Dass es der Wirtschaft in Deutschland grundsätzlich gut geht, zeigen verschiedene Indikatoren. Einer ist die Zahl der Arbeitslosen, die seit längerem bereits auf einem durchaus niedrigen Stand verharrt. Ein anderer ist die Zahl der Insolvenzen, die sich ebenfalls weiter rückläufig entwickelt. Im 1. Halbjahr 2015 wurden 11.100 Unternehmensinsolvenzen (1. Halbjahr 2014: 12.060) und 40.200 Verbraucherinsolvenzen (1. Halbjahr 2014: 43.870) registriert. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen verringerte sich somit um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen nahm um 8,4 Prozent ab, meldet die Wirtschaftsauskunftei und Wirtschaftsforschung Creditreform. Gründe für die anhaltend positiven Entwicklungen im Insolvenzgeschehen bei den Unternehmen seien die stabil gute Binnenkonjunktur und günstige Finanzierungsbedingungen. Kleine und mittlere Unternehmen hätten zudem mehr Eigenkapital aufgebaut und so an Stabilität gewonnen.

Dabei ergeben sich aber deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Wirtschaftsbereichen, Unternehmensgrößen und Gesellschaftsformen. Ein deutlich rückläufiges Insolvenzgeschehen verzeichnet das Dienstleistungsgewerbe. Gegenüber dem Vorjahr sank die Zahl der Insolvenzen in diesem Wirtschaftsbereich um 10,1 Prozent auf bundesweit 6170 Fälle. In der überwiegenden Mehrzahl (84,3 Prozent) sind hier Kleinstbetriebe betroffen, also Unternehmen mit einem Jahresumsatz von maximal 100.000 Euro. Sie machen ohnehin rund ein Viertel aller Insolvenzfälle in Deutschland aus, danach folgen mit einem Anteil von 22 Prozent Betriebe mit einem Jahresumsatz bis 250.000 Euro. In den insolventen Unternehmen waren zudem mehrheitlich (79,8 Prozent der Fälle) maximal fünf Mitarbeiter beschäftigt (Vorjahr: 80,4 Prozent). Leicht zugenommen hat die Bedeutung mittlerer und größerer Unternehmen in den Größenklassen 51 bis 100 Mitarbeiter sowie mehr als 100 Mitarbeiter, erläutert Creditreform weiter. Eine Zunahme in der Insolvenzbetroffenheit verzeichnet die Rechtsform der UG (haftungsbeschränkt). 7,5 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen firmierten als Unternehmergesellschaft (Vorjahreszeitraum: 7,1 Prozent). Dagegen verringerte sich der Anteil der „normalen“ GmbH sowie der GmbH & Co. KG.

Insolvenzrisiken in der Gastronomie

Gleichzeitig – und das ist etwas besorgniserregend – ist die Gastronomie laut den Erhebungen der Creditreform eine besonders risikobehaftete Branche. So liegt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen je nach 10.000 Betrieben bei Restaurants, Gaststätten, Imbissstuben, Cafés, Eissalons etc. bei 490 – das ist der dritthöchste Wert aller Branchen, nur bei Abbruchunternehmen und Detekteien ist die Quote noch höher. Die „sonstige getränkegeprägte Gastronomie“ liegt übrigens mit 426 Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen auf Platz 9 der Negativliste, Diskotheken und Tanzlokale schaffen es mit 466 Insolvenzen auf Platz 5.

Insolvenz ist nicht das Ende

Insolvenzverwalter und Sanierungsberater Georg F. Kreplin von der Düsseldorfer Kanzlei Kreplin & Partner

Insolvenzverwalter und Sanierungsberater Georg F. Kreplin von der Düsseldorfer Kanzlei Kreplin & Partner (Foto: Kreplin & Partner)

Die Insolvenz ist für viele Unternehmen das Schreckgespenst überhaupt. Sie wird mit dem Verlust des eigenen Betriebes und dem persönlichen Scheitern gleichgesetzt. Und natürlich: Eine Insolvenz ist nichts, das man als Unternehmer unbedingt braucht – aber sie ist auch nicht das Ende, wie Rechtsanwalt Georg F. Kreplin betont. Der Düsseldorfer Insolvenzverwalter und Sanierungsberater ist namensgebender Partner von Kreplin & Partner und, hat bereits eine Vielzahl von Unternehmen durch die Insolvenz begleitet und kann auf eine hohe Quote an erfolgreichen Sanierungen zurückblicken. „Mit einer Insolvenz muss nicht automatisch ‚Schluss’ sein. Insolvenzverwalter sind heute, im Gegensatz zu früher, immer auch Sanierungsexperten, die die Gläubiger zufrieden stellen müssen, gleichzeitig ein Unternehmen aber durch strategische Entscheidungen möglichst in Abstimmung mit der Geschäftsführung wieder in die richtige Spur bringen wollen. Ziel eines jeden Insolvenzverfahrens ist es, dass der Betrieb zukunftsfähig neu aufgestellt wird. Dazu gehört es natürlich auch, Arbeitsplätze so gut es geht zu erhalten.“

Dieses Vorgehen habe sich in den vergangenen Jahren herausgebildet; noch in den 90er Jahren kam eine Insolvenz letztlich häufig einer Zerschlagung des Unternehmens gleich.

Eine Sanierung sei natürlich nicht immer möglich, aber durchaus regelmäßig der Fall – vor allem bei Insolvenzverwaltern wie Georg F. Kreplin, die für ihren Sanierungswillen bekannt sind. Der Rechtsanwalt wird nach Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens vom Gericht zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt und übernimmt dann häufig gemeinsam mit der bisherigen Geschäftsführung die weitere Kontrolle des zahlungsunfähigen Unternehmens. „Gemeinsam mit den Spezialisten für Buchhaltung, Einkauf, Rechnungswesen etc. aus unserer Kanzlei nehmen wir dann Einblick in alle Strukturen und planen das weitere Vorgehen.

Dabei tauchen regelmäßig die gleichen Fragen auf: Können Unternehmensteile verkauft werden? Wie funktioniert die Neupositionierung am Markt? Können Speisen- und Getränkeangebot angepasst werden? Sind neue Lieferverträge und eine Verringerung der Kostenlast möglich? An welchen Stellen sind Management-Fehler gemacht worden? Haben wir das alles beantwortet, sehen wir, ob sich ein Unternehmen künftig neu führen lässt oder es liquidiert werden muss“, sagt Kreplin und nennt dabei typische Fragestellungen aus Hotellerie und Gastronomie.

In der Insolvenz stehen dem Verwalter – und damit dem Unternehmen – zahlreiche Instrumente zur Verfügung, die bei der Sanierung helfen können. Die Bandbreite reicht von Sonderkündigungsrechten bei Verträgen bis hin zum Insolvenzgeld, das anstatt des regulären Gehaltes gezahlt wird. „Damit schafft der Gesetzgeber die Möglichkeiten, ein Unternehmen neu aufzustellen“, sagt Kreplin. Aber er betont auch, dass die Insolvenz nicht das Mittel ist, um sich „mal eben“ aus wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu befreien. Im Mittelpunkt stehe primär immer die Befriedigung der Gläubiger eines Schuldners, erst danach die Rettung des Unternehmens; selbst der Unternehmer habe dabei regelmäßig die Möglichkeit, den Betrieb nach Abschluss des Verfahrens selbst fortzuführen. „Dafür kommen dann eine sogenannte übertragende Sanierung oder auch ein Insolvenzplanverfahren in Betracht.“

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