Es waren spektakuläre Bilder und der Alptraum jedes Hoteliers: Im Februar des letzten Jahres ging in Peking das Prestigeprojekt einer namhaften Hotelkette mit über 200 Zimmern und 40 Suiten kurz vor der Eröffnung in Flammen auf. Glück im Unglück dabei – das Hotel war noch nicht bezogen, Personal und Gäste also nicht bedroht.
Ein weiteres, relativ junges Beispiel für die Gefahr, die von Bränden in Hotels ausgeht: Das Feuer im Hotel „Vier Jahreszeiten“ in St. Peter-Ording im März dieses Jahres. An den Löscharbeiten, die durch starke Rauchentwicklung erheblich behindert wurden, waren bis zu 100 Einsatzkräfte beteiligt.
Gäste und Personal wurden nicht verletzt. Vorfälle wie diese zeigen eindringlich die Wichtigkeit von umfassenden Brandschutzkonzepten für den Schutz von Menschenleben.
Höheres Brandrisiko
Die von Hotels und Gastronomie angebotenen Dienstleistungen wie die Nutzung von Tagungsräumen, Kochen in Gastronomie-Küchen und der Betrieb von Saunen führen zu einem erhöhten Brandrisiko. Hinzu kommt, dass Brände hier tendenziell mehr Menschen gefährden als in einer anderen Umgebung.
Deshalb müssen schon im Vorfeld bei der Planung, bei der baulichen Umsetzung, im täglichen Gebrauch und bei möglicherweise stattfindenden Umbauten Schutzmaßnahmen in die Überlegungen mit einbezogen werden. Wichtig dabei ist die individuelle Anpassung jedes Brandschutzkonzepts an die Anforderungen des jeweiligen Objekts.
Wirksame Konzeptziele
Das erste Ziel von Brandschutzmaßnahmen besteht grundsätzlich in der Prävention. Ist ein Brand aber einmal entstanden, greift das Brandschutzkonzept. Es ermöglicht allen Betroffenen, die Gefahrenzone sicher zu verlassen und gibt Rettungskräften den notwendigen Raum, um Brände wirksam zu bekämpfen. Wichtige Bestandteile des Brandschutzkonzepts sind dabei
- sichere Flucht- und Rettungswege, die eindeutig gekennzeichnet und frei von Hindernissen sind,
- funktionssichere technische Anlagen sowie Einrichtungen, also zum Beispiel geeignete Alarmsysteme,
- Brandschutzpläne und die Ausbildung und regelmäßige Schulung der Mitarbeiter.
Sicherheit durch Rundumschutz
Ein umfassendes Brandschutzkonzept für Hotels und Gastronomiebetriebe besteht aus baulichen, anlagentechnischen und organisatorischen Brandschutzmaßnahmen. Alle Bestandteile des Konzepts müssen in regelmäßigen Abständen überprüft und technischen Geräte gewartet werden, um im Fall eines Brandes einen reibungslosen Ablauf zu garantieren (genaue Informationen geben die VdS-Richtlinien 2082: Brandschutzkonzept für Hotel- und Beherbergungsbetriebe, Richtlinien für die Planung und den Betrieb. 2003-02).

Foto: VdS
Wesentliche Einflussfaktoren für die Wirksamkeit baulicher Brandschutzmaßnahmen sind die architektonische Ausgestaltung der Objekte, die Feuerwiderstandsfähigkeit der Tragwerke und das Brandverhalten der verwendeten Baustoffe.
Besondere Bedeutung kommt der Sicherung der Flucht- und Rettungswege zu.
Außerdem sind regelmäßig Beleuchtungsanlagen und Sicherheitsbeleuchtung, Feuerstätten und Heizung, elektrische Anlagen, Lüftungsanlagen und Blitzschutzanlagen auf ihre Funktionsfähigkeit hin zu untersuchen.
Die frühzeitige Entdeckung von Bränden und die sofortige Alarmierung hilfeleistender Stellen ist Voraussetzung für die wirksame und effektive Bekämpfung der Gefahrensituation.
Mögliche Systeme des anlagentechnischen Brandschutzes sind Hausalarmierungen: Es werden also Einrichtungen betrieben, mit denen Gäste rechtzeitig über einen Brand informiert werden können wie zum Beispiel Brandmeldung über Telefon, Druckknopfmelder oder über eine zentrale betriebsinterne Meldestelle, automatische Brandmeldeanlagen oder automatische Feuerlöschanlagen wie Sprinkleranlagen.
Den Rahmen für die Durchführung des Brandschutzkonzepts stellt der organisatorische Brandschutz dar. Wichtigste Maßnahme ist die Bestellung eines Brandschutzbeauftragten. Er stellt die Brandschutzpläne und die Brandschutzordnung auf, organisiert Übungen und Unterweisungen, arbeitet mit Brandschutzinstitutionen wie der Feuerwehr zusammen und organisiert, überwacht die Brandschutzkontrolle im Betrieb und beseitigt mögliche Mängel.
Weitere mögliche Bestandteile bei der Umsetzung des Brandschutzkonzepts und damit Garantie für die Sicherheit von Personal und Gästen sind die Brandschutzordnung, Brandschutzpläne, Orientierungspläne, Verhaltenshinweise im Brandfall, Hinweise zum Umgang mit Feuerarbeiten und Brandschutzunterweisungen.
Regelmäßige Überprüfungen für optimale Umsetzung
Gerade im täglichen Betriebsablauf werden die Sicherheitsvorschriften oft aus Bequemlichkeit oder Nachlässigkeit heraus nicht mehr eingehalten. Daher muss regelmäßig kontrolliert werden, ob die im Brandschutzkonzept festgelegten Maßnahmen sowohl vom Personal als auch von den Gästen tatsächlich umgesetzt werden.
Besonders im Auge zu behalten sind der Umgang mit Rauchrestzeugen und Abfällen, die Lagerung von brennbaren Materialien, das Aufstellen und der Betrieb von Koch- und Wärmegeräten sowie die Bedienung von Fritteusen.
Exkurs: Küchenschutzeinrichtungen
Ein mögliches Gefahrenpotenzial geht auch von Bränden in Gastronomie-Küchen aus, sie gefährden das Personal und können schwere Sachschäden verursachen. Geeignete Löschsysteme müssen gerade im Fall von Fettbrän- den höchste Anforderungen an den Brandschutz erfüllen und regelmäßig auf ihre Funktionsfähigkeit und Löschwirksamkeit hin überprüft werden.
Spezialdüsen sprühen flüssiges Löschmittel auf die brennende Fettoberfläche und in die Ablufthauben und -kanäle. Dieses Löschmittel unterbindet durch Aufschäumen die Sauerstoffzufuhr und kühlt den Brandherd ab, eine Wiederentzündung wird so verhindert.

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Fazit
Selbstverständlich geht es bei Brandschutzkonzepten in erster Linie um die Sicherheit von Menschenleben. Allerdings sind auch die wirtschaftlichen Auswirkungen wie der Einnahmeausfall durch Betriebsunterbrechungen und die zusätzlichen Kosten durch Renovierungen nicht zu unterschätzen.
Wie im Fall des Hotels in Peking: Es steht seit dem Brand leer, mit den Renovierungsarbeiten soll jetzt, über ein Jahr danach, begonnen werden.
Solche Schäden lassen sich vermeiden: Eine umfassende Absicherung in Form eines individuell angepassten Brandschutzkonzepts, das schon in der Planungsphase ansetzt, und regelmäßige Überprüfungen und Schulungen der Mitarbeiter helfen bei der Prävention.#
Im Ernstfall können Brandherde frühzeitig entdeckt und die Folgen möglichst gering gehalten werden.
Interview mit Hardy Rusch, VdS Schadenverhütung
Lösungen aus einer Hand

Hardy Rusch Foto: VdS
Hardy Rusch ist im VdS in der Abteilung Entwicklung und Organisation des Bereiches Brandschutz zuständig für den Baulichen Brandschutz, Baurecht, Sachverständigenanerkennungen, Risikoanalysen und Brandsimulationen.
gastgewerbe-Magazin: Wo liegen die typischen Ursachen für Brände in Hotels und Gaststätten?
Häufige Brandursachen sind zum Beispiel Mängel an elektrischen Betriebsmitteln, Feuerarbeiten, sorgloser Umgang mit Rauchzeugen und Brandstiftung. Schon bei der Planung und der Errichtung von Hotels und Gaststätten, aber auch im täglichen Betrieb und bei möglichen Umbauten müssen Schutzmaßnahmen gegen diese klassischen Brandursachen entwickelt werden. Am sichersten ist es, ein umfassendes, individuell angepasstes Brandschutzkonzept zu entwerfen. Aufgrund der Dienstleistungen, die in Hotellerie und Gastronomie angeboten werden, ergibt sich regelmäßig eine erhöhte Brandgefahr. Die besondere Verantwortung der Betriebe liegt hier primär in der Sicherung von Menschenleben. Es gilt außerdem zu bedenken, dass die Folge von Bränden Existenzen vernichten können, zum Beispiel durch Betriebsunterbrechungen, in denen kein Einkommen erzielt werden kann.
In Hotels und Betrieben des Gaststättengewerbes kommt es immer wieder zu folgenschweren Bränden. Wird die Aufgabe Brandschutz unterschätzt?
Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Fakt bleibt jedoch, dass das Thema Brandschutz immer noch viel zu sehr vom persönlichen Verantwortungsbewusstsein der Hoteliers und Gaststättenbetreiber abhängig ist. Selbst in Europa gelten unterschiedliche Vorschriften, so dass ein einheitlicher Standard beim Brandschutz in den EU-Mitgliedstaaten noch in weiter Ferne liegt. Verschiedene Studien wie beispielsweise der vom Verband der britischen Reiseveranstalter in Auftrag gegebene „Kidd-Report“ verweisen jedoch auf zum Teil erhebliche brandschutztechnische Mängel in Hotels. Da gibt es noch einiges zu tun.
Welche Lösungen bietet VdS in diesem Zusammenhang?
Wer optimale Sicherheitskonzepte anstrebt, möchte nicht von Pontius zu Pilatus laufen. VdS Schadenverhütung bietet eine Systemlösung, ein Konzept aus einer Hand. Dabei begleitet VdS seine Kunden von der ersten Planung über die Inbetriebnahme bis hin zu Wiederholungsprüfungen von Brandschutzanlagen. Gleichzeitig ist VdS der kompetente Ansprechpartner für die Durchführung von Brandschutzschulungen für Mitarbeiter. Diese Rundumbetreuung ist einmalig in Deutschland.
Was sind die Vorteile für Hotellerie und Gastronomie durch die Zertifizierung individueller Brandschutzmaßnahmen?
Wer essen geht oder in einem Hotel übernachtet, erwartet selbstverständlich, vor Gefahren geschützt zu werden. Es gehört zu den Aufgaben der Geschäftsführung eines Hotels oder eines Restaurants, dafür auch im Brandfall zu sorgen. Ein individuelles wirksames Brandschutzkonzept garantiert also die Sicherheit von Gästen und Personal und erhält gleichzeitig den guten Ruf eines Hauses. Dadurch sichert es die Arbeitsplätze von Beschäftigten und die Existenz eines Betriebes. Darüber hinaus sehen wir in der Entwicklung von umfassenden Brandschutzkonzepten und der Zertifizierung dieser Maßnahmen auch die Möglichkeit für Hotellerie und Gastronomie, neue Kundengruppen zu erschließen. Einzelne Unternehmen lassen ihre Gäste nur noch in Hotels unterbringen, wenn der Brandschutz von anerkannter Stelle zertifiziert ist.


1 Kommentar
Sehr geehrte Damen / Herren,
das Thema Brandschutz ist sicherlich sehr wichtig, wirt aber doch sehr stark vermarktet. Ein Brand in Peking sowie in St. Peter Ording kann nicht als Anlass für die in Ihrem Bericht aufgelisteten Vorschläge für die vielen Hotels-Gasthäuser- und Pensionen herangezogen werden. Des weiteren ist die Darstellung dass der Brandschutz vom persönlichen Verantwortungsbewustsein der Betreiber abhängig ist, sowie die Forderung nach einer EU Richtlinie weder richtig, noch nötig.
mit freundlichen Gruß
Josef Eisinger
Kommentar by Eisinger josef — 7. Juni 2010 um 20:33
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