Es vergeht kaum ein Monat, in dem nicht  ein vermeintlicher Trend im Gastgewerbe auftaucht. Von der Inneneinrichtung bis zum Bier, von der Kleidung der Mitarbeiter bis zur Vermarktungsstrategie, von der Fleischqualität bis zur Zielgruppe: Hoteliers und Gastronomen könnten eigentlich jeden Monat ihren Betrieb an der ein oder anderen Stellen umkrempeln, um einen Trend oder ein neues Konzept zu implementieren.

Die Erfahrung hat aber auch gezeigt: Viele dieser Neuerungen setzen sich nicht durch und verpuffen wie ein laues Lüftchen. Hingegen gibt es andere Trends, die sich wirklich fest verankert haben – und die so viel Wucht entwickelt haben, dass sie die Gesellschaft tatsächlich beeinflussen. Der Begriff dafür ist Megatrend. Diese markieren laut dem Think Tank Zukunftsinstitut Veränderungen, die uns schon lange prägen und auch noch lange prägen werden: „Megatrends sind Tiefenströmungen des Wandels. Als Entwicklungskonstanten der globalen Gesellschaft umfassen sie mehrere Jahrzehnte. Ein Megatrend wirkt in jedem einzelnen Menschen und umfasst alle Ebenen der Gesellschaft: Wirtschaft und Politik, sowie Wissenschaft, Technik und Kultur. Megatrends verändern die Welt – zwar langsam, dafür aber grundlegend und langfristig.“

Umweltfreundlicher Urlaub gewünscht

Olaf Schöpe, Präsident des DEHOGA Brandenburg

Olaf Schöpe, Präsident des DEHOGA Brandenburg (Foto: privat)

Ein solcher Megatrend ist die Nachhaltigkeit als das Prinzip, das Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft in ein langfristig funktionierendes und spannungsfreies Verhältnis setzt und vor allem dafür Sorge tragen will, dass Profite nicht auf Kosten von Mensch und Natur erwirtschaftet werden. Der Einklang von „People, Planet, Profit“ steht im Vordergrund. Das gilt auch im Gastgewerbe, wie Olaf Schöpe, Präsident des DEHOGA Brandenburg, betont. „Neben dem Thema Fachkräftemangel werden die Themen ökologisches und nachhaltiges Wirtschaften zu zentralen Zukunftsaufgaben im Tourismus und speziell im Gastgewerbe.

Stetig steigende Energiekosten sind derzeit eines der zentralen Probleme, die die Unternehmen des Gastgewerbes am stärksten belasten. Maßnahmen zur Energieeffizienz werden eine Notwendigkeit. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und einer zunehmenden Orientierung an Aspekten der ökologischen Nachhaltigkeit steigt das Bedürfnis der Gäste, den Urlaub umweltfreundlich, ressourcen- und klimaschonend zu gestalten. Zielgruppen mit einer ausgeprägten Nachhaltigkeitsorientierung entscheiden sich zudem bereits heute bevorzugt für Inlands- und Nahziele, mit steigender Tendenz. Kommunizierbares Umwelt-Engagement ist längst mehr als ein positiver Imagefaktor.“

Verband: Transnationales Projekt

Olaf Schöpe muss es wissen, schließlich war sein Verband am transnationalen Projekt „Nachhaltigkeit im Gastgewerbe“ beteiligt. Gemeinsam mit der Unternehmensberatung Project M, der Leuphana Universität Lüneburg (Schwerpunkt Tourismusmanagement) und Südtirol Marketing hat der DEHOGA Brandenburg teilnehmenden Hoteliers und Gastronomen in Form von Seminaren, Workshops und Coachings auf Betriebsebene Impulse, Informationen und Instrumente zu den drei Säulen der Nachhaltigkeit – Ökologie, Ökonomie und soziale Nachhaltigkeit – vermittelt.

„Die Landestourismuskonzeption Brandenburg und die Strategische Marketingplanung 2012 bis 2016 der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH betonen die Bedeutung der Themen Natur und Nachhaltigkeit für den landesweiten Tourismus. Mit dem Modellprojekt ‚Nachhaltigkeit im Gastgewerbe‘ hat der DEHOGA nicht nur eines der wichtigsten Zukunfts- und Innovationsthemen aufgegriffen, sondern mit seiner Umsetzung dem Gastgewerbe in Brandenburg praktische, strategische und konzeptionelle Grundlagen und Instrumente für eine wettbewerbsfähige, marktkonforme und markenkonforme Entwicklung ihrer Unternehmen an die Hand gegeben.“

Wie sich der Megatrend Nachhaltigkeit in Zahlen ausdrückt, stellt der DEHOGA Brandenburg-Präsident am Beispiel Deutschlands dar. „Nachhaltige Urlaubserlebnisse sind gefragt: Immer mehr Reisende wünschen sich einen ökologisch-und sozialverträglichen Urlaub – das Gesamtpotenzial liegt in Deutschland aktuell bei über 20 Millionen Menschen, Tendenz steigend.“ Das Land Brandenburg habe das Ziel, eine der führenden Naturreisedestinationen in Deutschland zu werden. Die attraktiven Natur-und Landschaftsräume stellten die Basis der touristischen Angebote dar, jedoch müssen entsprechende spezifische Programme erstellt werden, um ganzheitliche Qualitätserlebnisse zu schaffen und damit die entsprechenden Zielgruppen anzusprechen.

Die (Erfolgs)Faktoren Qualität, Erlebniswert, Image, gutes Gewissen, und Authentizität der Produkte und Angebote würden vom Gast als Mehrwert empfunden. „Das heißt: Die Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit, Regionalität und Qualität wird zunehmend über die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit eines Betriebes entscheiden. Eine ganzheitlich nachhaltige Wirtschaftsweise wird zu einem Qualitätsmerkmal, welches als Imagegewinn und für eine bessere Positionierung im Wettbewerb genutzt werden kann“, betont Olaf Schöpe und weist damit auf die Bedeutung der Nachhaltigkeit für jeden einzelnen Betrieb hin – und das gilt nicht nur in Brandenburg, sondern für das gesamte deutsche Gastgewerbe.

Wertschöpfung durch bewusste Zusammenarbeit

Betrachte man den Stellenwert des Themas Nachhaltigkeit in der Hotellerie und Gastronomie im Land Brandenburg vor Beginn und nach Abschluss des Projektes, sei eine deutlich veränderte Wahrnehmung dieses Themas festzustellen. Ganzheitliche, nachhaltige, umweltfreundliche und auch mitarbeiterorientierte Unternehmenskonzepte im Gastgewerbe umfassten weit mehr als Energie- und Wassersparen, sagt der Hotelier. „Nachhaltiger Tourismus soll allen einen Nutzen bringen: den Gästen, den Mitarbeitern, den Einheimischen, den Kooperationspartnern und Zulieferbetrieben sowie weiteren Akteuren des lokalen beziehungsweise regionalen Umfeldes.“

Deshalb sei im Anschluss an das Projekt „Nachhaltigkeit im Gastgewerbe“ von Teilnehmern das Netzwerk „Spreewälder Genusswerk“ gegründet worden. Neben der Weiterentwicklung der Projektergebnisse seien der Einsatz regionaler Produkte, die Förderung regionaler Kultur, Brauchtum und Identität, die Einigung auf ökologische Nachhaltigkeitskriterien sowie die erhöhte Wertschöpfung durch die bewusste Zusammenarbeit mit regionalen Erzeugern und Dienstleistern und  gemeinsame nachhaltige Angebote verbindliche Qualitätskriterien der Kooperation. „Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie Nachhaltigkeit vor Ort funktionieren kann“, sagt Olaf Schöpe.

Weitere Projekte zum Thema Nachhaltigkeit seien im Moment nicht geplant. Das Thema Nachhaltigkeit wird jedoch in der Fortführung und Erweiterung des Netzwerkes oder zum Beispiel auch im Seminarangebot der GEHOGA, Gesellschaft zur Förderung von Hotellerie und Gastronomie in Brandenburg, fortgesetzt. „Nachhaltigkeit ist ein Prozess, der nie beendet ist, sondern nach immer neuen Ideen verlangt beziehungsweise inspiriert. Mit dem Modellprojekt wurden grundlegende Impulse gesetzt.“