Viele Hoteliers und Gastronomen klagen darüber, keinen Nachfolger für ihren Betrieb in der Familie zu haben – oftmals liegt dies aber nicht daran, dass es keine jüngere Generation gibt, sondern dass diese das Unternehmen einfach nicht haben wollen. „Sie haben gesehen, was die unternehmerische Verantwortung im Gastgewerbe für die Eltern und die Familie bedeutet hat. Deshalb gehen sie häufig lieber andere Wege“, sagt Klaus Theo Friederichs, Inhaber des Vier-Sterne-Hotels Friederichs in Duisburg. Sein Haus gehört zu den führenden am Platz, hat eine dauerhaft sehr stabile Auslastung – und Klaus Theo Friederichs befindet sich zudem in der komfortablen Situation, sich über die Zukunft wesentlich weniger Gedanken machen zu müssen als so mancher Wettbewerber.

Heidi und Klaus Theo Friederichs führen das Hotel Friederichs, wollen sich aber mehr und mehr zurückziehen.

Heidi und Klaus Theo Friederichs führen das Hotel Friederichs, wollen sich aber mehr und mehr zurückziehen. (Foto: Hotel Friederichs)

Denn sein Sohn Sebastian und seine zukünftige Schwiegertochter Lisa stehen bereits in den Startlöchern, das Hotel Friederichs in absehbarer Zeit zu übernehmen. Sebastian Friederichs hat eigentlich Informatik studiert und sich sehr früh mit dem System „reservento“, einer Mischung aus Hotel-Software und Online-Buchungsmaschine, selbstständig gemacht. „Aber nach langem Überlegen habe ich mich dazu entschieden, den Familienbetrieb weiterzuführen. Ich habe die Diskussion erst angestoßen.“ Die Anforderungen kennt er. Schon als Kind hat Sebastian Friederichs viel Zeit im Restaurant seines Vaters verbracht, während seine Großeltern das Hotel leiteten.

„Unser ‚La Provence‘ war sogar mit einem Michelin-Stern und 18 Punkten im ‚Gault-Millau‘ ausgezeichnet. Wir haben also auf sehr hohem Niveau gearbeitet“, berichtet der gelernte Koch Klaus Theo Friederichs. Das habe sich dann auch im Hotel fortgesetzt. Nachdem die Gründer ausgeschieden sind, wurde der Betrieb zunächst verpachtet, bis Klaus Theo Friederichs und seine Frau Heidi das zentral gelegene Hotel 2000 übernahmen, komplett sanierten und im Jahr 2003 das „Bistro NT“ schufen. Der Anspruch: ausgewählte Küche auf hohem Niveau zu bieten, aber eben ohne Stern. „Dass das funktioniert, zeigt sowohl die Auslastung des Restaurants als auch der Zuspruch vieler früherer ‚La Provence‘-Gäste.“

Ausbildungen zum Meister

Im Laufe der Zeit habe sich dann bereits eine gewisse Arbeitsteilung ergeben: Während Klaus Theo Friederichs sich mit seiner Frau wie in alten Zeiten um das Restaurant kümmerte, war Sohn Sebastian – sowohl als Student als auch danach – immer stärker in den Hotelbetrieb eingebunden und betreut längst federführend unter anderem den Marketingbereich. „Diesen kenne ich jetzt bereits sehr gut, und natürlich ist mir auch das Restaurant alles andere als fremd“, sagt der künftige Inhaber, der gerade seine Fortbildung zum Hotelmeister durchläuft und auch als Koch einige Erfahrung besitzt – trotz fehlender Ausbildung. Dies ist für Klaus Theo Friederichs ein wichtiger Punkt und auch bei der Nachfolgeplanung entscheidend.

Werden das Hotel Friederichs übernehmen: Sebastian Friederichs und seine Verlobte Lisa.

Werden das Hotel Friederichs übernehmen: Sebastian Friederichs und seine Verlobte Lisa. (Foto: Hotel Friederichs)

„Ein Inhaber darf nie erpressbar sein, sondern muss alles selbst auf hohem Niveau beherrschen. Das gefährdet sonst den Betriebserfolg.“ Und somit sei Sebastian Friederichs gut aufgestellt, um Hotel und Bistro in eine stabile Zukunft zu führen, zumal seine Verlobte Lisa schon im Bistro ihre Lehre zur Restaurantfachfrau absolviert hat und damit Anforderungen und Abläufe sehr gut kennt. Auch sie bildet sich derzeit zur Restaurant-Meisterin fort und ist zukünftig für den Service und das Wohl der Gäste verantwortlich. Und in der Küche steht mit zwei erfahrenen Köchen ein eingespieltes Team am Herd, das die kulinarischen Vorgaben der Inhaber umsetzt, vom Bouillabaisse-Salat bis zum Kürbissüppchen mit gerösteten Jakobsmuscheln, vom Zwiebel-Senf-Roastbraten mit Bratkartoffeln und Salat bis zum Ibericorücken-Steak mit dicken Bohnen.

Dennoch wird die Nachfolge kein Selbstläufer, ist sich Klaus Theo Friederichs sicher. „Die gut funktionierende Struktur von Hotel und Bistro muss natürlich weiterentwickelt werden. Das gilt vor allem in der Gastronomie, dort müssen Sebastian und Lisa dauerhaft einen eigenen Gästekreis aufbauen. Und da der Betrieb unsere Altersvorsorge ist, muss es natürlich auch wirtschaftlich so funktionieren, dass zwei Generationen davon ordentlich leben können.“ Einen festen Zeitplan für den Vollzug der Übernahme gibt es indes nicht. Sebastian Friederichs soll zwar schnellstmöglich die vollständige operative Verantwortung übernehmen, aber Vater Klaus Theo will sich nicht von jetzt auf gleich zurückziehen. „Die Nachfolge ist ein gleitender Prozess. Ich werde meinem Sohn nicht jeden Tag auf den Füßen stehen, aber ich werde eine Kontrollfunktion übernehmen und ihn beispielsweise bei kaufmännischen Fragen unterstützen. Wir haben ja beide großes Interesse daran, dass der Betrieb gut läuft.“ Strategisch wolle sich der Inhaber nicht einmischen – solange es eben funktioniere. „Sebastian soll von unseren Erfahrungen lernen.“

Für Sebastian Friederichs ist das ein sehr guter Angang. Er will keine Schnellschüsse, sondern die Zusammenarbeit. „Der Übergang soll behutsam erfolgen. Aber sobald alles klappt, steigen die Eltern aus dem Betrieb aus.“


Unternehmensverkauf – auf Bewertung achten

Hat oder findet ein Eigentümer keinen familiären Nachfolger für die Unternehmensübertragung, steht regelmäßig ein Verkauf zur Debatte. Dr. Christopher Riedel weist dabei auf zwei entscheidende Fragestellungen hin. „Die erste lautet: Habe ich eigentlich ein übergabefähiges Unternehmen? Und die zweite ist: Wie lege ich eigentlich den Wert und damit den Verkaufspreis fest?“

Ohne gute Marktpositionierung und Substanz sei es schwierig, einen Betrieb zu veräußern, sodass Eigentümer frühzeitig darauf hinarbeiten müssten, ein attraktives Unternehmen zum Verkauf zu stellen. „Der Kaufpreis setzt sich zumeist aus einer Mischung aus dem Substanzwertverfahren, das sich an der Unternehmensbilanz beziehungsweise anderen Jahresabschlussmethoden orientiert, gutem Willen und Verhandlungsgeschick zusammen. Oft werden auch der Jahresumsatz und die Vermögensgegenstände wie Immobilien und Einrichtung zugrunde gelegt“, sagt Christopher Riedel, der Mandanten auch bei Unternehmenstransaktionen bis zu gewissen Größenordnungen berät.