Im Falle des Fünf-Sterne-Hotels Budersand auf Sylt ist er sogar im Zuge seines Neubau-Managements zum Hoteldirektor geworden – und in dieser Funktion im vergangenen Jahr zum „Hotelier des Jahres“ gekürt worden. Im Interview mit GASTGEWERBE MAGAZIN spricht Rolf E. Brönnimann über die Anforderungen bei Hotelbauprojekten und die Ausrichtung auf die Zukunft.

Gastgewerbe-Magazin: Herr Brönnimann, was bedeutet Bau- und Projektmanagement in Hotellerie und Gastronomie?

Rolf E. Brönnimann, Geschäftsführer der SH Swiss Hospitality-Group AG und Hoteldirektor des Fünf-Sterne-Hotels Budersand auf Sylt

Rolf E. Brönnimann, Geschäftsführer der SH Swiss Hospitality-Group AG und Hoteldirektor des Fünf-Sterne-Hotels Budersand auf Sylt (Foto: Budersand)

Rolf E. Brönnimann: Ich vergleiche Bauen immer ein wenig mit dem Kochen. Eine gute „mise en place“ ist schon halb gekocht, und so ist es auch mit dem Bauen. Egal wie groß das Projekt ist, es gilt immer derselbe Grundsatz: gut geplant ist halb gebaut. Das macht vieles einfacher, und vor allem hat man die Kosten im Griff. Bei jedem Projekt gibt es den sogenannten „point of no return“, was heißt, dass die Planung abgeschlossen ist und es nun definitiv an die Umsetzung geht!

Eine rollende Planung, wie ich das leider immer wieder feststelle, führt unweigerlich zu Mehrkosten und Frustration. Deshalb rate ich immer, mit dem Bau nicht zu beginnen, bis nicht die hinterste Schraube definiert worden ist. Das mag für manchen etwas übertrieben klingen, aber in Tat und Wahrheit ist es genau das, was notwendig ist, damit ein Projekt in der geplanten Zeit und mit dem avisierten Budget zum Abschluss gebracht werden kann.

Was sind die besonderen Anforderungen, die die Branche stellt und sich wiederum an die Branche stellen?

Es gilt zu unterscheiden, ob eine Renovierung bei zum Teil laufendem Betrieb erfolgt oder ob es sich um einen Neubau handelt. Bei einer Renovierung bei laufendem Betrieb gilt es, den Schnittstellen zum Betrieb größtmögliche Aufmerksamkeit zu schenken. Eine minutiöse Abstimmung mit der Bauleitung ist hier besonders erforderlich, zumal Pläne ausgearbeitet werden müssen, zu welchen Zeiten absolut keine mit Lärm verbundenen Arbeiten durchgeführt werden können. Bauen bei laufendem Betrieb erfordert von allen Seiten Rücksichtnahme und größtmögliches Verständnis, was zum Teil schwer gegenüber den Gästen zu rechtfertigen ist. Deshalb rate ich immer, die Gäste im Voraus zu informieren.

Bei einem Neubau gilt es der Materialauswahl besonderes Augenmerkt zu schenken, denn nicht alles was schön ist und im privaten Haushalt bestens funktioniert, lässt sich auch bei einem Hotel einsetzen. Die Architekten und Innenarchitekten verlassen nach der Eröffnung in der Regel den Bau, aber der Hotelier bleibt und muss sich mit dem täglichen Unterhalt auseinandersetzen, und das kann sehr schnell in exorbitanten operativen Kosten münden. Persönlich beurteile ich einen Hotelneubau nach fünf Jahren, denn erst dann kann man sagen, ob ein Projekt gelungen ist oder nicht.

Wenn die Materialen übermäßig altern und dazu führen, dass der Betrieb bereits abgelebt aussieht, hat das unweigerliche Auswirkungen auf die Ertragslage eines Betriebes. Aber in der Regel kommt ein Betrieb erst nach rund drei bis fünf Jahren überhaupt in die Situation, dass sich das Investment anfängt zu rechnen.

Auf was kommt es bei Design und Planung an? Wir haben alle keine Glaskugel – wie schaut man dabei über die Gegenwart hinaus in die Zukunft?

Bei Design und Planung rate ich dem Team, eine Art Vision zu entwerfen, was das Haus ausmachen soll. Es ist wichtig, dass zu Beginn eines neuen Projektes eine Art Kick-off-Meeting mit allen Beteiligten und dem Bauherrn gemacht wird, in dem die Hauptmaterialien, aber auch die Ausrichtung definiert werden, sodass gleich von Anfang an alle auf derselben Seite sind.

Sollte sich die Frage „Design versus Funktionalität“ stellen, rate ich immer dazu, die Funktionalität in den Vordergrund zu stellen, wobei mir klar ist, dass hier und da auch Kompromisse notwendig sind. Ein Hotel wird in der Regel für 25 Jahre und länger gebaut. Somit sind nicht nur die ersten fünf Jahre wichtig, sondern auch die Jahre darüber hinaus. Dies wird in unserer schnelllebigen Zeit leider sehr oft vergessen.

Welche Rolle spielt der Hoteldirektor bei solchen Vorhaben?

In der Regel wird der Hoteldirektor bei Neubauten zwischen acht Monaten und einem Jahr vorher für alle operativen Belange eingestellt. Wenn es sich um einen Kettenbetrieb handelt, wird ein „Technical Service Agreement“ ausgemacht, bei dem der Betreiber des Hotels alle hotelspezifischen Angaben zum Bau macht und jeweils auch an den entsprechenden Meetings teilnimmt, damit auch alle Standards für den jeweiligen Hoteltypus eingehalten werden. Wenn es sich um einen Individualbetrieb handelt, kann dieser Teil von Beratern übernommen werden.

Da dies kein normales  Beratungsmodell ist und es nur wenige Berater gibt, die über das dafür notwendige Wissen verfügen, empfehle ich, einen Berater zu engagieren, der über große Erfahrung in diesem Bereich verfügt, und entsprechende Referenzen einzuholen. Sehr oft habe ich in der Vergangenheit festgestellt und tue dies auch noch immer, dass sowohl Bauherren als auch die Architekten oft der Meinung sind, dass sie solche Berater nicht benötigten, da es ja ein Leichtes sei, ein Hotel zu planen. Ein Hotel ist jedoch ein sehr vielseitiges Bauwerk und je höher die Kategorie, desto umfangreicher sind die Anforderungen an den Berater und dessen Erfahrungen. Hier wird leider sehr oft an der falschen Stelle gespart.