Rund anderthalb Jahre ist es nun her, dass die Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV) in Kraft getreten ist und damit auch die gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnung von losen Lebensmitteln. Wir sprachen mit Guido Klüh, Bereichsleiter Dr. Oetker Professional, und Dr. Torsten Dickau, Leiter des Nestlé Professional Service Centers, über die Auswirkungen der Verordnung auf ihre Produkte und Vorteile von deklarationsfreien Free-From-Produkten.


Gastgewerbe-Magazin: Herr Klüh, welche Bedeutung hatte für Sie das Inkrafttreten der Allergenkennzeichnung?

Guido Klüh, Bereichsleiter Dr. Oetker Professional

Guido Klüh, Bereichsleiter Dr. Oetker Professional (Foto: Dr. Oetker Professional)

Guido Klüh: Die Allergenkennzeichnung war schon vor Geltung der LMIV bei vorverpackter Ware verpflichtend, entsprechend hat sich für uns Hersteller von Lebensmitteln in Fertigpackungen wenig geändert. Neu ist für uns lediglich die Hervorhebung der Allergene im Zutatenverzeichnis. Hierfür haben wir ein Konzept für eine produktübergreifende, einheitliche Umsetzung erarbeitet, um eine bessere Transparenz für den Kunden zu erreichen. Um das Thema Allergene kümmern wir uns schon lange. Wir haben ein umfangreiches Allergenmanagement implementiert, führen intensive Kontrollen, Lieferantenbesuche, Audits durch etc.
Für einen Großteil unserer Kunden dagegen haben die neuen Regelungen einen erheblichen Mehraufwand mit sich gebracht, da bei der Abgabe loser Ware eine Allergenkennzeichnung bisher nicht erforderlich war.

Wie steht es denn anderthalb Jahre nach Inkrafttreten um den Informationsbedarf seitens der Gastronomen?

Dr. Torsten Dickau, Leiter des Nestlé Professional Service Centers

Dr. Torsten Dickau, Leiter des Nestlé Professional Service Centers (Foto: Nestlé Professional)

Dr. Torsten Dickau: Die Nachfrage ist ungebrochen hoch – ein Zeichen dafür, dass das Thema die Branche noch immer sehr beschäftigt. Direkte Auswirkungen hat die Lebensmittelinformations-Verordnung natürlich auch auf unsere Produkte. Hier verfolgen wir zwei Ansätze: die vollständige Deklaration von Allergenen und Zusatzstoffen – ganz so wie es der Gesetzgeber vorschreibt. Bei den Zusatzstoffen betrifft das allerdings nur einen kleinen Teil unseres Sortiments. Denn über 80 Prozent unserer Produkte sind deklarationsfrei, also ganz ohne die vom Gesetzgeber definierten Zusatzstoffe. Darüber hinaus werden besondere Eigenschaften wie beispielsweise vegan auf unseren Verpackungen deutlich sichtbar angegeben. Parallel dazu haben wir uns entschlossen, zwei der wichtigsten Produktlinien von Nestlé Professional komplett zu überarbeiten. So kommen die „Maggi Bouillons“ und der „Chef Baukasten“ mittlerweile komplett ohne kennzeichnungspflichtige Allergene und ohne Hefe aus. Ein großes Plus für die Profiküche, denn wir ermöglichen ihnen damit noch mehr Flexibilität.

War es einfach, Produkte auf vegan und Free-From umzustellen?

Guido Klüh: Wir haben rund 150 vegane Produkte in unserem Sortiment und versuchen, das Angebot weiter auszubauen. Viele Suppen und Soßen gehören dazu, aber auch Frühstücksprodukte, Puddings und weitere Desserts. Aktuell haben wir auch unsere Götterspeise mit Waldmeister- und Kirsch-Geschmack auf vegan umgestellt und bieten sie künftig mit Carrageen statt Rindergelatine an. Als einer der ersten Hersteller im Markt haben wir zudem bei den Suppen, Soßen und Würzmitteln ein breites Sortiment aus Produkten eingeführt, die keine Hefeextrakte, keine Speisewürze, keine hefehaltigen Aromen und auch nicht den Zusatzstoff Glutamat enthalten. Wir bieten sie als attraktive Alternative zu den herkömmlichen Produkten an, die wir weiterhin im Sortiment führen. Die eigentliche Herausforderung sehe ich vor allem darin, die Kunden davon zu überzeugen, dass sie auch bei diesen Produkten vor allem beim Geschmack keine Abstriche machen müssen. Und dass der etwas höhere Preis durchaus seine Berechtigung hat.      

Dr. Torsten Dickau: Wir haben schon vor einiger Zeit festgestellt, dass Allergene und das Thema Hefe in den Profiküchen an Bedeutung gewonnen haben. „Weniger ist mehr“, das wünschen sich die Gäste heute.         >

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