Wenn sich ein Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht mehr aus eigener Kraft retten kann, folgt der Gang in die Insolvenz. „Auch wenn das für viele erst einmal ein Schlag ist: Eine Insolvenz muss nicht das Ende bedeuten. Die deutsche Insolvenzordnung hat Möglichkeiten geschaffen, Unternehmen im Schutz des Insolvenzrechts zu sanieren und zu erhalten“, sagt Rechtsanwalt und Betriebswirt Dirk Hammes. Er ist namensgebender Gründungspartner der vornehmlich insolvenzrechtlich tätigen Kanzlei hammes. mit Standorten in Bochum, Duisburg, Düsseldorf, Essen und Kleve, die er gemeinsam mit Rechtsanwalt Mark Steh führt. Dirk Hammes belegt aktuell Platz 4 der deutschlandweit am meisten bestellten Insolvenzverwalter. Er ist im ersten Halbjahr 2016 in 22 Unternehmensinsolvenzverfahren bestellt worden.

Insolvenzplan als Sanierungsinstrument

„Die Insolvenzordnung hat den Fokus auf die Sanierung von Schuldnern bei gleichzeitig bestmöglicher Gläubigerbefriedigung gelenkt und dafür neue Instrumente geschaffen. Eines davon ist der Insolvenzplan beziehungsweise das Insolvenzplanverfahren. Mithilfe des Insolvenzplans als Sanierungsplan lassen sich Unternehmen unter Mitwirkung der Gläubiger und der Schuldnerorgane unter gewissen Umständen erhalten“, sagt Dirk Hammes, der den Insolvenzplan regelmäßig als Sanierungsinstrument einsetzt. Im Kern stelle das Insolvenzplanverfahren einen vorwiegend vom Insolvenzverwalter erarbeiteten und koordinierten Vergleich dar, durch den sowohl die Gläubiger bestmöglich befriedigt werden sollen als auch das Unternehmen unter der Führung des bisherigen Eigentümers erhalten bleiben soll. Schließlich weist Dirk Hammes darauf hin, dass die bestmögliche Gläubigerbefriedigung immer im Fokus seiner Arbeit stehe: „Natürlich ist die Rettung eines Unternehmens erfreulich. Aber wir sind der Insolvenzordnung verpflichtet, und diese gibt eben vor, dass die Gläubiger eines Verfahrens im Fokus stehen.“

Höhere Quoten für Gläubiger

Rechtsanwalt und Betriebswirt Dirk Hammes ist namensgebender Gründungspartner der vornehmlich insolvenzrechtlich tätigen Kanzlei hammes.

Rechtsanwalt und Betriebswirt Dirk Hammes ist namensgebender Gründungspartner der vornehmlich insolvenzrechtlich tätigen Kanzlei hammes. (Foto: hammes)

Gerade deshalb betont der bekannte Insolvenzverwalter jedoch die Wirkung des Insolvenzplans. „Die Praxis zeigt, dass ein Insolvenzplanverfahren zahlreiche Vorteile für die Gläubiger mit sich bringt. So besitzen sie in dem Verfahren wesentlich mehr Mitbestimmungsrechte, da sie über die Annahme des Insolvenzplans als Sanierungsinstrument entscheiden, und können oftmals auch höhere Quoten als im Regelinsolvenzverfahren erhalten, die zudem schneller zur Auszahlung kommen. Das bedeutet, dass Gläubiger im Insolvenzplanverfahren ihre Interessen möglicherweise viel stärker durchsetzen können als im Regelinsolvenzverfahren oder auch der Eigenverwaltung ohne Insolvenzplan“, weiß Dirk Hammes aus Erfahrung. Er gehört zu den Kritikern der Eigenverwaltung, die im ESUG, dem Gesetz zur weiteren Erleichterung zur Sanierung von Unternehmen, seit 2012 geregelt ist. „Die Praxis zeigt, dass Gläubiger in der Eigenverwaltung oft Nachteile haben. Der gerichtlich bestellte Sachwalter macht sich nicht selten zum Gehilfen des Sanierungsberaters auf Seiten des Schuldners und kommt seinen Anzeigenpflichten nicht beziehungsweise nicht ordentlich nach. Wir sehen einen Wechsel weg von gesetzlichen Aufgaben hin zu berater- und schuldnerfreundlichem Verhalten.“

Und auch für die Schuldner sei die Eigenverwaltung nicht immer der beste Weg. Ihnen werde suggeriert, dass sie nur durch die Eigenverwaltung ihr Unternehmen erhalten könnten, und sie zahlen dann hohe Beratungshonorare. „Bei immer mehr Unternehmen, die ein Verfahren in Eigenverwaltung durchlaufen haben, folgt später die Regelinsolvenz. Die Sanierung ist dann aber sehr schwierig, weil das Geld im Vorfeld ausgegeben wurde.“

Zwar könnten Unternehmer bei der Eigenverwaltung mitbestimmen – aber auch bei einem Verfahren unter Fremdverwaltung stimmt der Insolvenzverwalter den Insolvenzplan mit ihnen ab. Sie müssten dem Plan zustimmen, betont Dirk Hammes, um eine nachhaltige Lösung der Probleme zu erreichen und die Zukunft des Betriebs zu erarbeiten. Habe das Gericht den Insolvenzplan bestätigt, werde das Insolvenzverfahren aufgehoben. Der Schuldner erhalte damit das Recht zurück, frei über sein Vermögen zu verfügen – er bleibt also Eigentümer seines nun wieder gesunden Unternehmens. Der Plan sieht konkrete Maßnahmen zur Neuaufstellung des Betriebs vor, sowohl auf betriebswirtschaftlicher als auch auf strategischer Seite.

Sanierungsplan mit Potenzial

Der Rechtsanwalt warnt aber davor, den Insolvenzplan als Selbstzweck anzusehen. „Er legitimiert ein grundsätzlich insolventes Unternehmen nicht zu einem ‚Weiter so!‘, sondern er muss zwingend und mit allen Konsequenzen eingehalten werden. Ist das nicht der Fall, kann das dazu führen, dass im Plan vorgesehene Stundungen oder ein teilweiser Erlass von Forderungen hinfällig werden. Der Weg des Schuldnerunternehmens führt für diesen Fall dann wieder ins Insolvenzverfahren.“ Und dass die Gläubiger dann einer Rettung über den Sanierungsplan noch einmal zustimmen beziehungsweise dieser überhaupt möglich sei, dafür könne niemand garantieren.

Dirk Hammes ist der Auffassung, dass der Insolvenzplan ein wichtiges Instrument ist. Die Praxis beweise, dass Insolvenzpläne zum Erfolg für alle Beteiligten führen könnten – sofern das Unternehmen leistungswirtschaftlich wirklich saniert werden könne und es seitens der Gläubiger keine schwerwiegenden Zweifel am an der Kompetenz und Redlichkeit der Unternehmensführung gebe. „Bislang jedoch sind weniger als ein Prozent aller Insolvenzverfahren über einen Insolvenzplan beendet worden, sodass das Instrument noch weiteres Potenzial besitzt. Es bietet sich für Unternehmen in allen Größen und aus allen Branchen an, die sich wirklich sanieren lassen.“