An den Tag vor rund drei Jahren kann sich Johannes Nicolay noch genau erinnern. Eine Mitarbeiterin hatte ihn provoziert mit der Aussage, dass vegane Ernährung viel besser und eine Lösung für seine vielen und vielfältigen gesundheitlichen Probleme sei. Eine Nacht hatte er darüber nachgedacht, hatte sich informiert und war schließlich selbst zum Veganer geworden – von einem Tag auf den anderen. „Ich dachte, dass ich mich als Koch mit Ernährung auskenne“, sagt er. Doch in der Folgezeit hat er viel gelernt und hat festgestellt, dass vegane Ernährung keine Einschränkung ist, sondern vielmehr eine Bereicherung. Dass es ihm noch nach wenigen Wochen gesundheitlich wesentlich besser ging, hat ihn in seinem Handeln nur bestärkt.

Tradition und vegane Angebote müssen sich nicht ausschließen

Tradition und vegane Angebote müssen sich nicht ausschließen (Foto: Philip Knoll)

„Ein halbes Jahr später haben wir das Restaurant auf vegane Angebote umgestellt“, berichtet Nicolay. Dabei ist er bis heute geblieben, hat die traditionelle Weinstube noch um ein veganes Bistro erweitert. „Es war ein mutiger und innovativer Schritt“, sagt Nicolay heute mit dem Blick zurück. Aber es war ein erfolgreicher Schritt. Mit dem veganen Angebot hat er sich eine ganz neue Zielgruppe erschlossen. Die Gäste im Hotel Nicolay kommen aus ganz Europa und sind deutlich jünger, im Schnitt um 15 Jahre. Zahlreiche Auszeichnungen und Berichte in den Medien haben dazu einen weiteren wichtigen Beitrag geleistet. Ein Großteil der Gäste, so berichtet der Inhaber, sind Veganer, viele probieren es aber auch aus. „Auf jeden Fall haben wir eine ganz hohe Loyalität unserer Gäste und eine ganz neue Treue zu unserem Haus.“

Dabei war die Entwicklung für den Inhaber des Hauses mit 72 Betten nicht immer ganz einfach. „Anfangs wurden wir verlacht, von den Banken genauso wie von den Kollegen“, berichtet er. Und er musste Lehrgeld bezahlen. Das Guiness-Angebot zum Beispiel kam bei den Veganern nicht so gut an, weil das typisch englische Dunkel-Bier nicht vegan ist. „Man muss das Thema und die Gäste ernst nehmen“, sagt Nicolay. Das tut er mit kreativen Ideen: Er hat jetzt einen eigenen Kräutergarten und eine Pilzzucht im Keller. Allerdings: An manchen Tagen sind noch Rumpsteak, Forelle und zwei weitere Fleisch-Gerichte auf der Karte. „Wenn aber nur ich in der Küche bin, gibt es vegane Zwangstage, denn ich schneide kein Rumpsteak mehr.“

Direkt an der Mosel liegt das Hotel Nicolay. Durch die Umstellung des Angebotes hat Johannes Nicolay deutlich jüngeres Publikum dazugewonnen.

Direkt an der Mosel liegt das Hotel Nicolay. Durch die Umstellung des Angebotes hat Johannes Nicolay deutlich jüngeres Publikum dazugewonnen. (Foto: Philip Knoll)

Die Spitze der Entwicklung zur veganen Ernährung ist aus der Sicht von Johannes Nicolay noch nicht erreicht. Der Markt wird sich allerdings splitten, meint er: in die Bewusstseins-Veganer, die ihre Ernährung aus moralischen Gründen umstellen, und die Genuss-
Veganer, die Lust auf Neues haben. Groß genaug wird die Zielgruppe auf jeden Fall sein. 

www.hotel-nicolay.com