Hoteliers und Gastronomen stehen Zeit ihres unternehmerischen Lebens vor einer wichtigen Aufgabe. Sie müssen fürs Alter vorsorgen, um ihren Ruhestand zu finanzieren. Und das tun die meisten mithilfe von Lebens- beziehungsweise Rentenversicherungsverträgen, im Schnitt besitzt jeder Deutsche einen solchen Vertrag – was bedeutet, dass viele Menschen auch mehrere haben.
Aber die Erfahrung zeigt, dass nicht alle Inhaber mit ihren Verträgen für den Vermögensaufbau und die Vorsorge zufrieden sind. Durch die Dynamik an den Finanzmärkten haben sich Muster der Vergangenheit verändert, die Sparer suchen andere Lösungen und wollen sich immer häufiger neu strukturieren. „Das führt dazu, dass Sparer ihre Lebens- beziehungsweise Rentenversicherungsverträge kündigen wollen. Das ist aber oftmals nicht einfach und mit viel Aufwand verbunden, und der Geldverlust kann aufgrund des aktuellen Rückkaufwertes hoch sein. Sparer bekommen bei einem Rückkauf aus dem laufenden Vertrag nur selten das heraus, was sie über die Jahre hinweg eingezahlt haben“, sagt Sascha Wortmann, Inhaber von Wortmann Finanzen & Beratung in Mönchengladbach, einem Berater und Makler für Finanz- und Versicherungsprodukte.
Sparer haben jetzt die Möglichkeit, unter gewissen Bedingungen ihre Verträge zu kündigen und die gesamte eingezahlte Summe zurückzuerhalten. Ein Urteil des Bundesgerichtshofs bezieht sich auf Verträge, die zwischen Juli 1994 und Ende 2007 geschlossen worden sind und in deren Rahmen die Kunden nicht über die Vertragsbedingungen und vor allem die Widerrufsfrist informiert worden sind. „Ist das der Fall, ist die komplette Rückabwicklung möglich. Dass das funktioniert, hat die große Zahl der erfolgreichen Widerrufe bei Immobilien-Darlehensverträgen gezeigt. Viele Menschen konnten durch eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung die bestehende Finanzierung rückabwickeln und somit neue Konditonen verhandeln – zu wesentlich geringeren Zinsen, wohlgemerkt“, erläutert Sascha Wortmann.

Vorgaben für korrekte Widerrufsbelehrung

Sascha Wortmann berät Kunden beim Widerruf von Renten- und Lebensversicherungen und der Neuanlage des Vermögens.

Sascha Wortmann berät Kunden beim Widerruf von Renten- und Lebensversicherungen und der Neuanlage des Vermögens. (Foto: Wortmann Finanzen)

Die Widerrufsbelehrung ist Pflicht in jedem Vertrag zwischen Verbraucher und Unternehmen dazu, sie regelt das auf
14 Tage begrenzte Widerrufsrecht. In dieser Zeit (die mit der Belehrung beginnt) kann der Verbraucher den Vertrag ohne Angabe von Gründen lösen und sein Geld zurückverlangen beziehungsweise generell die Zahlung ausschließen. Das Gesetz definiert bestimmte Vorgaben, die die Widerrufsbelehrung erfüllen muss, um konform zu sein. Beispielsweise muss verständlich formuliert sein und bestimmte Punkte enthalten, etwa dass ein Widerrufsrecht bestehe, es keiner Begründung beim Widerruf bedürfe und der Widerruf in Textform oder durch Rücksendung der Sache erklärt werde. „Ist das nicht der Fall, beginnt die Frist nie, sodass der Verbraucher aus dem Vertrag jederzeit ohne Begründung aussteigen kann“, betont der Finanzexperte.
Für Hoteliers und Gastronomen mit Lebens- beziehungsweise Rentenversicherungsverträgen bedeutet das konkret: Ist die Widerrufsbelehrung ihrer Verträge nicht korrekt, können sie aussteigen und über die komplett eingezahlte Summe verfügen. Darüber hinaus müsse die Versicherung eine Nutzungsentschädigung zahlen, dass sie mit den Beiträgen des Kunden selbst Geld verdient habe. „Gemeinsam mit einer spezialisierten Kanzlei übernehmen wir die Prüfung der Verträge und die Abwicklung des Widerrufs. Darüber hinaus kann ich Sparern nur raten, das frei werdende Vermögen direkt wieder flexibel und rentierlich anzulegen, um das spätere Ruhestandseinkommen nicht zu gefährden“, betont Sascha Wortmann, der zur finanziellen Absicherung des Widerrufs eine kurzlaufende Rechtsschutzversicherung für seine Kunden einsetzt und damit die Anwaltskosten deckt. Die Widerrufsmöglichkeit gelte auch für Verträge, die bereits gekündigt, beitragsfrei gestellt oder bei Vertragsende bereits ausgezahlt worden seien. Das betont auch die Verbraucherzentrale.