Daran erinnern sich sicherlich viele Menschen. Ende Mai ging alles rasend schnell: Riesige Wasser- und Schlammmassen wälzten sich quer durch Braunsbach. Innerhalb von 20 Minuten zerstörten sie den kleinen Ort im Landkreis Schwäbisch Hall. Privathäuser wurden genauso zerstört, wie kleine Wirtschaften und Hotels. „So oder so ähnlich kann es jeden Hotelier in Deutschland treffen. Bei aller Prävention und Vorsicht brechen immer wieder Feuer aus oder Hochwasser zerstören den Betrieb. Zufall, Naturgewalten, Brandstiftung und menschliches wie technisches Versagen lassen sich nicht steuern – sollten aber immer beim Versicherungsschutz bedacht werden“, sagt Alexander Fritz, Geschäftsführer der Fritz & Fritz Risikoberatung (Margetshöchheim). Er ist auf Risikomanagement-Konzepte und Pakete zur Unternehmensabsicherung für die Hotellerie spezialisiert.

„Dabei geht man, wenn eine Versicherung abgeschlossen wird, selten vom schlimmsten Fall aus, dem Totalschaden. Aus der Erfahrung weiß man, dass es bei kleineren Schäden kaum Probleme mit der Versicherung gibt. Man meldet den Schaden, die Versicherung zahlt in der Regel ohne Prüfung. Tritt jedoch der Millionenschaden ein, greifen ganz andere Mechanismen. Sachverständige kommen ins Haus, Nachweise müssen erbracht und jeder Anspruch muss belegt werden. Die Zahlung ist erstmal ungewiss.“

Versicherungssummen nicht zu niedrig ansetzen

Dabei gelte aber laut Alexander Fritz: Wer alle Pflichten erfüllt habe und richtig versichert sei, dem werde die Versicherung keinen Stein in den Weg legen. Mehr noch: Der Versicherer sei eigentlich interessiert, Großschäden schnell zu beseitigen. Denn die Kosten der Betriebsunterbrechung müsse er zahlen. „Um jedoch schnelle und zudem ausreichend große Zahlungen zu erhalten, muss der Vertrag erstmal das halten, was er bei Abschluss versprochen hat. Grundlage dafür ist zunächst der versicherte Gegenstand. Wird in der Police ein falscher Versicherungswert angesetzt, um Geld zu sparen, kann der Versicherungsnehmer auch nicht erwarten, dass er im Falle eines Schadens alles zurückerhält“, warnt der Versicherungsexperte.

Schwierig, den Überblick zu behalten

Alexander Fritz, Geschäftsführer der Fritz & Fritz Risikoberatung (Margetshöchheim). Er ist auf Risikomanagement-Konzepte und Pakete zur Unternehmensabsicherung für die Hotellerie spezialisiert.

Alexander Fritz, Geschäftsführer der Fritz & Fritz Risikoberatung (Margetshöchheim). Er ist auf Risikomanagement-Konzepte und Pakete zur Unternehmensabsicherung für die Hotellerie spezialisiert. (Foto: Fritz & Fritz)

Dabei lasse sich die berüchtigte „Unterversicherung“ leicht vermeiden. Eine professionelle Bewertung bei Abschluss des Versicherungsvertrages und eine regelmäßige Wertfortschreibung sorgten dafür, dass die Versicherung einen Unterverzichtsverzicht bestätige. Entstehe ein Großschaden, gelte die Summe als richtig, Zahlungen flössen schneller und stärker. Ein weiterer wichtiger Faktor laut Alexander Fritz sei die Einhaltung der gesetzlichen, behördlichen und Sicherheitsvorschriften. Hinzu kämen Aufgaben und Pflichten, die der Versicherungsvertrag vorsehe.

Alexander Fritz gibt in Beispiel dazu: Im Schloss Hallburg in Dettelbach (Unterfranken) bricht ein Großbrand aus. Als Ursache wurde ein Defekt im Sicherungskasten ermittelt. Da der Versicherungsnehmer nachweisen kann, dass die Überprüfung der Anlagen regelmäßig erfolgte, zahlt die Versicherung schnell entsprechende Vorschusszahlungen.

„Bei einer Vielzahl von Vorschriften bleibt es jedoch schwierig, den Überblick zu behalten. Kommen dann noch Mitarbeiter hinzu, die mit bestimmten Überwachungspflichten betraut werden, wird es fast unmöglich, alle Pflichten perfekt zu erfüllen. Deshalb sollte der Versicherungsvertrag einen ‚Airbag‘ enthalten: Den Einschluss der groben Fahrlässigkeit. Entsteht ein Schaden, weil der Versicherungsnehmer einen Fehler begeht, zahlt die Versicherung trotzdem. Entscheidend ist hier die Höhe der Regulierung. Einige Gesellschaften definieren eine Maximalgrenze für grobe Fahrlässigkeit, einige zahlen bis zur vollen Versicherungssumme“, sagt der Fritz & Fritz-Geschäftsführer.

Er weist auch auf aktives Risikomanagement hin. Viele Großschäden ließen sich dadurch vermeiden. Elektrische Anlagen müssten regelmäßig geprüft, Mitarbeiter auf Verhaltensregeln geschult werden. Die jährliche Analyse der Versicherungen sorge dafür, dass keine Unterversicherung den Schutz bedrohe.