DEHOGA Präsident Guido Zöllick

Jeder sollte zum Botschafter der Branche werden

Ein Jahr nach seiner Wahl zum Präsidenten des DEHOGA Bundesverbandes blickt Präsident Guido Zöllick im Exklusiv-Interview auf die politische Arbeit im vergangenen Jahr zurück und gibt einen Ausblick auf die weiteren Herausforderungen. Sein Aufruf: Jeder Unternehmer sollte sich im Interesse der Branche engagieren.

Guido Zöllick
© Svea Pietschmann

Gastgewerbe-Magazin: Sie sind seit gut einem Jahr im Amt; was war für Sie die größte Herausforderung?

Guido Zöllick: Als langjähriger Vizepräsident des DEHOGA und nach zwölfjähriger Präsidentschaft in Mecklenburg-Vorpommern wusste ich natürlich grundsätzlich, auf was ich mich einlasse. Die Themen und Instrumentarien waren mir vertraut. Gleichwohl bewegen sich die zeitlichen und detaillierten inhaltlichen Anforderungen und Verpflichtungen in der Hauptstadt und in ganz Deutschland dann doch in einer anderen Dimension. Um hier erfolgreich wirken zu können, sind Organisationsvermögen und Zeitmanagement, Disziplin und Zielfokussierung unverzichtbar. Die Wahrnehmung der verschiedensten Termine und Einladungen in allen Ecken unseres Landes, denen ich möglichst allen nachkommen wollte, war sicherlich die größte Herausforderung. Dass ich das dann alles so geschafft habe, verdanke ich auch den engagierten und eingespielten Teams, ob im DEHOGA Bundesverband oder in meinem Betrieb, dem im Hotel NEPTUN in Warnemünde.

Auf politischer Ebene gab es im vergangenen Jahr drei Landtagswahlen und die Bundestagswahl. Wie fällt Ihre Bilanz aus gastgewerblicher Sicht aus?

Vor dem Hintergrund der gerade erst aufgenommenen Gespräche zwischen den zwei möglichen Regierungspartnern CDU/CSU und SPD ist eine Bilanz auf Bundesebene so noch nicht möglich. Was wir aber festhalten können, ist, dass wir mit unserem DEHOGA-Wahlcheck die zentralen Branchenanliegen bei der Politik platziert und eine erfreulich hohe Anzahl an Rückmeldungen erhalten haben. Neben den ausführlichen Antworten der Parteien auf unsere Fragen haben sich 700 Kandidaten für den Bundestag, jeder zweite der Angeschriebenen, zu unseren Themen positioniert. Wir wissen, wer an unserer Seite steht, und für alle anderen ist der DEHOGA-Wahlcheck unsere Einladung zum konstruktiven Austausch. Zudem haben wir zahlreiche persönliche Gespräche mit Ministern und Spitzenpolitikern, insbesondere zum Arbeitszeitgesetz, geführt.

Bewegung ist auch auf Länderebene zu registrieren: So wurde der von Rot-Grün auf den Weg gebrachte Internetpranger in Nordrhein-Westfalen nun von Schwarz-Gelb abgeschafft. Wolfgang Schäuble hat sich beim Frühlingsfest in Stuttgart vor über 4 000 Wirten und Hoteliers für die Wochenarbeitszeit ausgesprochen. Besonders beeindruckend war der erste Gastgebertag des DEHOGA Bayern mit Markus Söder, der der bayerischen Präsidentin zu nahezu allen Themen beipflichtete und weniger Bürokratie und fundamentale Änderungen bei den Dokumentationspflichten versprach. Auch für unser Kernanliegen „Gleiche Steuern für Essen“ zeigte er Verständnis, betonte aber gleichzeitig die Schwierigkeit, hier Veränderungen herbeizuführen.

Fakt ist: Steter Tropfen höhlt den Stein. Und wenn Politiker in ihrer Heimat authentisch, praxisnah und argumentationsstark mit unseren Branchenforderungen konfrontiert werden, sind die Erfolgsaussichten für die Durchsetzung unserer politischen Forderungen auf Bundesebene um ein Vielfaches höher.

Warum tut sich die Politik so schwer mit Entscheidungen zugunsten des Gastgewerbes, auch wenn es immer wieder positive Signale verschiedener Parteien gibt?

Entscheidungen bedürfen immer politischer Mehrheiten. Solange beim Arbeitszeitgesetz SPD und Grüne eine Reform blockieren sowie die Gewerkschaften sich bei diesem Thema nicht bewegen, ist es im Lichte der Mehrheitsverhältnisse nicht einfach, mehr Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung zu bekommen. Oder auch bei der steuerlichen Gleichbehandlung von Essen zeigt sich immer wieder, wie viele Branchen ihre ganz eigenen Interessen verfolgen. Und der Politik fehlt am Ende der Mut, Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie sehr wohl unsere Argumente versteht. Aber wir haben Kondition, Überzeugungskraft und gute Argumente – und haben in der Vergangenheit bewiesen, dass wir am Ende auch was verändern können.

Welches sind aus Sicht des Bundesverbandes die größten Baustellen?

Trotz einer insgesamt positiven Umsatzentwicklung gelingt es vielen Betrieben nicht, zufriedenstellende Erträge zu erzielen. Die Kosten sind wie gesagt vielfach schneller gestiegen als die Umsätze. Neben den steigenden Betriebskosten gehören die Suche nach Fachkräften, immer mehr bürokratische und teure gesetzliche Auflagen sowie unfaire Wettbewerbsbedingungen zu den größten Problemen für die Betriebe. Gastwirte und Hoteliers wollen gute Gastgeber sein, dafür brauchen sie Luft zum Atmen und vernünftige wirtschafts- und mittelstandspolitische Rahmenbedingungen. Für den DEHOGA selbst ist und bleibt die Mitgliederbindung sowie die Neugewinnung von Mitgliedern eine der wichtigsten Verbandsaufgaben. Hoffnung macht, dass es Landesverbände gibt, die in den letzten Jahren hier eine Trendwende vermelden konnten.

Wie kann jeder einzelne Unternehmer die Arbeit des Bundesverbandes unterstützen?

… indem jeder an seinem Ort in seinem Betrieb zum Botschafter der Branche und des Verbandes wird. Bei aller notwendigen Auseinandersetzung und beim Ringen um Positionen und Wege werbe ich für Geschlossenheit, Solidarität und Engagement im Verband – auch und gerade in der heutigen Zeit, in der die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung nicht mehr die Bedeutung hat wie früher. Der DEHOGA ist dafür bestens aufgestellt. Denn er ist nah dran an den Mitgliedern. Die Unternehmer wiederum sind nah dran an den Politikern. Wo finden denn Abendessen unter Politikern statt? Wo werden denn Parteiveranstaltungen durchgeführt? In unseren Betrieben. Jedes DEHOGA-Mitglied ist aufgerufen, diese Chance aktiv zu nutzen.

Welche Ziele haben Sie für 2018?

Der DEHOGA soll und muss Heimat aller gastgewerblichen Unternehmer sein. Mir ist es wichtig, mehr und hier auch besonders jüngere Unternehmer zur Zusammenarbeit und zum Mitmachen in unserem Verband zu bewegen. Wir werden die Kräfte weiter bündeln und wo immer möglich noch effizienter und besser werden. Im Fokus unseres Tuns müssen dabei immer die Mitglieder und ihre Wünsche und Erwartungen stehen. Für sie müssen wir da sein, Hilfestellungen bieten und Lösungen anbieten. Möge es uns zudem gemeinsam gelingen, der Politik aufzuzeigen, dass unsere Branche ein unverzichtbarer Teil des öffentlichen Lebens und für das Funktionieren der Gesellschaft unentbehrlich ist. Das muss die Politik noch viel stärker anerkennen, wertschätzen und danach handeln. In diesem Sinne werde ich auch 2018 für einen konsequenten Bürokratieabbau, ein flexibleres Arbeitszeitgesetz und gleiche Steuern für Essen eintreten – wichtige Voraussetzungen dafür, dass sich das Gastgewerbe weiter positiv entwickeln kann und der Tourismusstandort Deutschland gestärkt wird.

Wie viel Spaß macht es, an der Spitze von Hotellerie und Gastronomie in Deutschland zu stehen?

Die Präsidentschaft im Bundesverband macht mir sehr viel Freude und erfüllt mich. Keine Frage: Dem Amt bin ich seinerzeit mit großem Respekt begegnet und auch heute bin ich mir der Verantwortung, die damit verbunden ist, bewusst. Ich bin Präsident aus Überzeugung. Unsere schöne, facettenreiche und spannende Branche hat es verdient, sich ehrenamtlich im DEHOGA einzusetzen. Ich fühle mich zudem verpflichtet, der Branche, der ich sehr viel zu verdanken habe, etwas zurückzugeben, indem ich für bessere Rahmenbedingungen für uns alle kämpfe. Und so sehe ich mich als Dienstleister und Anwalt für die Gastgeber aus Leidenschaft, die tagtäglich ihr Bestes geben. Die Begeisterung für unsere Branche und ihre Menschen, die Lust, zu gestalten, und die Möglichkeit, Dinge bewegen und ändern zu können, treiben mich an. In diesem Sinne freue ich mich auf das vor uns liegende Jahr 2018!

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