wenn er zurückkommt, verlangt er den Schlüssel für seine Zimmernummer Soundso – und bekommt ihn manchmal ohne jede Rückfrage und ohne dass ihn das Personal zuvor je gesehen hat. Noch schlimmer ist, man sieht dies manchmal noch bei klassischeren Hotels, wenn die Schlüssel klar einsehbar am sogenannten Schlüsselbrett hängen. Jeder Einbrecher kann sich da direkt informieren: Aha, dieser und jener Schlüssel ist „im Angebot“. Das Management sollte hier die Mitarbeiter anweisen, bei der Schlüsselübergabe zum Beispiel nach dem Namen des Kunden zu fragen und die Aussage kurz mit dem Belegungsplan abzugleichen. Das macht, da die Gästebücher nicht mehr handschriftlich, sondern per Computer gepflegt werden, kaum Arbeit, kann einiges an Scherereien ersparen und schafft mehr Rechtssicherheit.

Auch wenn man sich nicht vor allem schützen kann: Gibt es noch weitere größere Gefährdungen, auf die man neben dem Einbruch ein Auge haben sollte?
Dann ist da noch ein neuer Diebstahltrend, ohne Einbruch: Das bekannte Bankkarten-„Skimming“, also das Auslesen von Kartendaten und gegebenenfalls. eingetippter Geheimnummern mittels manipulierter Technik. Kriminelle werden mit diesem zunächst von Geldautomaten bekannten Vorgehen mittlerweile auch in Hotels aktiv. Die Münchner Polizei hat neulich eine rumänische Bande verhaftet, die ganz legal Zimmer in Hotels buchte, deren Rezeption nachts nicht besetzt war. Die Täter präparierten die Abrechnungsgeräte, die für unbare Zahlungen genutzt werden. Sie platzierten Skimming-Mikroelektronik in den EC-Lesegeräten. Nach drei bis vier Wochen holten sie die ergaunerten Informationen auf dieselbe Art wieder ab. Davor schützen sich Hotelbesitzer, indem sie zum Beispiel ihr Kartenlesegerät nachts zugriffssicher verschließen und eine Manipulation so ausschließen können.